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Open Access 10.10.2022 | Mazhar

Zug der 10.000

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Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie eine Reise machen.10.000 Griechen schreiben Kriegsgeschichte, die es wert ist, neu entdeckt zu werden.

Zwei Dinge, die mich nicht zum ersten Mal verblüfften, als ich dieses Buch in die Hand bekam, sind einerseits die Weisheit, die man bereits in der Antike hatte, und andererseits die Konstanz der Dummheit, die über die Jahrtausende hinweg die Menschheit begleitet.

Wir lernen: Die skrupellose Blödheit, mit Krieg Geld zu verdienen und diesen durch sämtliche Gegenden der Welt zu verschleppen, ist keine Erfindung der Neuzeit. So begab es sich im Jahr 401 vor Christus, dass eine Tausendschaft Griechen sich zu einem Söldnerheer formierte, um sich an den Prinzen Kyros zu verkaufen, der seinen Bruder vom persischen Thron stürzen wollte. Was dann passiert, ist eine jener Geschichten, die nur die Historie schreibt, weil ein Schriftsteller sich gar nicht getraut hätte, sich so etwas auszudenken: Die griechischen Phalangen gehen zwar siegreich aus der entscheidenden Schlacht hervor, jedoch fallen sowohl der eigene Befehlshaber als auch der persische Thronprätendent. Plötzlich müssen die Hellenen erfahren, was schon viele Heerscharen vor (und nach) ihnen erleiden mussten: In ein Land einzufallen ist leichter, als unversehrt herauszukommen.

Es ist hochspannend, wie sich die Mannen organisieren, sogar demokratische Strukturen aufbauen, um mithilfe von Wahlen die Befehlsstruktur aufrecht zu halten. Bemerkenswert, dass ein Kriegsberichterstatter und Schüler des Sokrates Teil des Führerteams wird und den „Zug der 10.000“ aufzeichnet: Xenophon rückt dabei seine Heldentaten ins rechte Licht, berichtet aber auch über die Schmerzen, die er und seine Kameraden verbreiten. Man könnte fast Sympathien für die Söldner empfinden, würde man nicht zum Zeugen ihrer Gräueltaten, weil sich das Heer, einer Bestie gleich, durch die Landschaften Vorderasiens frisst und Not und Elend hinterlässt.

Mich fasziniert vor allem, wie zeitlos diese Geschichte ist, die unter den Hellenen übrigens den gleichen Stellenwert hatte, wie die Taten des Achill und die Feldzuüge Alexander des Großen. Mein Tipp: Lesen Sie die Story von einem Mann, der sie zu erzählen weiß, bevor Hollywood sie entdeckt und ebenso gnadenlos niedermacht wie die Griechen die bemitleidenswerte Bevölkerung im babylonischen Hochland.

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Metadaten
Titel
Zug der 10.000
Schlagwort
Mazhar
Publikationsdatum
10.10.2022

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