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Ärzte Woche

11.11.2019 | Ausgabe 46/2019

Es war an der Wien, wo er alles tat

Autor:
Von Martin Krenek-Burger

Das Theater an der Wien war im Jahre 1803 das größte und modernste Theater seiner Zeit. Hier war Ludwig van Beethoven „composer in residence“, hier wurden seine einzige Oper „Fidelio“ und viele seiner Symphonien uraufgeführt. Der Fotograf und Autor Andreas J. Hirsch beleuchtet in seinem Buch die Blütezeit dieses überragenden Komponisten.

„Eine neue grosse Simphonie in Dis, von Herrn Ludwig van Beethoven, zugeeignet Sr. Durchlaucht Fürsten von Lobkowitz. Auch wird der Verfasser dieselbe selbst zu dirigieren die Gefälligkeit haben.“ So las man es auf dem Programmzettel für die Sinfonie in Es-Dur, die „Sinfonia eroica“, die am Abend des Palmsonntags des Jahres 1805 im Theater an der Wien Weltpremiere erlebte.

Das Theater an der Wien, vier Jahre zuvor eröffnet, war ausgestattet mit innovativer Bühnen- und Beleuchtungstechnik und bot Platz für 2.200 Zuschauer, davon 700 auf bequemen Sitzplätzen. Das Haus am Wienfluss war zu Beethovens Zeit das, was die Wiener Stadthalle heute ist. Wer hier den Saal füllte, der hatte es als Künstler in Österreich geschafft, der spielte in der Oberliga.

Anlässlich des bevorstehenden Gedenkjahres, Beethovens Geburtstag jährt sich 2020 zum 250. Mal, wollte der Geschäftsführer der vereinigten Bühnen Wiens, Franz Patay, „unbedingt ein Buch“. Dazu brauchte es u. a. einen Verlag, den fand man in Lois Lammerhuber, und einen versierten Autor und Fotografen. Die Wahl fiel auf Andreas J. Hirsch: „250 Jahre sind eine lange Zeit, in den rund zwei Jahrhunderten, die uns von Beethovens Jahren in Wien trennen, ist ein Dickicht aus Legenden, Fantasien, Heroisierungen, Idealisierungen und auch Vereinnahmungen entstanden. Sich durch dieses Dickicht einen persönlichen Weg zu Beethoven zu bahnen ist mitunter nicht so einfach“, sagt Hirsch. Natürlich gebe es eine Fülle wertvoller Bücher über diesen Künstler, musikwissenschaftliche und biografische Zugänge. Sein Werk „Beethoven in Wien“ versuche einen anderen, einen persönlichen Weg. Und zwar im wörtlichen Sinn.

Hirsch fand seinen Zugang zu Beethoven über einige gut erhaltene Orte, die dem Komponisten wichtig waren, an denen er gewohnt, gelebt und gearbeitet hatte, wo er Uraufführungen seiner Werke erlebt hatte, die er oftmals selbst dirigierte. „Orte, an denen, wenn man das möchte, man noch etwas von Beethoven spüren kann, auch heute noch. Oder zumindest erahnen. Orte, wo man vielleicht auch so etwas wie ein persönliches Beethoven-Erlebnis haben kann.“ Hirsch versteht sich hierbei als „flanierender Fotograf“, das Fotografieren als „Prozess der Erkenntnis“. Hinter den Beethoven-Orten liege nämlich das, worauf es eigentlich ankomme, die Ideenwelt des Künstlers, das was Beethoven selbst als das „geistige Reich“ bezeichnete.

Das Buch „Beethoven in Wien“ begleitet den Betrachter zu diesen besonderen Plätzen, etwa zum Pagagenotor des Theaters an der Wien in der Millöckergasse, die auch der Genius Loci so gesehen hat.

Die wunderschönen Fotografien, die präzise Sprache der Texte (Deutsch/Englisch) und die liebevolle Verarbeitung des Buchs – wie oft hält man schon ein Werk mit „French Fold“-Einband in Händen – sind von höchster Güte.

Andreas J. Hirsch ist künstlerischer Fotograf, Autor und Kurator. Zu seinen Schriften zählen Bücher über Pablo Picasso, Tina Modotti, Friedensreich Hundertwasser und HR Giger. Als Kurator des Kunst Haus Wien von 2009 bis 2014 gestaltete er unter anderem Ausstellungen über Henri Cartier-Bresson und Linda McCartney.

Ausstellungstipp

Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken. Gezeigt wird die Original-Handschrift der 9. Symphonie. Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek; 19. Dezember 2019 bis 19. April 2020.

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