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22.08.2022 | Gesundheitspolitik

Nichts, was uns den Schlaf raubt

verfasst von: Josef Broukal

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Ärzte und Apotheker sind Gewinner der Corona-Jahre, während die Gesundheitspolitik im Ansehen der Österreicher sinkt. Finster sieht es mit der Nutzung von Gesundheits-Apps aus.

„Österreich ist anders.“ So beginnt der Pharmakonzern STADA seinen Bericht über den Stand der Gesundheits-Dinge im zweiten Jahr der COVID-19-Pandemie. Anders im Vergleich zu den übrigen Staaten Europas. Nämlich kritischer gegenüber der Arbeit der Regierung. Kritischer aber auch gegenüber der Wissenschaft und den Medien. Am ehesten vertraut man hierzulande Ärztinnen und Ärzten.

Einmal im Jahr lässt der hessische Pharmahersteller STADA in vielen Ländern nachfragen: Wie halten es die Menschen mit Gesundheitsthemen? Fühlen sie sich gut behandelt von ihren nationalen Krankenkassen, Spitälern und Hausärzten? Vertrauen sie der Schulmedizin? Erwarten sie Hilfe in der Apotheke – und bekommen sie diese auch?

In 15 Staaten füllten jeweils 2.000 Personen einen Online-Fragebogen aus. In Österreich waren es je zur Hälfte Männer und Frauen – 30 Prozent Junge, 37 Prozent mittleren Alters, 33 Prozent Senioren.

Die wichtigsten Ergebnisse:

- Die Österreicher sind gar nicht zufrieden mit der Anti-Corona-Politik der Regierung. Aber sie schütteln auch den Kopf über die vielen Verweigerer in der Bevölkerung – sofern sie nicht selbst zu ihnen gehören.

- Mehr als in jedem anderen der befragten Länder hat die psychische Gesundheit der Österreicher in der Pandemie gelitten – vor allem aufgrund der sozialen und psychischen Folgen der COVID-19-Einschränkungen.

- Am meisten vertrauen Herr und Frau Österreicher in Sachen Gesundheit ihren Ärztinnen und Ärzten. Weniger als anderswo vertrauen sie jedoch Wissenschaftlern und Pharmaunternehmen.


Die gute Nachricht zuerst: Drei Viertel der Österreicher ( Anm.: 76 % ) sind mit dem Gesundheitssystem des Landes sehr oder ziemlich zufrieden – damit liegt Österreich weit über dem Durchschnitt der Umfrage, 64 Prozent.

Weniger groß ist die Zustimmung zur Frage, ob Österreichs Gesundheitssystem die Pandemie gut bewältigt hat. 61 Prozent sagen Ja, aber 37 Prozent sind der Meinung, dass das öffentliche Gesundheitswesen in Sachen COVID-19 schlecht gearbeitet hat. Aber nicht nur das: Etwas mehr als die Hälfte der Österreicher ( Anm.: 51 % ) ist der Meinung, dass die Bevölkerung die Pandemie schlecht bewältigt hat – 13 Prozent empfanden die Bewältigung sogar „sehr schlecht“.

Noch schlechter steigt die Regierung aus. Nur ein Viertel der Österreicher (23 %) ist der Meinung, dass die Regierung die Pandemie gut bewältigt hat. Fast drei von vier Befragten (73 %) sagen, dass die Regierung schlecht gehandelt habe – und mehr als zwei von fünf (42 %) geben der Regierung mit der Bewertung „sehr schlecht“ einen glatten Fünfer. Der STADA Health Report hält fest: „Damit stellten die Österreicher ihrer Regierung das schlechteste Zeugnis der Umfrage aus“, und zwar von allen 15 befragten Ländern.

Vertrauen in Ärzte und Apotheken


In Österreich sei das Vertrauen in Apotheker und Ärzte „intakt“, heißt es im Report. Politikern und Wissenschaftlern stünden die Menschen in unserem Land aber eher skeptisch gegenüber. Man vertraut der Schulmedizin, aber man informiert sich auch über alternative Behandlungsmethoden.

Wie gut waren Hausärztinnen und -ärzte während der Pandemie erreichbar? Österreich nimmt in den 15 untersuchten Ländern einen Spitzenplatz ein. Nur jeder Zehnte gab an, Schwierigkeiten gehabt zu haben, einen Termin beim Hausarzt zu bekommen. Einzig in der Schweiz war dies ein geringeres Problem. Die übrigen 13 untersuchten Länder schnitten schlechter ab.

COVID-19 macht seelisch krank

Deutlich mehr als jeder dritte Österreicher (37 %) gibt an, dass sich seine psychische Gesundheit seit Beginn der Pandemie verschlechtert hat – mehr als in jedem anderen der 15 teilnehmenden Länder. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen gibt mehr als die Hälfte (54 %) der Österreicher an, dass sich ihre psychische Gesundheit verschlechtert hat; in der Altersgruppe der 55- bis 69-Jährigen sinkt dieser Anteil auf 31 Prozent und in der Altersgruppe der über 70-Jährigen auf nur 18 Prozent. Ältere Menschen kommen also leichter mit der Gefahr einer Ansteckung zurecht als jüngere –obwohl sie ein höheres Risiko von schwerer Erkrankung und Tod tragen.

Der Report hält fest: „Die Ursache dafür könnte sein, dass die Österreicher die psychologischen Auswirkungen der Pandemie besonders stark zu spüren scheinen – 27 Prozent gaben an, dass sie oder ein erwachsenes Familienmitglied unter den sozialen und psychologischen Folgen der COVID-19-Einschränkungen gelitten haben. Dies ist der höchste Wert unter den 15 Ländern des Gesundheitsberichts. In der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen gab jeder dritte Österreicher (33 %) an, dass dies ein Problem sei. Die Österreicher sehnen sich nach Normalität.“

Skeptisch gegenüber E-Health

Der Nutzen des Internets im Kontakt mit Ärztinnen und Ärzten ist in Österreich noch nicht angekommen, stellt die STADA-Studie lapidar fest. Weniger als ein Viertel (24 %) ist dafür offen, einen Arzt aus der Ferne per Webcam zu konsultieren, um Weg- und Wartezeit zu sparen. Das ist einer der niedrigsten Werte in der Umfrage.

Ganz finster wird es bei der Frage nach dem Verwenden von Gesundheits-Apps. Rund zwei Drittel der Österreicher kennen entweder keine oder sie kennen sie, aber nutzen sie nicht. Das ist der höchste Anteil in allen 15 untersuchten Ländern. Wenn solche Apps genutzt werden, dann für Tipps zu einer gesunden Ernährung. Kaum aber für den Informationsaustausch mit Ärzten und für den Erhalt relevanter Gesundheitsinformationen.

Andere Ergebnisse der großen STADA-Umfrage im Telegrammstil zusammengefasst:

- Fast die Hälfte der Österreicher hat im vergangenen Jahr versucht, sich gesünder zu ernähren – mit Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln. Yoga und Pilates stehen hoch im Kurs.

- Herr und Frau Österreicher schlafen gut, weil sie – verglichen mit den Menschen in den übrigen befragten Staaten – die wenigsten langfristigen Sorgen haben.

- Nur 13 Prozent geben an, am Rande eines Burnouts zu stehen – das ist Platz drei im Ranking.

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Metadaten
Titel
Nichts, was uns den Schlaf raubt
Schlagwort
Gesundheitspolitik
Publikationsdatum
22.08.2022

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