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Krebs in der COVID-19-Pandemie: Herausforderungen – Behandlungsstrategien – Impfungen

© Thomas Maria Laimgruber

Personenen: v.l.n.r.: Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ. Prof. in Dr. in Ursula Wiedermann-Schmid, Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda © Thomas Maria Laimgruber

Der Verein „Leben mit Krebs“ lud in Kooperation mit der MedUni Wien, dem AKH Wien, der Central European Cooperative Oncology Group (CECOG) und der Österreichischen Krebshilfe österreichische Krebsexperten zu einer Diskussion zum Thema „Krebs in der COVID-Pandemie".

Vielfältige Herausforderungen

„Die COVID-Pandemie hat unser Gesundheitssystem vor vielfältige Herausforderungen gestellt“, so Univ. Prof. Dr. Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums AKH Wien und Präsidentin des Vereins Leben mit Krebs. „Beispielsweise war und ist neben der bedarfsgerechten intensivmedizinischen Versorgung der Bevölkerung auch die zeitnahe Behandlung schwerwiegender Erkrankungen wie beispielsweise Krebs von immenser Bedeutung. Um dieses Angebot zu gewährleisten, wurde beispielsweise in Wien sehr frühzeitig auf intensive Zusammenarbeit der diversen Krankenhäuser gesetzt.“ 

Speziell im AKH Wien galt auch in Lockdownphasen immer die Order, dass herzchirurgische und onkologische PatientInnen unbedingt behandelt werden müssen. Therapien sollten möglichst weder reduziert noch verschoben werden. Dementsprechend wurden Tumoroperationen in der Regel planmäßig durchgeführt, wie eine Untersuchung von Prof. Dr. Matthias Preusser, Klinische Abteilung für Onkologie, AKH Wien/MedUni Wien, belegt. Einbrüche hingegen gab es bei der Teilnahme an Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. „Dies ist im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen“, so Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. „Auf der einen Seite waren Institute und Ordinationen teilweise geschlossen, auf der anderen Seite war bei vielen Menschen die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 groß.“

Die Teilnahmerate am österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm kehrte zwar ab Sommer 2020 wieder zu den Vergleichszahlen aus den Vorjahren zurück, insgesamt kam es 2020 dennoch zu einem Rückgang von rd. 12% (rd. 40.000 Teilnehmerinnen) gegenüber 2019. Ähnlich verhält es sich bei der Inanspruchnahme von Vorsorge-Koloskopien: Hier zeigen die Zahlen einen Rückgang von rd. 15% gegenüber 2019.  Der massive Einbruch der Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen führte unweigerlich zu weniger bzw. zu verspäteten Krebsneudiagnosen.

Behandlungsstrategien 

Dabei sind die Behandlungserfolge der modernen Krebstherapien bei Früherkennung des Tumorgeschehens und rechtzeitigem Therapiebeginn enorm gestiegen. „Vor rund einem Jahrzehnt wurde die Onkologie durch die Entwicklung der Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICPIs) revolutioniert. Die neuen Substanzen waren das Ergebnis grundlegender Umdenkprozesse über die Mechanismen der Tumorgenese und innovative Therapieansätze“, so Prof. Dr. Zielinski, ärztlicher Leiter der Wiener Privatklinik und des Central European Cancer Centers, begeistert: „Als Folge davon konnten die Behandlungserfolge deutlich verbessert und die Lebenserwartung vieler PatientInnen enorm gesteigert werden.“

Impfungen

Bereits Anfang 2021 wurden von der Österreichischen Krebshilfe COVID-19-Impfempfehlungen für KrebspatientInnen entsprechend der Empfehlung des Nationalen Impfgremiums publiziert. „Demnach sollten diese Hochrisikopersonen der Prioritätsstufe I möglichst frühzeitig mit Impfungen versorgt werden“, so Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie & Immunologie. „Zahlreiche aktuelle Studien untermauern, dass KrebspatientInnen besonders gefährdet sind, an COVID schwer zu erkranken oder auch zu versterben.“ Grund dafür sei ein stark beeinträchtigtes Immunsystem – bei hämatologischen Erkrankungen durch diese selbst bedingt, bei soliden Tumoren vor allem durch die Therapie verursacht. Vor diesem Hintergrund gelte nach wie vor, dass sich KrebspatientInnen möglichst früh bei Diagnosestellung impfen lassen sollten.

Auch die Krebsexperten Prof. Dr. Christoph Zielinski und Prof. Dr. Paul Sevelda sind sich einig: „Die möglichst vollständige Impfung gegen COVID 19 und seine Mutationen ist die einzige Möglichkeit, Österreich vor einem weiteren Lockdown zu bewahren. Die Impfung ist sicher und bewahrt nicht nur uns persönlich vor einer meist deutlich schwerer verlaufenden Coronainfektion, sondern schützt vor allem auch unsere Patientinnen und Patienten vor einer Übertragung des Virus. Da wir als onkologisch tätige Ärzte tagtäglich mit HochrisikopatientInnen zu tun haben, wäre es verantwortungslos, nicht geimpft zu sein. Wir fordern daher für den Gesundheitsbereich, aber auch den Bildungsbereich und alle Institutionen, die täglich mit vielen Menschen Kontakt haben, die 2G-Regel einzuführen und auch wirklich zu kontrollieren. Die Politik muss sich ihrer Verantwortung bewusst sein und diese dringend notwendigen Maßnahmen so rasch wie möglich umsetzen.“

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