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Ärzte Woche

09.09.2019 | Tekal | Ausgabe 37/2019

Tekal

Wahl-Ärzte

Autor:
Dr. Ronny Tekal

In Vorwahlzeiten werden die Angeln auch in den medizinischen Wählerteich geworfen.

Wer ab und an seine Nase aus der OP-Maske ins Freie streckt, wird den zurzeit allgegenwärtigen pheromonartigen Duft der Parteien nicht entkommen. Die Nationalratswahl steht vor der Tür und damit auch der Versuch der Kandidaten, sich im besten Licht zu präsentieren und den potenziellen Wählern das Blaue vom Himmel zu versprechen.

Auch wenn die meisten Umfragen dem designierten Ex-Ex-Kanzler die besten Chancen auf den Chefsessel voraussagen, rittern alle anderen ebenfalls um die Gunst der Wählerschaft. Neben den Themen Klimaerwärmung, Flüchtlingswelle, Pflegefinanzierung, Flüchtlingswelle, Korruptionsbekämpfung und Flüchtlingswelle ist vor allem auch das Gesundheitssystem, vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle, ein heißes Thema. Gesundheit scheint tatsächlich das wahlentscheidende Topthema zu sein. Laut einer aktuellen Umfrage liegt es für 98 Prozent auf Platz 1 – noch vor gerechtem Einkommen, Migration und Freibier für alle. Selbst der Klimaschutz rangiert hier hinter der Gesundheit, wohl nicht zuletzt auch, da die meisten Autos heute ohnehin Klimaanlagen haben, die den Insassen gegen das Klima im Sommer schützen.

Mit Gesundheit lässt sich einfach hervorragend punkten, da es irgendwie doch die meisten betrifft. So haben sich die Parteien den Erhalt des Gesundheitssystems groß auf ihre Fahnen geschrieben. Und da es rein rechnerisch mehr wählende Patienten, denn wählendes medizinisches Personal gibt, wirft man die Netze eher in Richtung Patienten aus.

Bemerkenswerterweise wollen alle Parteien tendenziell eine bessere Gesundheitsversorgung und lehnen ein schlechteres Gesundheitssystem ab. Das macht die Sache als Wähler schwierig. Es wäre einfacher, wenn sich zumindest eine Partei mit der Forderung „Weniger Betreuung für kranke Menschen!“ aus dem Rennen nimmt.

Je nach Parteiprogramm soll es kürzere Wartezeiten geben, weniger ausländischen Keime, keine Zwei-Klassen-Medizin oder eine Zugangsbeschränkung für Patienten in Universitätskliniken, wenn diese die medizinischen Bildungsstandards nicht beherrschen. Die meisten Parteien lehnen auch Nebenwirkungen und Komplikationen ab, missbilligen Schmerzen nach Injektionen oder sind entschieden gegen staatlich subventionierte Kunst-Fehler. Kleine Auffassungsunterschiede gibt es lediglich, ob eine Gallenblase nur mehr CO 2 -neutral durch regional-saisonale Ärzte aus der Region entfernt werden darf oder ob man für erhöhte Blutfettwerte eine Mehr-wertsteuer einführt. Einige favorisieren auch eine Transfersteuer beim Bettentransport.

Auf einen Nenner gebracht soll das Gesundheitssystem billiger werden, aber dennoch besser. Was die darin beschäftigten Personen in eine gewisse Zwickmühle bringt, da sie es sind, die all diese Wahlversprechen später mal einlösen müssen.

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