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08.10.2022 | Hygiene- und Umweltmedizin

Es ist nicht nur eine Phase, Hase

verfasst von: Josef Broukal

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Plastikteilchen erobern die Welt. Wir finden sie in Hautcremes, Duschgels und Shampoos. Als Abrieb in Mineralwasserflaschen, in Fischen und Meeresfrüchten, selbst Feldhasen sind belastet. Harmlos oder gefährlich? Man weiß es nicht. Das Umweltministerium lässt forschen.

Mikroplastik ist überall in der Umwelt nachweisbar. Die Teilchen werden von Menschen und Tieren über die Nahrung aufgenommen oder eingeatmet. Obwohl das seit Langem bekannt ist, gibt es noch viele Wissenslücken in der Forschung – angefangen von einheitlichen Analysemethoden bis hin zu der Erforschung von konkreten Wirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Was die Verantwortlichen irritiert, ist die Langlebigkeit von Plastik-Material. Wir kennen das als Problem auf den Müllhalden dieser Welt. Plastik widersteht Sonne, Wind und Regen viele Jahrzehnte lang. Unser Körper weiß sich keinen Rat dagegen. Kurz gesagt: Mikroplastik steht unter Verdacht. Und dieser Verdacht soll geklärt werden.

In Wien und Graz gehen Forscher-Teams der Frage nach, ob Mikroplastik eine Gefahr für unsere Gesundheit ist. Unter der Leitung von Prof. Dr. Lukas Kenner und Prof. Dr. Wolfgang Wadsak wird an Mäusen untersucht, ob Mikroplastik Dickdarmkrebs fördern kann – ob es ihn auslösen kann; ob es seine Verbreitung begünstigt; ob es ihn aggressiver macht. Vorläufiges Ergebnis: Mikroplastik landet in den meisten Organen der Tiere. Es kann zu chronischen Darmentzündungen beitragen. Ob das auch für die Menschen gilt? Kann sein. Kenner und Wadsak haben noch einen weiten Forschungsweg vor sich.

Ist Mikroplastik des Hasen Tod?

Einem schweren Verdacht geht das Umweltbundesamt nach: Ist Mikroplastik daran schuld, dass es immer weniger Feldhasen in Österreich gibt? Sechs verschiedene Kunststoffsorten wurden in den Tieren nachgewiesen. Auffallend viel von ihnen fand sich in den Lymphknoten des Darms. Also wieder: Mikroplastik unter Verdacht – auch wenn die Experten des Umweltbundesamtes einwenden: „Weitere Untersuchungen sind notwendig, um Ursachen-Wirkung-Zusammenhänge und Aufnahmepfade zu klären.“

Auf dem Land sind Straßen und Verkehr eine Hauptquelle für die Verschmutzung durch Mikroplastik. Der Reifenabrieb spielt dabei eine besonders große Rolle. Das hat auch die Europäische Kommission erkannt: In der kommenden Euro-Norm 7 sollen dem Reifenabrieb Grenzen gesetzt werden.

Ebenfalls im Fokus des Umweltbundesamtes: Wie viel Mikroplastik findet sich im Ackerboden und im Klärschlamm der Wasseraufbereitungsanlagen? Immerhin werden in Österreich 20 Prozent der Klärschlämme als Dünger auf die Felder aufgebracht.

Im Mai 2022 beschloss die Bundesregierung, in Sachen Mikroplastik Klarheit zu schaffen. Auf fünf „Aktionsfeldern“ soll den oft nur mikroskopisch kleinen Kunststoffteilchen auf den Leib gerückt werden:

  • Forschung soll die Antwort auf die alles entscheidende Frage bringen: gefährlich oder nicht gefährlich?
  • Staatliche Regulierung soll den unnötigen Gebrauch von Plastik einschränken.
  • Konsumenten und Schülern soll nahegebracht werden, dass es in vielen Bereichen auch ohne Plastik geht.
  • Die Wirtschaft soll zu freiwilligen Maßnahmen animiert werden.
  • Verzicht auf Plastik soll einen Beitrag zur globalen Nachhaltigkeit leisten.

Der Europäischen Union kommt Mikroplastik schon lange verdächtig vor. Die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission untersucht daher, wo überall Mikroplastik „nebenbei“ entsteht: in Granulaten, Autoreifen, Textilien, Anstrichen, Waschmittel-Tabs.

Im kommenden Jahr will die Kommission Maßnahmen vorschlagen, mit denen unabsichtlich freigesetztes Mikroplastik zurückgedrängt werden soll.

Quelle.  Die in diesem Text verwendeten Informationen stammen aus dem „Fachgespräch Mikroplastik“ von Umweltbundesamt, Umweltministerium und Gesundheitsministerium am 20. September 2022 in Wien.

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Metadaten
Titel
Es ist nicht nur eine Phase, Hase
Publikationsdatum
08.10.2022

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