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Ärzte Woche

28.10.2019 | Seltene Erkrankungen | Ausgabe 44/2019

Transplantationsmedizin

Poltern für Klepetko

Autor:
Martin Krenek-Burger

Die Kritik, eine griechische Patientin sei bei ihrer Lungentransplantation in Wien bevorzugt worden, verunsichert die Patienten, die auf der Warteliste stehen. Und  es empört die Vertreter von Selbsthilfeorganisationen. Man ist besorgt, dass die Einträge ins Widerspruchsregister ansteigen.

„Wir haben vollstes Vertrauen in das Transplantationszentrum und in Prof. Klepetko.“ Das sagt Thomas Tost, Obmann des Verbands der Herz- und Lungentransplantierten. Auch Angelika Widhalm vom Bundesverband Selbsthilfe Österreich (BVSHOE) hat Klepetko am Donnerstag ihr „volles Vertrauen“ ausgesprochen. Österreich habe eines der besten Gesundheitssysteme, jeder habe die Chance, ein Organ zu bekommen, betonte Widhalm.

Die kritische Berichterstattung über Organtransplantationen am Wiener AKH, angefangen mit einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung sowie das darauf folgende Echo in den österreichischen Medien, habe zu großer Verunsicherung bei den Patienten geführt, die auf einer Warteliste stehen. Das größte Problem sei nun der Verlust des Vertrauens seitens der ohnehin nicht nur körperlich, sondern auch psychisch stark belasteten Patienten, da es sich um ein besonders emotionales Thema handle, sagt Widhalm: „Bei uns laufen die Telefone heiß mit Anrufen von Betroffenen, die fragen, ob sie ein Organ bekommen“. Angelika Widhalm, sie selbst ist lebertransplantiert, befürchtet, dass nunmehr die Zahl jener steigen werde, die Widerspruch gegen eine Organspende einlegen und sich jetzt in das sogenannte „Widerspruchsregister“ eintragen.

Patientenvertreter sind keine Richter

„Wir machen uns Sorgen um das österreichische Transplantationssystem, das eines der besten der Welt ist.“ Ein Unterschied zwischen österreichischen und ausländischen Patienten werde nicht gemacht. Es sei außerdem kein Einzelfall, dass ein Patient bereits innerhalb einiger Stunden ein Organ erhält, ergänzte Tost. Man sei aber nicht in der Position, zu richten, sagte Widhalm

Das Wiener AKH sieht sich derzeit mit Vorwürfen wegen des Verdachts konfrontiert, gegen Regeln bei Organspenden verstoßen zu haben. Die Süddeutsche Zeitung hatte am 19. Oktober von einem Fall berichtet, in dem an einer griechischen Patientin binnen vier Stunden eine Lungentransplantation durchgeführt wurde, obwohl die Wartezeit auf ein Spenderorgan eigentlich Monate dauert. Es steht der Vorwurf der Bereicherung im Raum, da Ärzte bei ausländischen Patienten weit höhere Summen einnehmen würden als bei Österreichern. Das AKH distanzierte sich von den Anschuldigungen, will sie nun aber prüfen.

Die Kooperation der europäischen Transplantations-Koordinationsstelle Eurotransplant mit den Nicht-Eurotransplantländern bezeichnet Ernst Leitgeb, Vertreter für seltene Erkrankungen im BVSHOE, als großen Vorteil für die Patienten. Dadurch stünden heimischen Patienten mehr Organe zur Verfügung. „Der Pool wird größer“, erläutert Angelika Widhalm. Und das, obwohl die Organbilanz nicht mit allen Ländern positiv ist.

„Zu über 90 Prozent bekommt jeder, der auf der Warteliste steht, ein Organ“, sagt Leitgeb. Zwar würden in einzelne Länder – wie auch Griechenland – mehr Organe rausgehen, insgesamt sei die Bilanz für Österreich aber „im Plus“. Er freue sich über jedes durch eine Organvergabe gerettete Leben, „egal welcher Nation“.

Transplant-Beauftragte beachten

Widhalm erkennt trotz geharnischter Kritik an der medialen Berichterstattung Verbesserungsbedarf im Transplantwesen, wenn auch nur im Detail. Einiges gehöre besser organisiert. Zum Beispiel? „Wenn der Transplant-Beauftragte im Spital in der Nacht nicht erreichbar ist und daher nicht erfährt, dass ein Organ verfügbar ist. Dieses Organ geht dann womöglich verloren. Das muss besser werden.“

Weiterhin spekuliert wird über die Quelle der Süddeutschen Zeitung , im Raum steht eine Intrige im AKH selbst. Den Grund nennt Klepetko in einem Interview mit dem Standard : „Es sind höchst vertrauliche Informationen, die nur einem sehr beschränkten Kreis von Personen zugänglich sind. In jedem Fall war es eine illegale Datenweitergabe. Dagegen werden wir uns wehren.“ Dass es dazu kommen konnte, führen Experten wie Ernest Pichlbauer auf die zersplitterten Kompetenzen im AKH zurück, das führe zur Herausbildung von Regionalkaisern in Person der Klinikleiter, berichtet der Kurier .

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