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Erschienen in: Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich 2/2022

Open Access 17.05.2022 | Menopause heute und morgen

Kongress-Update zum Mammakarzinom

verfasst von: Dr. Sabine Danzinger

Erschienen in: Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich | Ausgabe 2/2022

Hinweise

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Im Folgenden wird über einige Kongress-Highlights zum Mammakarzinom aus den letzten Monaten berichtet.

OlympiA

PARP-Inhibitoren zielen auf Krebszellen mit einem defekten Reparaturmechanismus der homologen Rekombination. Bisher wurde Olaparib u. a. beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs eingesetzt.1 Andrew Tutt, King’s College London, präsentierte Ergebnisse der OlympiA-Studie, erste Daten zur PARP-Inhibition im adjuvanten Setting der Behandlung des Mammakarzinoms, im Rahmen des American Society of Clinical Oncology (ASCO) Annual Meetings 2021. In der randomisierten, doppelblinden, Phase-III-Studie OlympiA wurde der PARP-Inhibitor Olaparib im adjuvanten Setting nach primärer lokaler Therapie und (neo-)adjuvanter Chemotherapie bei Patienten mit BRCA1/2-Keimbahnmutation und frühem, HER2-negativem Mammakarzinom (triple-negativ oder Hormonrezeptor [HR] positiv) mit erhöhtem Risiko untersucht. Die Patienten wurden in dieser Studie 1:1 randomisiert: ein Jahr durchgehend oral Olaparib oder Placebo. Insgesamt wurden 1836 Patienten eingeschlossen. Die Interimsanalyse zeigte einen signifikanten Vorteil von Olaparib vs. Placebo für das invasive krankheitsfreie Überleben („invasive disease-free survival“ [IDFS]; Hazard Ratio [HR] 0,58; 99,5 %-Konfidenzintervall [KI] 0,41, 0,82; p < 0,0001) nach 2,5 Jahren Follow-up. Das 3‑Jahres-IDFS betrug 85,9 % vs. 77,1 % mit einer Differenz von 8,8 %. Ebenso verbessert werden konnte das fernmetastasenfreie Überleben („distant DFS“ [DDFS]) durch Olaparib (HR 0,57; 99,5 %-KI 0,39, 0,83; p < 0,0001). Das Gesamtüberleben war besser unter Olaparib, jedoch nicht signifikant bei dieser Interimsanalyse (HR 0,68; 99,0 %-KI 0,44, 1,05; p = 0,024). Zu den Grad-3-Nebenwirkungen in > 1 % bei Olaparibpatienten zählten Anämie (8,7 %), Neutropenie (4,8 %), Leukopenie (3,0 %), Fatigue (1,8 %) und Lymphozytopenie (1,2 %). Schließlich konnte bei diesem Patientenkollektiv gezeigt werden, dass Olaparib adjuvant nach (neo-)adjuvanter Chemotherapie das IDFS und DDFS signifikant verbessert, bei akzeptabler Toxizität [1].

PALOMA-3-Studie: Update zum Gesamtüberleben

In der PALOMA-3-Studie wurde der CDK4/6-Inhibitor Palbociclib in Kombination mit Fulvestrant mit Placebo + Fulvestrant bei Patienten mit HR+, HER2− Brustkrebs bei Progression nach primärer endokriner Therapie verglichen. Hierbei zeigte sich das mediane progressionsfreie Überleben („progression-free survival“ [PFS]) durch Palbociclib + Fulvestrant vs. Placebo +Fulvestrant signifikant verbessert [2]. Cyclin-abhängige Kinasen (CDK) gelten als Regulatoren des Zellzyklus. Die Interaktion von Cyclin D mit CDK4 und 6 bewirkt eine Hyperphosphorylierung und somit Inaktivierung des Retinoblastomproteins – eines Tumorsuppressors, wodurch der Übergang der G1- in die S‑Phase im Zellzyklus ermöglicht wird [3]. Im Rahmen des ASCO 2021 präsentierte Massimo Cristofanilli, Robert H. Lurie Comprehensive Cancer Center of Northwestern University, Feinberg School of Medicine, Chicago, aktualisierte Daten zum Gesamtüberleben („overall survival“ [OS]) von Patienten der PALOMA-3-Studie nach einem medianen Follow-up von 73,3 Monaten. Dabei zeigte sich ein signifikanter Vorteil von Palbociclib in Kombination mit Fulvestrant im Vergleich zu Placebo + Fulvestrant (HR 0,806; 95 %-KI 0,654, 0,994; p < 0,0221). Die 5‑Jahres-OS-Rate betrug 23,3 % (95 %-KI 18,7, 28,2) bei Palbociclib + Fulvestrant und 16,8 % (95 %-KI 11,2, 23,3) bei Placebo + Fulvestrant. Dieser Vorteil im Gesamtüberleben wurde in den meisten Subgruppen beobachtet, ausgenommen bei jenen Patienten mit endokriner Resistenz oder einer vorangegangenen Chemotherapie [4].

MONALEESA-2: Verbesserung des Gesamtüberlebens für Ribociclib

MONALEESA‑2 ist eine randomisierte Phase-III-Studie, die „first line“ Ribociclib in Kombination mit Letrozol vs. Placebo + Letrozol bei postmenopausalen Frauen mit HR+/HER2− fortgeschrittenem Brustkrebs untersuchte. Dabei zeigte sich ein medianes PFS von 25,3 Monaten vs. 16,0 Monate (p < 0,0001; [5]). Beim ESMO 2021 wurden OS-Daten zu dieser Studie präsentiert. Nach einem medianen Follow-up von 79,7 Monaten zeigte sich ein signifikanter Vorteil im medianen Gesamtüberleben unter Ribociclib + Letrozol im Vergleich zu Placebo + Letrozol: 63,9 vs. 51,4 Monate; HR 0,76; 95 %-KI 0,63, 0,93; p = 0,004 [6]. Joyce O’Shaughnessy, Texas Oncology-Baylor University Medical Center and The US Oncology Research Network, Dallas, zeigte im Rahmen des San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2021 den Überlebensvorteil von Ribociclib + Letrozol in einer Subgruppenanalyse, dieser war unabhängig vom Ort der Metastasierung sowie der Anzahl an betroffenen Organen [7].

KEYNOTE-355

Im Rahmen der KEYNOTE-355-Studie konnte gezeigt werden, dass „first line“ Pembrolizumab + Chemotherapie vs. Placebo + Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem triple-negativem Mammakarzinom mit PD-L1-Expression (CPS ≥ 10) das PFS signifikant verbesserten (HR 0,65; 95 %-KI 0,49, 0,86; p = 0,0012 [8]). Im Rahmen des ESMO 2021 wurden die finalen Ergebnisse der Studie präsentiert. Nach einem medianen Follow-up von 44,1 Monaten führten Pembrolizumab + Chemotherapie im Vergleich zu Placebo + Chemotherapie bei CPS ≥ 10 zu einem signifikanten Vorteil des Gesamtüberlebens (HR 0,73; 95 %-KI 0,55, 0,95; p = 0,0093 [9]).

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

S. Danzinger gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von der Autorin keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen.
Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://​creativecommons.​org/​licenses/​by/​4.​0/​deed.​de.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Fußnoten
1
Lynparza® 100 mg Filmtabletten, Stand der Information: November 2020.
 
Literatur
2.
Zurück zum Zitat Cristofanilli M, Turner NC, Bondarenko I, Ro J, Im SA, Masuda N et al (2016) Fulvestrant plus palbociclib versus fulvestrant plus placebo for treatment of hormone-receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer that progressed on previous endocrine therapy (PALOMA-3): final analysis of the multicentre, double-blind, phase 3 randomised controlled trial. Lancet Oncol 17:425–439 CrossRef Cristofanilli M, Turner NC, Bondarenko I, Ro J, Im SA, Masuda N et al (2016) Fulvestrant plus palbociclib versus fulvestrant plus placebo for treatment of hormone-receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer that progressed on previous endocrine therapy (PALOMA-3): final analysis of the multicentre, double-blind, phase 3 randomised controlled trial. Lancet Oncol 17:425–439 CrossRef
3.
Zurück zum Zitat Spring LM, Zangardi ML, Moy B, Bardia A (2017) Clinical management of potential toxicities and drug interactions related to cyclin-dependent kinase 4/6 inhibitors in breast cancer: practical considerations and recommendations. Oncologist 22:1039–1048 CrossRefPubMedCentral Spring LM, Zangardi ML, Moy B, Bardia A (2017) Clinical management of potential toxicities and drug interactions related to cyclin-dependent kinase 4/6 inhibitors in breast cancer: practical considerations and recommendations. Oncologist 22:1039–1048 CrossRefPubMedCentral
5.
Zurück zum Zitat Hortobagyi GN, Stemmer SM, Burris HA, Yap YS, Sonke GS, Paluch-Shimon S et al (2018) Updated results from MONALEESA‑2, a phase III trial of first-line ribociclib plus letrozole versus placebo plus letrozole in hormone receptor-positive, HER2-negative advanced breast cancer. Ann Oncol 29:1541–1547 CrossRef Hortobagyi GN, Stemmer SM, Burris HA, Yap YS, Sonke GS, Paluch-Shimon S et al (2018) Updated results from MONALEESA‑2, a phase III trial of first-line ribociclib plus letrozole versus placebo plus letrozole in hormone receptor-positive, HER2-negative advanced breast cancer. Ann Oncol 29:1541–1547 CrossRef
8.
Zurück zum Zitat Cortes J, Cescon DW, Rugo HS, Nowecki Z, Im SA, Yusof MM et al (2020) Pembrolizumab plus chemotherapy versus placebo plus chemotherapy for previously untreated locally recurrent inoperable or metastatic triple-negative breast cancer (KEYNOTE-355): a randomised, placebo-controlled, double-blind, phase 3 clinical trial. Lancet 396:1817–1828 CrossRef Cortes J, Cescon DW, Rugo HS, Nowecki Z, Im SA, Yusof MM et al (2020) Pembrolizumab plus chemotherapy versus placebo plus chemotherapy for previously untreated locally recurrent inoperable or metastatic triple-negative breast cancer (KEYNOTE-355): a randomised, placebo-controlled, double-blind, phase 3 clinical trial. Lancet 396:1817–1828 CrossRef
Metadaten
Titel
Kongress-Update zum Mammakarzinom
verfasst von
Dr. Sabine Danzinger
Publikationsdatum
17.05.2022
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich / Ausgabe 2/2022
Print ISSN: 1997-6690
Elektronische ISSN: 1996-1553
DOI
https://doi.org/10.1007/s41974-022-00226-x