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Ärzte Woche

07.01.2019 | Tekal | Ausgabe 1-2/2019

Nebenwirkungen

Der traurigste Tag des Jahres

Autor:
Dr. Ronny Tekal

Nach dem Blue Monday am 21. Jänner kann es eigentlich nur mehr bergauf gehen.

In diesen jungen Tagen des neuen Jahres wird eine Unmenge an Horoskopen erstellt. Schließlich möchte man wissen, ob man als Schütze 2019 endlich einmal ins Schwarze trifft, als Zwilling auch mal alleine sein darf, man oder als Waage künftig imstande sein wird, den BMI im Kopf auszurechnen.

Viele Menschen vertrauen auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert den Interpretationen der Planetenkonstellation. Belächelt von all jenen, die lieber auf die Interpretationen der Konstellation statistischer Daten vertrauen. Auch wenn die prognostische Aussagekraft über künftige Modetrends, Aktienkurse oder Wahlausgänge ähnlich exakt ist. So stehen astrologische Binsenweisheiten, wie „hüten Sie sich als Fisch im März vor Anglern“ oder „wandeln Sie als Steinbock nicht bei Lawinenwarnstufe 4 abseits gesicherter Pisten“ den wissenschaftlichen Plattitüden „wer draußen mehr Sport macht, ist statistisch länger an der frischen Luft“ um nichts nach.

Naturwissenschaftliche Puristen vertrauen lieber anerkannten Experten, die aus dem Bodensatz der gesammelten Zahlen die Zukunft weissagen. Schließlich ist Schwarz auf weiß (Zahl auf Papier) vertrauenswürdiger, als Weiß auf Schwarz (Stern im Nachthimmel), Schwarz auf Schwarz (Kaffeesud) oder Weiß auf Weiß (Patient im Nachthemd auf Patientenbett).

Solch besonnene Menschen leiden daher auch nicht unter lächerlichen Dingen wie der Paraskavedekatriaphobie, eine dem geneigten Leser selbstverständlich geläufige Diagnose (Für die Laien: Es ist die Angst vor dem Freitag dem Dreizehnten.) Statistisch gesehen kommt es an diesem Tag nämlich keineswegs zu einer Häufung von Unfällen. Lediglich für schwarze Katzen, die von links nach rechts in ein Auto laufen, kann das böse enden. Selbst für nicht abergläubische Tiere.

Aufgeklärte Menschen wissen indes sehr wohl, wovor man sich fürchten sollte: Vor dem dritten Montag im neuen Jahr, konkret den 21. Januar 2019. Er gilt – wissenschaftlich fundiert – als der unglücklichste Tag des Jahres. Der britische Psychologe Cliff Arnall von der Universität Cardiff hat 2005 eine Formel erstellt, die den „most miserable day of the year“ mittels der Parameter „schlechtes Wetter“, „viele unbezahlte Rechnungen“ und „gebrochene Neujahrsvorsätze“ definiert. Kein Hokuspokus also, sondern beinharte Wissenschaft. Schließlich betrifft dies nicht pauschal alle Widder oder Löwen, sondern individuell gleich mal alle Menschen.

Die gute Nachricht: Da der Tag bereits zu Jahresbeginn am Programm steht, hat man ihn rasch hinter sich. Oder man macht ihn zu einem offiziellen Feiertag. Ich glaube, das Zelebrieren des „unglücklichsten Tages des Jahres“ kann – ganz im Sinne einer paradoxen Intervention – ein spaßiges kollektives Erleben sein. In diesem Sinne wünsche ich einen glücklichen unglücklichen Tag!

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