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Erschienen in: Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich 2/2022

Open Access 17.05.2022 | Mädchensprechstunde

Hyperprolaktinämie bei Mädchen im Kindes- und Jugendalter

verfasst von: DDr. Iris Holzer

Erschienen in: Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich | Ausgabe 2/2022

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Die Hyperprolaktinämie ist mit einer Prävalenz von 0,4 bis zu 5 % eine häufige Endokrinopathie, welche in der Kindheit und Adoleszenz jedoch selten auftritt [1, 2]. Trotz der geringen Fallanzahl an betroffenen Mädchen muss auch an dieses Thema in einer Mädchensprechstunde gedacht werden. Matalliotakis M. et al. haben über die Thematik der Hyperprolaktinämie bei Mädchen im Kindes- und Jugendalter eine Übersichtsarbeit verfasst, die eine gute Zusammenfassung über das wichtige Thema bietet [3].
Die primäre Aktivität von Prolaktin besteht in den laktotrophen Effekten am Epithel der Brustdrüse und einer Regulation der gonadalen Funktion durch eine Inhibierung der GnRH-Ausschüttung und Sekretion von LH und FSH. Der Serumprolaktinspiegel bei weiblichen Kindern und Jugendlichen liegt im Normalfall zwischen 5 und 20 ng/ml [2]. Zu erhöhten Prolaktinspiegeln können Stress, eine Östrogeneinnahme, ein erhöhtes TRH, Stillen oder ein erhöhtes VIP (vasoaktives Peptid) oder Oxytocin führen. Zur Steigerung des Prolaktins kommt es direkt über den Hypophysenvorderlappen oder durch eine Inhibition von Dopamin [4].
Generell kann die Hyperprolaktinämie in die drei Kategorien physiologisch, pathologisch und iatrogen unterteilt werden [3]. Zu einem physiologisch erhöhten Prolaktinspiegel kommt es etwa durch sportliche Aktivität, REM-Schlafphasen, eine Diät mit einem hohen Proteingehalt, Hypoglykämie, Stress oder durch eine Schwangerschaft [1]. Zu den pathologischen Ursachen einer Hyperprolaktinämie zählen Hypophysenadenome, welche bei Kindern und Jugendlichen meist gutartig und mit einer Inzidenz von 0,1/1.000.000 auch sehr selten sind [5]. Diese können entweder Hormone ausschütten, wie z. B. Prolaktinome, oder nicht hormonsezernierend wirksam sein. Andere Ursachen einer erhöhten Prolaktinproduktion sind Schilddrüsenfunktionsstörungen, eine chronische Niereninsuffizienz, PCOS, Morbus Cushing oder Addison oder genetische Syndrome [6]. Vor allem im Kindes- und Jugendalter hat die iatrogene Hyperprolaktinämie eine hohe Bedeutung, da diese durch eine Vielzahl an Medikamenten verursacht werden kann, die im Jugendalter verschrieben werden, wie Dopaminrezeptorantagonisten, Östrogen, Antidepressiva, Antihypertensiva, Antipsychotika, orale Kontrazeptiva, Antiepileptika oder GnRH-Agonisten [7]. Zu den häufigsten Ursachen erhöhter Prolaktinwerte im Kindesalter und der Adoleszenz zählen die Einnahme von Antiepileptika, Antipsychotika und Hypophysenadenome.
Die häufigsten Beschwerden der betroffenen Mädchen sind Kopfschmerzen gefolgt von Sehstörungen. Die erhöhten Prolaktinwerte führen zu einer Inhibierung der pulsatilen GnRH-Ausschüttung, was wiederum einen verspäteten Pubertätseintritt, eine primäre oder sekundäre Amenorrhö oder Oligomenorrhö zur Folge haben kann [8].
Die Diagnostik einer Hyperprolaktinämie bei jungen Frauen soll idealerweise eine adäquate physikalische Untersuchung inklusive einer gynäkologischen Untersuchung beinhalten, eine standardisierte Blutabnahme in der Früh – idealerweise 2 h nach dem Aufwachen –, um eine falsch-positive Hyperprolaktinämie durch einen zirkadianen Shift zu vermeiden. Die Notwendigkeit eines bewussten Screenings auf eine Hyperprolaktinämie ist nur bei geringer Körpergröße, vor allem in Kombination mit einer Adipositas, gegeben. Für die endgültige Diagnose sind zwei standardisierte Blutabnahmen mit zwei Werten < 20 ng/ml erforderlich. Nur bei sehr hohen Messungen (> 100 ng/ml) und/oder eindeutiger klinischer Symptomatik wie starken Kopfschmerzen oder Visusverlust reicht eine einzige Messung für die Diagnose aus [6, 9]. Zu einer Falschdiagnose kann es bei adoleszenten Patientinnen durch eine Makroprolaktinämie und den sogenannten „hook effect“ kommen [5, 10]. Bei Vorliegen einer Hyperprolaktinämie und nach Ausschluss sekundärer Ursachen (Medikamenteneinnahme, Schilddrüsenfunktionsstörung, …) empfiehlt es sich, eine MRT- oder CT-Untersuchung zu veranlassen [11].
Zum therapeutischen Ziel zählen vor allem eine Verbesserung der Symptome, eine Normalisierung der Pubertätsentwicklung, Wiederherstellung der gonadalen Funktion, Reduktion einer Tumormasse, Erhaltung der Fertilität und Erreichung einer normalen Knochenmasse [4]. Bei asymptomatischen jungen Patientinnen bei Vorliegen einer idiopathischen Hyperprolaktinämie ist vorerst keine Behandlung indiziert. Bei Vorliegen eines Hypothyreoidismus kommt es nach therapierter Schilddrüse in Folge auch zu normalen Prolaktinwerten, ebenso nach erfolgter Therapie eines PCOS [12].
Wenn eine medikamentöse Therapie notwendig ist, sollte Cabergolin gegenüber Bromocriptin initial der Vorzug gegeben werden, da es bei einer besseren Wirksamkeit ein günstigeres Nebenwirkungsprofil aufweist. Es kann mit einer Initialdosis von 0,25 bis 0,5 mg einmal pro Woche begonnen werden und bei Bedarf um 0,5 mg alle 4 Wochen gesteigert werden [13, 14]. Die Indikation für eine operative Therapie besteht nur bei Jugendlichen, die nicht auf eine medikamentöse Therapie ansprechen, oder wenn der Erhalt des Visus an erster Stelle steht [5].

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

I. Holzer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von der Autorin keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
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Literatur
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Metadaten
Titel
Hyperprolaktinämie bei Mädchen im Kindes- und Jugendalter
verfasst von
DDr. Iris Holzer
Publikationsdatum
17.05.2022
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich / Ausgabe 2/2022
Print ISSN: 1997-6690
Elektronische ISSN: 1996-1553
DOI
https://doi.org/10.1007/s41974-022-00227-w

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