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09.10.2022 | Geschichte der Medizin

Neue Perle in der Krone der Wiener Uni

verfasst von: Sonja Streit

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Die historische medizinische Sammlung der MedUni Wien präsentiert sich nach vierjährigem Umbau als modernes Museum für Geschichte, Gedenken und Kultur.

Medizingeschichte von der Gründungszeit im Jahr 1785 bis heute – das finden Sie im Josephinum in Wien. Einzigartige, in Florenz gefertigte anatomische Wachsmodelle wie die Mediceische Venus sind hier zu bestaunen wie historische Instrumente, Objekte, Bücher, Archivalien und Handschriften. Die Feile, die Kaiserin Elisabeth das Leben kostete, sowie ein Bündel Stroh, das im Magen eines 1945 an Hunger verstorbenen Menschen gefunden wurde, sind Teil der Dauer-Ausstellung. Ebenso das erste Endoskop der Welt aus dem Jahr 1806 oder der präparierte Magen, an dem anno 1880 die weltweit erste erfolgreiche Magenresektion vorgenommen worden war.

Berührend sind jene Objekte, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern wie die getöteten Kinder vom Spiegelgrund, deren Gehirne in Gläsern aufbewahrt wurden, ehe sie ihre letzte Ruhe fanden. Die leeren Depotgläser in den Regalen eines Ausstellungsraumes gemahnen uns, diese verbrecherischen Vorgänge niemals zu vergessen.

Kurator Niko Wahl hat gemeinsam mit dem Team des Josephinums ein neues Museumskonzept auf rund 1.000 Quadratmeter Fläche entwickelt, das schonungslos alle positiven und negativen Seiten der Medizingeschichte vorführt. Es handelt sich um ein universitäres Sammlungsdepot, das mit einer wandelbaren Ausstellungsfläche aufwartet und Raum für aktuelle bioethische Debatten lässt.

Prof. Dr. Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, nennt das Josephinum einen „würdigen Rahmen, in dem die wertvollen Sammlungen nun wieder präsentiert werden können“. Die Direktorin, Dr. Christiane Druml, spricht von einer „neuen Perle in der Krone der Universität Wien. Wissenschaft ist ein elementarer Teil unseres Lebens und Wien ist der Ort, wo die wissenschaftliche Medizin begann.“

Männerdominierte Medizin

Was im ersten Moment irritierend wirken mag, erklärt sich bei genauem Hinsehen von selbst: Die historischen Gemälde und Büsten zeigen fast ausschließlich Männer. Dies ist der Geschichte geschuldet, denn Frauen durften zunächst das Medizinstudium gar nicht betreiben und waren, als man sie endlich zuließ, lange Zeit nicht gleichberechtigt, weshalb die Medizin über Jahrzehnte hinweg eine reine Männerdomäne blieb.

Das Herzstück des Josephinums stellt der historische Hörsaal dar, an dem im 20. Jahrhundert etliche Bausünden begangen worden waren, die man im Zuge der elf Millionen Euro teuren Renovierung rückbaute. Laut Hans-Peter Weiss von der Bundesimmobiliengesellschaft wurden alle Putz- und Malschichten abgetragen, die darunter befindlichen originalen Wandmalereien von 1785 freigelegt und teilweise ergänzt. Die Abdrücke der Zwischendecke sind noch immer sichtbar und erinnern an Zeiten, in denen prachtvolle Gebäude und geschichtsträchtige Orte der Funktionalität und Praktikabilität zum Opfer fielen.

Während der große Saal seit den 1940er-Jahren mittels Anbringung einer Zwischendecke unterteilt war, reicht er heute über zwei Stockwerke, ist neun Meter hoch und soll künftig für Konzerte und Veranstaltungen genutzt werden. Ein wunderschöner Flügel, der als Leihgabe im Saal steht, macht neugierig auf alles, was sich musikalisch in den nächsten Jahren an diesem historisch so wichtigen Ort ereignen wird.

Sowohl das Innenleben des Josephinums selbst, aber auch die Außenanlage erstrahlen in Schönheit und machen deutlich, mit wie viel Liebe zum Detail und einem Blick fürs Moderne hier in den vergangenen vier Jahren gewerkt wurde.

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Metadaten
Titel
Neue Perle in der Krone der Wiener Uni
Publikationsdatum
09.10.2022

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