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Ärzte Woche

09.12.2019 | Tekal | Ausgabe 50-52/2019

Wirklich respektvoll schenken

Autor:
Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Wer wirklich und aufrichtig liebt, schenkt zu Weihnachten gesund.

Es mag nicht mehr zeitgemäß sein, aber Zigaretten, Whiskey oder eine, abgelaufene und durch zahlreiche Hände gereichte Bonboniere gehören zu den klassischen Weihnachtsgeschenken für nicht ganz nahe Verwandte wie den Onkel Doktor. Die richtigen Verwandten bekommen, in der klassischen Variante, Krawatten, Socken, ein edles Flacon 4711 und einen Gutschein für „einmal Zimmer aufräumen“ bzw. „zweimal lieb sein“. In der modernen Variante verzichtet man auf derlei Dinge und greift pragmatisch zu einem Gutschein für „einmal lieb sein“ von Amazon.

So nett gemeint die ganzen Präsente auch sein mögen, zollen sie den Beschenkten und ihren Ansprüchen, möglichst gesund und lange durchs Leben zu gehen, nur wenig Respekt. Denn die meisten dieser Geschenke kann man, gelinde gesagt, in die Kategorie „grob fahrlässig“ einordnen. Präsente, die Menschen dazu animieren, sich nicht mehr von der Couch wegzubewegen, etwa eine warme Kuschel-Decke, eine Universal-Fernbedienung für Smart-TV, Smart-Kühlschrank und Smart-ies und ein Krankenbett-Beistelltisch, damit man auch im Liegen essen kann. All dies mit den Worten „damit du nicht immer bis in die Küche gehen musst“. Da kann man stattdessen gleich eine Kreissäge unter den Christbaum legen, mit der sich der Beschenkte die Beine absägen kann. „Damit du dich in Zukunft nicht mehr so viel bewegen brauchst“. Nein, hier muss man Klartext sprechen und seinen Patienten eine Liste ärztlich empfohlener Geschenke mit auf den Weg geben. Aus Respekt den Beschenkten gegenüber. Vor dem Hintergrund, dass man heutzutage möglicherweise von der eigenen Verwandtschaft auf Schmerzensgeld verklagt wird.

Die Geschenke bedacht wählen: Statt teuren Kaffee, den Herr Clooney eigenhändig in die nachhaltigen Kapseln gefüllt hat, kann man auf Basentee zurückgreifen, um der Übersäuerung des Organismus entgegenzuwirken – verpackt in ein hübsches Lackmuspapier, mit dem man, beim Öffnen des Geschenks mit den Zähnen, auch gleich seinen Säurewert bestimmen kann. Hochprozentiges hat am Gabentisch nichts verloren, so es nicht zur Desinfektion der Hände vor dem Tranchieren der Weihnachtsgans verwendet wird (wobei man die Gans durch eine gefüllte 4 Kilogramm-Goji-Beere ersetzen sollte). Desinfektionsmittel-Spender für die Wohnung sind toll, nicht nur für Hypochonder, auch für jene, denen vor der eigenen Sippe graust. Bewegung zu verschenken ist ein Knaller, erfreuen Sie Ihre Lieben mit Gymnastik-Stunden, auch wenn es handwerklichen Geschickes bedarf, einen Yoga-Lehrer zu verpacken. Zwar wehren sie sich, doch sie sind überaus biegsam. Auch wenn der Umstieg auf gesunde Weihnachten ein wenig gewöhnungsbedürftig sein mag: Spätestens bei den leuchtenden Augen beim Anblick einer Flasche Mineralwasser (still und „von heraußen“) ist alles vergessen. Euch allen ein frohes Fest!

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