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Ärzte Woche

13.01.2020 | Praxis und Beruf | Ausgabe 1-3/2020

„Man beginnt, Fehler zu machen“

Die Grazer Arbeitspsychologin Kerstin Eibel berät Spitzensportler und Führungskräfte, die sich mehr Life statt Work in ihrem Alltag wünschen. Unter ihren Klienten sind auch gestresste Ärzte. Entscheidend sei es, immer wieder kurze Erholungsphasen einzuplanen.

Wie äußert sichungesunder Stress im Arztberuf?

Eibel: Gar nicht so anders im Vergleich zu anderen Berufen: man merkt, bald ist die eigene Grenze der Belastbarkeit erreicht. Man beginnt, Fehler zu machen, Konflikte im Team und in der Familie häufen sich, gesundheitliche Probleme ebenso. Erst dann kommen die meisten zu mir in die Beratung. Bei 60 bis 70 Arbeitsstunden pro Woche fehlt die Zeit für den Ausgleich. Wichtig ist, immer wieder kurze Erholungsphasen einzuplanen.

Das kann der bewusste Fußweg zur Arbeit sein oder der Fünf-Minuten-Kaffee mit sich allein. Aus dem Spitzensport weiß man: auf jede Hochleistungsphase muss eine Regenerationsphase folgen. Das wird in der Arbeitswelt leider zu wenig bedacht.

Was raten Sie Ihren Klienten? Den Job zu wechseln, ist ja häufig keine Option.

Eibel: Man muss die Balance wiederherstellen – wie bei einer Waage. Meist ist diese gekippt, weil der Betroffene seine Bedürfnisse übergangen hat. Wichtig ist, sich Ausgleich zu verschaffen: Bewegung, gesündere Ernährung, bewusst Zeit mit den Kindern verbringen, seinen Hobbys nachgehen, das Handy abschalten – also alles, was die Batterien wieder auflädt.

Das Stichwort ist also Achtsamkeit. Hätten Sie dazu konkrete Tipps für unsere Leser?

Eibel: Genau. Erst durch das Innehalten erkenne ich, was ich brauche. Was sagt mir mein Körper gerade, was meine Gedanken? Den Blick nach innen richten, hilft beim Stressabbau. Bleiben Sie im Trubel stehen, atmen Sie bewusst ein und lassen Sie beim Ausatmen jegliche Anspannung im Körper los. Legen Sie am Ende des Arbeitstages bewusst den Arztkittel ab und sagen sich: Jetzt ist Feierabend. Und schaffen Sie Auszeiten der Unerreichbarkeit.

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