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13.10.2021 | Innere Medizin | Übersichtsartikel | Onlineartikel

Nutzung von Gesundheitsdaten durch pharmazeutische Forschung zeigt positive Effekte

Autor:
Mag.a Alice Kment

© envfx / stock.adobe.com

Eine Studie untersuchte in fünf Ländern Europas, wie und mit welchem versorgungsrelevanten Nutzen dort Gesundheitsdaten für die pharmazeutische Forschung verfügbar gemacht werden.

In Österreich werden die im medizinischen Alltag gewonnenen Daten kaum für die Arzneimittelforschung oder die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens genutzt. In anderen Ländern Europas wird dieses Potenzial viel stärker berücksichtigt. Das hat eine Studie des Empirica-Instituts im Auftrag des vfa, des Verbands forschender Arzneimittelhersteller in Deutschland, untersucht. Hierzu wurde in fünf Staaten erhoben, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Zweck Gesundheitsdaten für die pharmazeutische Forschung bereits verfügbar gemacht werden.
 „Die Studie führt uns vor Augen, dass die Nutzung von Daten durch die forschende pharmazeutische Industrie signifikant zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beiträgt. Zum Beispiel ist dadurch eine viel schnellere, gezieltere und präzisere Behandlung von Patientinnen und Patienten möglich. Entsprechende Rahmenbedingungen, um das auch in Österreich zu ermöglichen, wären daher zum Wohle der Bevölkerung wünschenswert“, kommentiert Mag. Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, die Ergebnisse der Studie.

Andere Staaten nutzen Datenpool intensiver

In Finnland, Frankreich, Niederlande, Portugal und dem Vereinigten Königreich wird Unternehmen im Rahmen der Forschung der Zugriff auf Gesundheitsdaten ermöglicht. Der Zweck der Datennutzung muss von berechtigtem öffentlichem Interesse sein. Der Zugang zu den Daten ist stets streng geregelt und muss beispielsweise in Frankreich und Finnland zentralisiert in sogenannten One-Stop-Shops beantragt werden. Im Sinne der Transparenz werden freigegebene Anträge von der zentralen Antragstelle publik gemacht.
 „Wenn im Rahmen der pharmazeutischen Forschung Daten genutzt werden, dann in großer Menge und anonymisierter Weise. Welche Einzelpersonen hinter den Daten stehen, ist für die Wissenschaft nicht relevant. Ziel der umfassenderen Datennutzung ist beispielsweise die Entwicklung neuer Therapieansätze oder auch Wege zu finden, um unser Gesundheitssystem effizienter aufzustellen“, erklärt Herzog.
 Die Vorteile der Datennutzung liegen auf der Hand, wie ergänzend zur Studie auch der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, Interpharma, in seiner Publikation "Erfolgsfaktor Digitales Gesundheitsökosystem" aufzeigt. So können durch gezielte Datenauswertungen Rückschlüsse gezogen werden, um Prävention und Behandlung zu verbessern. Parallel dazu werde laut Bericht der Forschungsstandort gestärkt und auch der Gesundheitsbereich sukzessive effizienter.
 Allein die in kürzester Zeit erzielten Forschungsfortschritte im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie haben gezeigt, was für einen hohen Nutzen das Zusammenwirken von öffentlichen Forschungseinrichtungen und pharmazeutischer Industrie im Sinne des Gemeinwohls stiftet. „Umso wichtiger ist es, dass die Politik gesetzliche Rahmenbedingungen dafür schafft, dass die im Gesundheitssystem gesammelten Daten vernetzt und – unter entsprechend datenschutzrechtlichen Voraussetzungen – zur Nutzung verfügbar gemacht werden. Daher befürworten wir die Einrichtung eines unabhängigen, nationalen ‚Austrian Micro Data Center‘“, so Herzog.
Das Austrian Micro Data Center soll bei Statistik Austria etabliert werden, privaten und öffentlichen Forschungseinrichtungen Fernzugriff auf statistische Daten einräumen und ihnen so ermöglichen, Analysen für wissenschaftliche Zwecke durchzuführen. Die genauen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten der im Antragsverfahren beteiligten Stellen müssen allerdings noch verankert werden.

Quelle:
Pressemitteilung der Pharmig vom 05. Oktober 2021


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