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01.06.2013 | originalarbeit | Ausgabe 2/2013

neuropsychiatrie 2/2013

Die Spuren der Gewalt

Suizid- und Homizidraten in den ehemaligen Bloodlands

Zeitschrift:
neuropsychiatrie > Ausgabe 2/2013
Autoren:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Stompe, DDr. Kristina Ritter, Univ.-Prof. Dr. Hans Schanda

Zusammenfassung

Grundlagen

Suizid- und Homizidraten als Ausdrucksformen extremer Selbst- und Fremdaggressivität sind global nahezu spiegelbildlich verteilt. Reiche, modernisierte Länder mit einem hohen demokratischen Selbstverständnis und einem funktionierenden Rechtssystem haben hohe Suizid- und niedrige Homizidraten, traditionelle Staaten mit einer schwachen Zentralregierung hohe Homizid- und niedrige Suizidraten. Eine Ausnahme stellen einige osteuropäische Länder dar, die sowohl hohe Homizid- als auch Suizidraten vorzuweisen haben und sich darin von den Nachbarländern deutlich unterscheiden. Diese Staaten befinden sich auf dem Gebiet der ehemaligen Bloodlands (Snyder, Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin, 2011), wo zwischen 1930 und 1945 14 Mio. Menschen zivile Opfer der Sowjets und der Nationalsozialisten wurden. Wir gingen der Frage nach, ob diese acht Staaten (Polen, Litauen, Estland, Lettland, Moldawien, Weißrussland, Russland und Ukraine) sich durch gesellschaftliche, sozioökonomische und psychosoziale Faktoren von den anderen europäischen Staaten des ehemaligen Ostblocks, von den asiatischen Staaten der ehemaligen UdSSR und den westeuropäischen Staaten unterscheiden und ob diese Unterschiede die hohen Homizid- und Suizidraten erklären können.

Methodik

Die für die Analyse verwendeten Daten wurden verschiedenen Datensätzen der WHO, der UN und des CIA entnommen. Der statistische Vergleich der vier Regionen erfolgte durch parameterfreie Mittelwertanalysen.

Ergebnisse

Die Staaten auf dem Boden der ehemaligen Bloodlands und die übrigen europäischen Länder des ehemaligen Ostblocks gleichen einander in wesentlichen gesellschaftlichen und ökonomischen Parametern wie Modernisierungsgrad, Demokratie-Index und Rule of Law-Index. Statistisch signifikante Unterschiede fanden sich lediglich beim jährlichen Pro-Kopf-Alkoholkonsum sowie bei den Scheidungsraten.

Schlussfolgerungen

In unserer Untersuchung fanden wir Hinweise dafür, dass die hohen Suizid- und Homizidraten in einigen osteuropäischen Ländern Folge traumatischer Erfahrungen eines überwiegenden Teils der dortigen Bevölkerung zwischen 1930 und 1945 gewesen sein könnten. Mögliche Pfade der transgenerationalen Weitergabe sowie vorstellbare Kausalitätsketten zwischen Traumen in der ersten Generation und suizidalen bzw. homizidalen Verhaltensweisen in den folgenden Generationen werden vorgestellt.

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Literatur
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