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Open Access 08.10.2022 | Praxis und Beruf

Her mit den Heeresärzten

verfasst von: Martin Krenek-Burger

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Sie sind jung, sportlich, abenteuerlustig und einige haben bereits medizinische Grundkenntnisse erworben: die ersten Militärmedizinstudenten des Landes. Eine Beförderung zum Fähnrich gab es für die angehenden Militärärzte obendrein.

Das Heer gibt, das Heer nimmt. Mit Beginn des Wintersemesters werden jedes Jahr bis zu zehn Männer und Frauen mittels Sondervertrag beim Bundesheer für den Dienst als Militärärzte neu aufgenommen. Sie verpflichten sich für 20 Jahre. Eine lange Zeit. Für die sechs Mediziner, die mit Beginn des Wintersemesters 2022/23 ins Studium einsteigen, ist das aber kein Hindernis. So attraktiv ist die Förderung durch das Heer für sie.

Der Steirer Julian Bann, 33, ist diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, der schon im AKH Berufserfahrung gesammelt hat. „20 Jahre Bundesheer finde ich nicht schlimm. Aber ich wollte ja schon damals als Grundwehrdiener bleiben.“ Sein Wunsch-Fachgebiet: die Kardiologie. Geschenkt wird den jungen Militärärzten nichts. Die Bewerber müssen über eine militärische Eignung verfügen, am regulären medizinischen Aufnahmetest teilnehmen und unter den besten 25 Prozent liegen. Heuer gab es 135 Anfragen. 21 haben die Prüfung abgelegt. Für Auslandseinsätze interessiert sich der ehemalige Leistungssportler Gordian Schober, ebenfalls 33. Die Fächer Orthopädie und Anästhesie reizen ihn. Schober hat schon Sanitätskurse besucht, „Kameraden bergen“ beispielsweise. Beim Aufnahmeverfahren zum Medizinstudium haben ihm seine praktischen Kenntnisse zwar nichts genützt, er hätte den Test aber auch ohne Sondervertrag geschafft. „Ich finde es cool, dass der Rektor auf unsere Leistungen verwiesen hat.“

Studieren an der MedUni Wien

Der angesprochene Rektor der MedUni Wien, Prof. Dr. Markus Müller, erklärt: „Die Medizinische Universität Wien ist derzeit die mit Abstand größte medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum und nimmt mit 760 Studienplätzen pro Jahr mehr Studierende als etwa die Berliner Charité auf. Analog zur Situation in Deutschland wurde nun auch in Österreich ein rechtlicher Rahmen geschaffen, um die Zukunft der Heeressanitätsversorgung durch Studienplatzvergaben sicherzustellen.“ Die sechs frisch gebackenen Militärmedizinstudenten strahlten mit Müller und den anderen versammelten Honoratioren um die Wette. Kein Wunder, wurden sie in der Rossauer Kaserne doch von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) zu Offiziersanwärtern befördert, zu Fähnrichen. Weitere Gründe zur Freude boten ihnen die folgenden Fakten: Militärstudenten bekommen vom Bundesheer alle anfallenden Kosten wie die laufenden Studiengebühren erstattet oder auch notwendige Unterkünfte zur Verfügung gestellt.

Frisch geölte Sanitätsversorgung

Die Offensive der Verteidigungsministerin soll helfen, den Mangel an Ärzten zumindest beim Heer auszugleichen. „Ich hoffe, sie bleiben uns auch über ihre Dienstzeit hinaus erhalten“, sagte Tanner und hieß die neuen Studenten willkommen: „Vor allem während der Corona-Pandemie haben wir gesehen, wie wichtig eine rasche und funktionierende Sanitätsversorgung ist. Mit dem neuen Modell können wir die wichtigen Ärzte-Arbeitsplätze im Österreichischen Bundesheer in den kommenden Jahren sicherstellen. Ich wünsche unseren Soldaten des ersten Jahrganges alles Gute und viel Erfolg für ihre Studienzeit.“

Auch Gesundheitsminister Johannes Rauch von den Grünen verwies auf die Erfahrungen mit der Pandemie. „Dank des gut ausgebildeten medizinischen Fachpersonals konnte das Heer innerhalb kürzester Zeit Test- und Impfstraßen einrichten und die dringend notwendige medizinische Infrastruktur im gesamten Land aufbauen und verteilen. Darauf gilt es auch weiterhin zu setzen. Ich bin daher besonders froh, dass die Ausbildung zusätzlicher Ärztinnen und Ärzte aktiv gefördert wird. Ich wünsche den ersten Studierenden als Gesundheitsminister alles Gute und viel Erfolg für ihr Studium“, sagte Rauch. Augenzwinkernder Nachsatz: Wenn die Herren – und vielleicht auch bald Damen – Militärärzte doch eines Tages dem Heeresdienst den Rücken kehren, würde sie das öffentliche Gesundheitswesen mit offenen Armen empfangen.

Diagnose: Karrierechance

Der Karrierefahrplan beim Heer sieht so aus: In den lehrveranstaltungsfreien Zeiten absolvieren die Studenten zum einen medizinische Praktika und zum anderen Zusatzausbildungen für den militärischen Alltag. In der verbleibenden Zeit werden sie dem Sanitätszentrum Ost zugeteilt. Nach Abschluss ihrer Ausbildung versehen die Ärzte ihren Dienst in einer der Krankenanstalten des Bundesheeres oder als Truppenarzt in der Sanitätseinrichtung einer Kaserne. Die medizinischen Leistungen des Heeres umfassen neben der Allgemeinmedizin die Fachbereiche Anästhesie, Augenheilkunde, Chirurgie, Dermatologie, HNO, Interne, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie, Radiologie und Unfallchirurgie. Neben der normalen Versorgung der Heeresangehörigen sind die Ambulanzen für Untersuchungen vor Antritt von Auslandseinsätzen sowie für die fliegermedizinischen und sportmedizinischen Checks notwendig.

Weitere Informationen:

medizin.bundesheer.at

Metadaten
Titel
Her mit den Heeresärzten
Schlagwort
Praxis und Beruf
Publikationsdatum
08.10.2022

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