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01.06.2016 | Onkologie | Ausgabe 3/2016

Wiener klinisches Magazin 3/2016

Chemotherapie und/oder Immuntherapie?

Anmerkungen zu Effizienz und Effektivität der Krebsbehandlung

Zeitschrift:
Wiener klinisches Magazin > Ausgabe 3/2016
Autor:
Prof. Dr. Volker Schirrmacher

Zusammenfassung

Neu zugelassene Krebs-Immuntherapeutika geben Anlass zu der Hoffnung, dass sich durch Immuntherapien grundsätzlich deutliche Fortschritte in der Krebsbehandlung erzielen lassen. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen und Unterschiede zwischen Immun- und Chemotherapie. Während Zytostatika vor allem in Zellteilung befindliche Zellen angreifen und damit auch gesunde Zellen schädigen, zeichnen sich die neuen Immuntherapeutika durch eine höhere Tumorspezifität aus. Die höchste Spezifität besitzen autologe therapeutische Unikate (individualspezifische Impfstoffe oder T‑Zellen). Ein weiterer Unterschied besteht in der Gedächtnisfunktion, die bei der Chemotherapie fehlt. Bei der Immuntherapie dagegen werden mit der Aktivierung tumorspezifischer zytotoxischer T‑Zellen auch entsprechend spezifische Gedächtnis-T-Zellen generiert. Diese können dann längerfristig wirksame Kontrollfunktionen im gesamten Organismus gegenüber potenziell verbliebenen Tumorzellen oder Mikrometastasen übernehmen und damit das langfristige Überleben positiv beeinflussen. Die Effektivität der neuen checkpointinhibitorischen Antikörper beruht letztendlich – nach Entsperrung der durch den Tumor verursachten Bremsen – auf der Effektivität tumorspezifischer T‑Zellen.
In 4 Tabellen werden neu zugelassene Antikörper und T‑Zell basierte Immuntherapien vorgestellt, die bereits Einzug in die klinische Anwendung gefunden haben.
Sodann werden Synergismen und Antagonismen zwischen Chemo- und Immuntherapie erklärt und klinische Situationen beschrieben, in denen entweder die eine oder die andere Form von Therapie ausreichen sollte. Eine solche Betrachtungsweise ist als Denkanstoß zur Kostendämpfung zu werten. Im Hinblick auf die Zukunft wird vorgeschlagen, in einer operationsassoziierten adjuvanten Situation die Chemotherapie durch eine Immuntherapie zu ersetzen. In der neoadjuvanten Situation hingegen wäre Chemotherapie die zu bevorzugende Methode. So blieben nur die fortgeschrittenen Stadien von Krebserkrankungen übrig, in denen auf keine der beiden Therapieoptionen verzichtet werden kann, denn im Falle der Entstehung von Resistenzmechanismen ist ein Wechsel der Therapiemodalität angezeigt.
Es wird auch auf Fragen zu Kosten und Regelungen im europäischen Raum eingegangen. Für Deutschland wird empfohlen, in Fachkreisen eine rationale Debatte darüber zu führen, wie sich die Effizienz und Effektivität der Krebsbehandlung durch Einbeziehung der Immuntherapie steigern lassen.

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Literatur
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