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10.06.2022 | Innere Medizin | Studiennews | Online-Artikel

Bestrahlung nach radikaler Prostataktomie: neue Daten zu Spättoxizitäten

verfasst von: Dr. Dagmar Kraus

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© freshidea / Fotolia

Um das Risiko für eine Spättoxizität nach Salvage-Radiotherapie besser beurteilen zu können, haben Urologen aus Schweden über mehrere Jahre den Gesundheitszustand von Patienten nach radikaler Prostatektomie mit und ohne postoperative Bestrahlung verglichen.

Sinkt nach radikaler Prostatektomie die PSA-Konzentration im Blut nicht bzw. steigt sie wieder an, sprechen sich die meisten Leitlinien für die Bestrahlung als nächsten möglichen Therapieschritt aus. Doch abgesehen von den akut nach Radiotherapie auftretenden Nebenwirkungen müssen die Patienten auch über mögliche Spätfolgen aufgeklärt werden. Exakt beziffern lässt sich das langfristige Nebenwirkungsrisiko aktuell nicht.
 

Neue Daten zur Spättoxizität präsentierten nun Urologen aus Schweden. In einer bevölkerungsbasierten, retrospektiven Kohortenstudie verglichen sie 2789 Patienten, die zwischen 1997 und 2016 prostatektomiert und im weiteren Verlauf bestrahlt worden waren (RP+RT-Gruppe), mit 5578 operierten Prostatakarzinompatienten ohne Salvage-Radiotherapie (RP-Gruppe). Für jeden Probanden in der Verumgruppe waren zwei in puncto Alter, Begleiterkrankungen und Operationszeitpunkt entsprechende Patienten der Kontrollgruppe zugewiesen worden. Die Nachbeobachtungszeit erstreckte sich vom Matching-Zeitpunkt, in der RP+RT-Gruppe entsprach das dem Beginn der Strahlentherapie, bis Ende Dezember 2016 bzw. endete nach maximal 15 Jahren. Im Mittel waren Patienten der RP+RT-Gruppe vier Jahre (Interquartilsabstand [IQR]: 1,8–7,4), Patienten der RP-Gruppe fünf Jahre (IQR: 2,2–8,3) nachbeobachtet worden. Die Daten stammten aus der Prostate Cancer Database Sweden.

Der Harntrakt leidet im Besonderen

Die deutlichsten Unterschiede ließen sich bei den Nebenwirkungen erkennen, die den Harntrakt betreffen. Männer, die postoperativ bestrahlt worden waren, mussten im Beobachtungszeitraum häufiger am Harntrakt operiert werden als ausschließlich prostatektomierte Männer. Die kumulative 10-Jahres-Inzidenz für einen entsprechenden Eingriff gaben die schwedischen Urologen mit 17,8% in der RP+RT-Gruppe und 10,5% in der RP-Gruppe an. Auch schwerwiegende Komplikationen, die Maßnahmen zur Harnableitung − mit und ohne Zystektomie − notwendig machten, waren in der RP+RT-Gruppe häufiger, blieben aber insgesamt gesehen ein eher seltenes Ereignis (kumulative 10-Jahres-Inzidenz 0,9% bzw. 0,3%). Das relative Risiko für Hämaturien war nach RT um den Faktor 6 erhöht (kumulative 10-Jahres-Inzidenz 6,0 % bzw. 1,2%), das relative Risiko für ein Blasenkarzinom um den Faktor 2,7 (kumulative 10-Jahres-Inzidenz 2,4 % bzw. 1,1%). Hinsichtlich gastrointestinaler Langzeitfolgen, anderen sekundären Malignomen und der nicht prostatakarzinomspezifischen Mortalität schnitten beide Gruppe hingegen ähnlich ab.

Harnwegsoperationen – RP+RT-Patienten langfristig im Nachteil

Aus Sicht der schwedischen Urologinnen und Urologen lieferten die Daten unter anderem zwei wichtige Hinweise: Erstens, die bei RP+RT-Patienten häufiger durchgeführten Maßnahmen zur Harnableitung waren eher Folge strahlungsbedingter Komplikationen als Folge sekundärer Karzinome. Als Begründung führten die Forschenden das in beiden Gruppen ähnlich hohe Risiko invasiver Prostatakarzinome an sowie die Tatsache, dass bei 11 der 14 Patienten, die eine Harnableitung benötigten, kein Blasenkarzinom vorlag.
Zweitens, die nach Salvage-Bestrahlung zweimal so hohe Blasenkarzinominzidenz sei überwiegend durch oberflächlich wachsende Malignome bedingt, die keine Maßnahmen zur Harnableitung bzw. Zystektomie erfordern. „Denn die Inzidenz der harnableitenden Maßnahmen ist nicht parallel zur Blasenkarzinominzidenz gestiegen.“
Die Beobachtung, dass die Inzidenz von Operationen in der RP+RT-Gruppe über die Zeit stärker anstieg als in der der RP-Gruppe, erachteten die Urologinnen und Urologen ebenfalls als wichtigen Punkt, schließlich hätten viele Männer, die postoperativ bestrahlt werden, eine weitaus längere Lebenswartung als die maximal in der Studie untersuchten 15 Jahre. Das Forscherteam räumte aber ein, dass eine Einschätzung des Lebenszeitrisikos für schwerwiegende Nebenwirkungen anhand der Daten nicht möglich ist.

Referenz:
Braide K et al.: Risk of severe late toxicity after radiotherapy following radical prostatectomy – a nationwide study. BJU Int 2022; https://doi.org/10.1111/bju.15769

Quelle: springermedizin.de

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