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01.09.2012 | schwerpunkt suizidforschung | Ausgabe 3/2012

neuropsychiatrie 3/2012

Suizidale und infantizide Risiken im Wochenbett – klinische Erfahrungen bei Frauen mit Puerperalpsychose eines frühen Beginns

Zeitschrift:
neuropsychiatrie > Ausgabe 3/2012
Autoren:
Dr. med. Dr. phil. Hans-Peter Kapfhammer, Dr. Peter Lange

Zusammenfassung

Anliegen

An einer Gruppe von Frauen mit früher Manifestation einer Puerperalpsychose sollen die speziellen Risiken eines Suizids und Infantizids im Wochenbett und weiteren Verlauf dargestellt werden.

Methoden

Über eine 20-Jahresperiode konnten an einer psychiatrischen Universitätsklinik 96 Patientinnen identifiziert werden, die innerhalb der ersten vier Wochen nach einer Entbindung wegen einer Puerperalpsychose stationär aufgenommen wurden. Ausgeschlossen waren Patientinnen mit einer Exazerbation einer bekannten schizophrenen Störung. Bei einer Subgruppe von 37 Frauen waren bereits vor der puerperalen Indexepisode psychotische (v. a. affektive und bipolar affektive) Störungen bekannt, bei einer Subgruppe von 59 Frauen war die puerperale Indexepisode die Erstmanifestation einer psychotischen Störung. Eine differenzierte Erfassung Suizid- und Infantizid-relevanter psychopathologischer Symptome (suizidale Gedanken/Verhaltensweisen vor/während der stationären Behandlung, allgemeine desorganisierte Aggression, auf das Baby bezogene wahnhafte Ängste, infantizide Obsessionen, aggressive Gedanken/Verhaltensweisen gegenüber dem Baby, Vernachlässigung, infantizide Impulse) erfolgte.

Resultate

Die psychotischen Störungen waren den drei diagnostischen Gruppen einer psychotischen Depression, einer bipolar affektiven und einer schizoaffektiven Störung zuzuordnen. Aus dem Sample verstarben insgesamt sechs Frauen durch Suizid zumeist schon nach wenigen Tagen bis Wochen nach Entlassung, obwohl zu diesem Zeitpunkt eine gute symptomatische Remission registriert worden war. Eine Mutter aus dieser Subgruppe sowie zwei weitere Patientinnen verübten je einen erweiterten Suizidversuch zusammen mit ihrem Baby. Hieraus resultierten zwei Infantizide. Alle isolierten und erweiterten suizidalen Handlungen erfolgten in einem depressiven Verstimmungszustand und mutmaßlich synthymen Wahnerleben.

Schlussfolgerungen

Suizidalität definiert sowohl vor als auch während der stationären psychiatrischen Behandlung eine große klinische Herausforderung bei Patientinnen mit Puerperalpsychose. Für Leben und Gesundheit von Müttern wie Babies können aber auch noch nach Entlassung bedeutsame Risiken trotz einer scheinbar guten symptomatischen Remission fortbestehen. Es stellten sich nicht nur die Herausforderungen gezielter präventiver Maßnahmen gegenüber Puerperalpsychosen überhaupt, sondern auch geeigneter stationärer und poststationärer Versorgungsmodelle. Auf eine sorgfältige und engmaschige fachärztliche Kontrolle ist insbesondere für die Zeit nach der Entlassung zu achten.

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Literatur
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