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12.06.2018 | Innere Medizin

Maschine aus der Luft

Autor:
Katharina Kropshofer

In Westösterreich stehen an der Klinik in Innsbruck mobile Herz-Lungenmaschinen zur Verfügung. Bei Organversagen wird die Maschine direkt zu den Betroffenen geflogen.

Es sei ein Service, das in Österreich im Rahmen des Gemeinwohls steht. Und eine Verantwortung, die ein großes, zentrales Krankenhaus wie Innsbruck zu tragen hätte. Das erzählt Michael Grimm, Direktor an der Innsbrucker Universitätsklinik für Herzchirurgie, über ein neues Projekt, welches nun gemeinsam mit dem ÖAMTC realisiert wurde.

Bei schweren Lungen- oder Herzversagen hatten Betroffene in peripheren Gegenden Westösterreichs bisher nur eine geringe Überlebenschance. Denn in Westösterreich gibt es nur in Innsbruck fünf sogenannte Herz-Lungen-Maschinen, die für ein paar Tage bis Wochen die Funktion der essenziellen Organe ersetzen können. Selten reichte die Zeit, um die Patienten auch rechtzeitig dorthin zu bringen. „Wenn sich die Kollegen aus der Peripherie melden, dann ist das meistens schon so spät, dass man den Patienten nicht mehr wirklich transportieren kann“, sagt Marc Kaufmann, Oberarzt an der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin und außerdem leitender Flugrettungsarzt des ÖAMTC-Hubschraubers, Christopherus 1. „Wir bringen ihn deswegen nicht zur Herz-Lungen-Maschine, sondern die Maschine zu ihm.“

Dafür muss an der Innsbrucker Klinik stets ein Team aus einem Herzchirurgen, einem Anästhesisten und einem Kardiotechniker bereitstehen. Meist rücken sie in der gleichen Konfiguration aus, wie auch im Regelbetrieb gearbeitet wird. Den Patienten wird dann vor Ort, das heißt in einem peripheren Krankenhaus oder im Gelände, das zweiteilige ECMO (Extracorporeal membrane oxygenation) -System eingepflanzt, bevor sie bodengebunden ins Innsbrucker Krankenhaus gebracht werden. Durch einen Schlauch in der Leistengegend wird das venöse, verbrauchte Blut mit der sogenannten Zentrifugalpumpe entzogen. Es fließt dann weiter in den Lungenanteil der Maschine, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert und in den Körper zurückgeführt wird. So werden pro Minute fünf bis sechs Liter Blut durch Mensch und Maschine geschleust. Für den mobilen Einsatz wurden Rucksäcke konzipiert, die problemlos in den beschränkten Platz des Helikopters passen und mit 30 Kilo Material gefüllt sind.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Durch das neue Projekt haben die Betroffenen in abgelegeneren Gegenden Westösterreichs eine gleichwertige Überlebenschance wie die Patienten im Innsbrucker Zentrum. Im letzten Jahr gab es zwischen fünf und zehn solcher Einsätze, mit einer Überlebensrate zwischen 50 und 70 Prozent. Die Tendenz sei jedoch steigend: wenn man alles abdecken möchte, müsse man im nächsten Jahr mit 20 bis 25 Einsätzen rechnen, so die Ärzte. Jedoch müssen Risiko und Erfolg eines jeden Falls schon im Vorhinein abgewogen werden. „Ein einzelner Einsatz ist sehr aufwendig und kann um die 100.000 Euro kosten,“ so Michael Grimm. „Aber bei jungen Patienten, die eine gute Überlebenschance haben müssten, ist das eine sehr vielversprechende Option.“

Angekommen im Krankenhaus fangt die richtige Arbeit erst an: es beginnt die Suche nach der Ursache des Herz- oder Lungenversagens und nach Möglichkeiten, um es zu beheben.

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