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Ärzte Woche

22.01.2019 | Tekal

Nebenwirkungen

Krankschreiben per Whatsapp

verfasst von: Dr. Ronny Tekal

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Darf man ohne ärztliche Bestätigung überhaupt krank sein?

Als Arbeitnehmer kennt man die mühsame Prozedur: Ist man krank, so muss man zeitnah beim Hausarzt vorstellig werden, der bestätigt, dass man behauptet, krank zu sein. Mitunter kann auch – so der Dienstgeber dem Arzt nicht vertraut – ein Vertrauensarzt hinzugezogen werden, der bestätigt, dass die Bestätigung der Behauptung durch den Hausarzt theoretisch richtig sein hätte können. Letztlich bringt sich auch die Krankenkasse ins Spiel, lässt den Patienten beim Chefarzt vorstellig werden, um die ursprünglich bestätigte Behauptung des Patienten nun mit den eigenen vertrauenswürdigen Ohren zu hören – und zu bestätigen. Wer die Existenz des Chefarztes bestätigt, ist nicht überliefert.

Mit diesem ausgeklügelten Algorithmus wird der Patient zwar nicht rascher gesund, hat es jedoch nun schwarz auf weiß, tatsächlich behauptet zu haben, krank gewesen zu sein. Einen solchen Befund kann man sich dann als Andenken an die Wand hängen, neben den Urkunden vergangener großer sportlicher Erfolge („Gäste-Skirennen Bad Hofgastein, teilgenommen“). Dennoch empfinden viele Patienten die Amtswege in Zeiten, in denen man eigentlich genesen sollte, als Zumutung. Mehr noch, erst der Gang zum Arzt mache so richtig krank. Immerhin sind selbst die gesündesten Simulanten, spätestens beim stundenlangen Warten in der Ordination, einer ausreichend großen Keimbelastung für einen grippalen Infekt ausgesetzt.

Dabei ginge es deutlich einfacher. In Deutschland ermöglicht ein telemedizinischer Service nun die Krankschreibung per Whatsapp. Knapp neun Euro kostet es, sich mittels Messenger-Dienst von einem Arzt aus der Ferne ein Attest ausstellen zu lassen. Das ist legal, sofern sowohl Arzt als auch Euro echt sind. Um den „AU-Schein“ für die Arbeitsunfähigkeit zu bekommen, muss man aber noch ein paar Fragen richtig beantworten. Es sollte aber für einen medizinisch halbwegs versierten Laien nicht schwer sein herauszufinden, ob die Fangfrage „Haben Sie Fieber?“ eher mit Ja oder Nein zu beantworten ist. Nach einem derart beinharten Test kann man per Paypal bezahlen. Hat man Symptome wie „Husten“ und „Halsweh“ eingegeben, bekommt man um den Preis nicht nur eine exakte und völlig überraschende Diagnose („Sie sind erkältet“), sondern auch gleich eine Bestätigung für Krankenkasse und Dienstgeber.

In Norwegen ist es übrigens erlaubt, dass sich Dienstnehmer für kurze Zeit auch ganz ohne medizinisches Attest selber krank melden. Überraschenderweise steigt mit diesem Affront gegen den ärztlichen Berufsstand die Zahl der Krankenstände keineswegs. Und auch wenn die Formulierung „hiermit bestätige ich, dass ich krank bin – schwöre bei deinem Leben!“ etwas sperrig klingt, kann man Patienten, ganz im Sinne der Eigenverantwortlichkeit, zumuten, selbst entscheiden zu können, ob man sich fit genug fühlt oder krankheitsbedingt keinen Bock hat, am Fenstertag in der Arbeit zu erscheinen.

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Metadaten
Titel
Nebenwirkungen
Krankschreiben per Whatsapp
Schlagwort
Tekal
Publikationsdatum
22.01.2019
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 4/2019