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08.08.2022 | Tekal

Von der Miss Holiday zur Miss Gunst

verfasst von: Dr. Ronny Tekal, Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist, Markus Hechenberger

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© demaerre / iStock

Über das Phänomen der ungeliebten Urlaubsrückkehr.

Ein herzliches Willkommen all jenen, die soeben aus dem wohlverdienten Urlaub zurückgekehrt sind und, wie gewohnt, wieder zu Hause angekommen, das schlechte Wetter und die schlechte Laune der Daheimgebliebenen beklagen. All den Daheimgebliebenen, die hier tapfer die Stellung gehalten haben, da sie a) ihren ökologischen Fußabdruck klein halten wollen, b) sich nicht in einem Hotel anstecken möchten oder c) kein Geld haben, wünsche ich a) einen satten Klimabonus, b) einen angepassten Impfstoff und c) einen selbstlosen Mäzen. Und all jenen, die in ihrem Portfolio zurzeit keine schulpflichtigen Kinder haben und sich auch im Herbst in den Süden verabschieden können, um hier Gas zu sparen, wünsche ich eine gute Reise! Damit hätten wir eine willkürliche Einteilung in Personengruppen geschaffen, die ihr Leben auf unterschiedliche Weise gestalten, mehrere ökologische Nischen besetzen und sich nicht in die Quere kommen. So günstig die Theorie, so missgünstig die Realität.

So sehen sich die Daheimgebliebenen der Gruppe a) in der unangenehmen Situation, die ökologischen Versäumnisse der Weltenbummler auffangen zu müssen. Denn in Zeiten von Klimawandel und Energiemangel sollte man weder ein Flugzeug besteigen noch in einem Hotelpool in der Ägäis in den letzten paar Tropfen Wasser, die der ausgetrocknete Boden hergibt, plantschen. So muss sich Gruppe b), als Kompensation, in Verzicht üben und darbt in der urbanen Hitze bei ausgeschalteter Klimaanlage und nicht eingelassenem Schwimmbecken. Dafür darf man die anderen auch zurechtweisen und sie mit dem Fluch belegen, sich für Flüge und Pools ordentlich zu shamen.

Gruppe b), die auch nach Beendigung der Maskenpflicht nur mit FFP 2-Maske auf den Balkon geht, sieht sich indes in der Pflicht, sauber zu machen und die Viren von allen Oberflächen (Türklinken, Fußböden und Berge) zu schrubben, bevor die keimschleudernden Urlauber wieder zurückkehren. Dementsprechend unwirsch reagiert man, angesichts der Bilder unvernünftiger Touristen in Feierlaune, obwohl es nichts zu feiern gibt. Die Heimkommenden werden mit einer gehörigen Portion Vorwurf, einem Liter Desinfektionsmittel und einer Booster-Impfung begrüßt.

Letztlich ist es Gruppe c), die sich einen Urlaub nicht leisten kann und damit auch nicht in Verlegenheit kommt, sich für oder gegen eine Reise zu entscheiden. Bemerkenswerterweise ist sie gegenüber den Urlaubern die toleranteste Gruppe, wohl auch, weil sie es mit dem nötigen Kleingeld nicht anders machen würde. Darüber hinaus beneiden zur Hauptsaison verreisende Menschen all jene, die um das halbe Geld ein paar Wochen später urlauben, kinderlose Arbeitnehmer fühlen sich ungerecht behandelt, wenn der gesamte Sommerurlaub ausschließlich von Eltern konsumiert werden darf. Individualreisende hassen Pauschaltouristen, Segler hassen Surfer, Radfahrer hassen Wanderer und alle hassen Wohnmobile. Als ob Vielfalt und Zwietracht untrennbar verbunden wären.

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Metadaten
Titel
Von der Miss Holiday zur Miss Gunst
Schlagwort
Tekal
Publikationsdatum
08.08.2022