Die Einschätzung des Covid-19-Virus fällt immer noch schwer. Gesundheitspolitiker warnen vor Panikmache, das Robert-Koch-Institut vor einer „weltweiten Ausbreitung des Virus im Sinne einer Pandemie“.
„Die Masken haben die Chinesen alle aufgekauft“, beschwert sich eine Dame bei der Apothekerin ihres Vertrauens in Wien-Landstraße. Die kann nur achselzuckend melden, dass die Schutzmasken zumindest hier aus sind. „Da schließe ich mich gleich an!“, ruft eine Frau, die in der Eingangstür wartet und offenbar nur das Wort „Maske“ gehört hat. Der Rest der Wartenden in der Schlange blickt zu Boden oder verdreht die Augen.
Diese nonchalante Haltung kann man sich hierzulande gerade noch leisten. Zu Redaktionsschluss gab es in Österreich keinen bestätigten Fall einer Coronavirus-Infektion, die offiziell nun Covid-19 heißt. Es wurden landesweit 157 Tests durchgeführt, alle waren negativ, informierte das Gesundheitsministerium auf seiner Homepage. Das bedeutet einen Zuwachs von 52 Untersuchungen binnen einer Woche. Auch wenn es möglicherweise nur eine Frage der Zeit ist – ein bestätigter Falles einer Infektion war bisher nicht dabei.
In China breitet sich die Epidemie indes rasant aus. Die Behörden in Hubei melden einen sprunghaften Anstieg der Todesfälle um 242. Offiziell starben damit bislang 1.355 Menschen.
Der Anstieg hat auch damit zu tun, dass chinesische Behörden ihre Methoden zur Erfassung des Virus überarbeitet haben. Wie die Gesundheitskommission der Provinz Hubei mitteilte, sind Patienten gemäß einer neuen Klassifikation hinzugefügt worden. Demnach würden auch Fälle „klinischer Diagnosen“ in die Zahl der bestätigten Diagnosen aufgenommen. In Vietnam wurden aus Angst vor der Ausbreitung des Virus mehrere Dörfer mit insgesamt rund 10.000 Einwohnern unter Quarantäne gestellt. Auch wenn das neue Coronavirus für Schlagzeilen sorgt, Panik sei nicht angebracht, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Zu große Sorgen sollte man sich nach den derzeit vorliegenden Informationen bezüglich 2019-nCoV nicht machen, meint Dr. Otfried Kistner vom Institut für Bioverfahrenstechnik an der Wiener Universität für Bodenkultur.
Infektionskrankheiten im Vergleich
Der Virologe erläutert: „Bei SARS gab es zwischen 1. November 2002 und 31. Juli 2003 weltweit 8.096 Erkrankungen. Tödlich endeten 774, was einer Mortalität von 9,6 Prozent entsprach. MERS hatte zwischen September 2012 bis 15. Jänner 2020 in 27 Staaten 2.506 Erkrankungen als Folge. Davon endeten 862 oder 34,4 Prozent fatal. Von 31. Dezember 2019 bis 11. Februar wurden in China 42.708 von der WHO bestätigte Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus registriert – die Mortalitätsrate beträgt 2,4 Prozent. In 24 anderen Staaten gab es bis dahin 395 Fälle, ein Erkrankter starb. Das bedeutet eine Mortalität von 0,3 Prozent.“ Im Vergleich seien von der jährlich auftauchenden echten viralen Grippe eine Milliarde Menschen betroffen, drei bis fünf Millionen Menschen erkranken so schwerwiegend , dass ein Spitalsaufenthalt nötig ist.“