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04.07.2022 | Impfungen

Impfen gehört zur Reiseplanung

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© JFK / EXPA / picturedesk.com / picture alliance

Reisende sollten bei der Reisevorbereitung nicht nur an die COVID-19-Impfung denken. Selbst in Europa sollten die Standardimpfungen aktuell sein. Bei Fernreisen empfiehlt sich ohnehin eine frühzeitige reisemedizinische Beratung.

„Ein geplanter Urlaub ist ein guter Anreiz, den eigenen Impfstatus überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren zu lassen, auch für Reisen innerhalb Europas“, erläutert Dr. Hermann Laferl, Facharzt für Infektiologie und Tropenmedizin an der Klinik Favoriten. Für Fernreisen ist eine fundierte reisemedizinische Beratung noch wichtiger. „Ein Blick auf die Informationen des Reisebüros genügt meist nicht“, betont Doz. Dr. Ursula Hollenstein, Infektiologin und Fachärztin für Tropenmedizin – sie ist auch Teil der Science Busters. „Oft wird nur angegeben, dass nichts ‚vorgeschrieben‘ ist.“ Davon abzugrenzen seien jedoch die für den persönlichen Schutz empfohlenen Impfungen. Auch die Art der Reise könne ausschlaggebend für die erforderlichen Impfungen oder Prophylaxemaßnahmen sein.

Regelmäßig auffrischen

Die vergangenen Jahre haben laut Laferl abseits von COVID-19 gezeigt, warum es wichtig sei, nicht mit den Impfungen nachzulassen. So wurden etwa hierzulande seit 2014 nach 20 diphtheriefreien Jahren einzelne Fälle von Schleimhaut-Diphtherie oder Hautdiphtherie gemeldet, 2022 sogar schon zwei Fälle von respiratorischer Diphtherie. „Die Krankheit kann sehr schwer verlaufen und langfristige Schäden unter anderem an Herz und Nieren verursachen und sogar bis zum Tod führen“, sagt Laferl. Polio hätte bereits ausgerottet sein sollen, doch das ist bis jetzt noch nicht vollständig gelungen. In der Ukraine ist es 2021 zu einem kleineren Ausbruch gekommen. „Aufgrund des Krieges und der unterbrochenen Impfkampagne speziell bei Kindern ist zu befürchten, dass sich auch die Kinderlähmung wieder mehr verbreiten wird“, befürchtet Laferl. Der Experte betont die Notwendigkeit, die Vierfachimpfung (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio) als Erwachsener alle zehn Jahre auffrischen zu lassen, ab dem Alter von 60 alle fünf Jahre. Das sei auch im Hinblick auf Tetanus wichtig, da die Erreger praktisch überall in der Natur vorkämen.

Globales Problem

Nicht nur in Österreich, sondern global ein großes gesundheitliches Problem ist außerdem Hepatitis B. Diese Impfung sollte nach der Grundimmunisierung alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Etwas häufiger – alle fünf Jahre – muss die FSME-Impfung gegeben werden. „Das Virus ist in ganz Österreich verbreitet, aber auch in vielen Ländern Europas“, sagt Laferl. Reisenden aus westeuropäischen Ländern, die bei uns Urlaub machen, empfiehlt er, sich vorher grundimmunisieren zu lassen. Für Laien oft ziemlich unübersichtlich sind jene Impfungen, die man für Fernreisen braucht. So wird etwa die Gelbfieberimpfung in einigen Staaten West- und Zentralafrikas generell bei der Einreise verlangt. In vielen anderen Ländern besteht eine solche Impfpflicht nur dann, wenn man aus einem Gelbfieberland einreist. Für Hollenstein ist aber unabhängig von den jeweiligen Vorschriften klar: „Dem Risiko zu erkranken, sollte man sich jedenfalls nicht aussetzen.“ Neben fast symptomlosen Infektionen gebe es nämlich schwere Krankheitsverläufe mit Blutungen und Organversagen, die in mehr als der Hälfte der Fälle tödlich seien. Eine weitere vorgeschriebene Impfung ist jene gegen Meningokokken ACWY, allerdings nur für die Teilnahme an Pilgerfahrten in Saudi-Arabien. „Bei uns ist diese Impfung Teil des Kinderimpfprogramms, für Erwachsene ist sie lediglich bei Reisen südlich der Sahara – von Gambia bis Äthiopien – unabhängig vom Alter sinnvoll“, erläutert Hollenstein.

Rechtzeitig zur Beratung

Wer eine Reise an eine Destination außerhalb Europas plant, sollte sich jedenfalls rechtzeitig reisemedizinisch beraten lassen, sagt Hollenstein. Am besten sechs bis acht Wochen vorher, da man Impfungen mit mehreren Dosen entsprechend früh beginnen muss. Gleichzeitig empfiehlt sie reine Reiseimpfungen mit nur einer Dosis derzeit am besten zum spätest möglichen Zeitpunkt, also etwa zehn Tage vor der Abreise machen, um im Fall einer Reiseabsage keine unnötigen Kosten zu haben. Bei Mehrfachimpfungen sollte man drei bis vier Wochen vor der Abreise beginnen.

Quelle: Pressekonferenz des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH) am 30. Juli 2022

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Metadaten
Titel
Impfen gehört zur Reiseplanung
Publikationsdatum
04.07.2022

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