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Ärzte Woche

02.12.2019 | Behandlungsmethoden | Ausgabe 49/2019

Videobeitrag zur Arthroskopie

„Wir leuchten jeden Winkel aus“

Autor:
Von Martin Krenek-Burger

Gerald Aigner / V-I-P.tv

Moderne Kniespiegelungen machen erst schwierige Kreuzband-Operationen und Knorpeltransplantationen möglich. Der Leiter des Knie-Teams in Speising, Dr. Michael Enenkel, erläutert die Entwicklung der einst umstrittenen Kniespiegelung in den vergangenen Jahrzehnten und demonstriert die wichtigsten Handgriffe und Übungen für Jungmediziner anhand eines Simulators.

Die Knie-Arthroskopie des Autors am Alten AKH Wien im Jahre 1989 fand gewissermaßen in der Steinzeit dieser Technologie statt, einem Vortasten in unbekanntes Terrain nicht unähnlich. Wenn heute Kreuzband-Verletzungen abgeklärt werden, erfolgt die Diagnose in Ultra-High-Definiton-Qualität. Die Kniearthroskopie hat enorme Fortschritte gemacht. Das sagt OA Dr. Michael Enenkel, er ist Spezialteamleiter für rekonstruktive Kniechirurgie am Orthopädischen Spital Speising.

Wir stehen hier an einem modernen Arthroskopie-Simulator, die Technik hat sich verändert, wie haben sie die Entwicklung erlebt?

Enenkel: Wenn ich das vergleichen darf, dann war Arthroskopie früher ein alter Röhrenfernseher mit Schwarz-Weiß-Bild; was wir jetzt haben sind hochqualitative Auflösungen, Ultra-HD. In Speising nehmen wir mit 4K-Kameras das Geschehen im Knie auf und geben es mit der der maximalen Auflösung auf dem Bildschirm wieder. Diese spezielle Kamera, die man in Österreich nicht so häufig findet, erlaubt es kleinere Optiken zu verwenden, mit gestochen scharfen Bildern. Das kann man mit einer Arthroskopie aus den neunziger Jahren nicht vergleichen, weil damals ein milchiges Schwarz-Weiß-Bild zu sehen war.

Hat man seinerzeit die Kniestrukturen mehr erahnt als sie gesehen?

Enenkel: Das war oft ein Stochern im Nebel. Heute kann ich mit verschiedenen Optiken in jeden Winkel hineinleuchten, und von den einfachsten bis zu den schwierigsten Operationen alles machen.

Hat dieser Quantensprung das Image der Arthroskopie aufpoliert?

Enenkel: Das Image hat sich extrem verbessert, weil heute so viel mehr möglich ist und die Operationserfolge grandios sind. Man kann mit einer Arthroskopie nicht nur kleine Meniskus-Verletzungen behandeln, sondern auch größere Eingriffe machen, angefangen von Kreuzbandoperationen – vorderes Kreuzband, hinteres Kreuzband –, da stand man Anfang der neunziger Jahre noch am Beginn. Heute können wir auch technisch schwierige Knorpel-Eingriffe arthroskopisch machen.

Am Beginn der Skisaison interessiert die Kreuzband-Chirurgie vorrangig.

Enenkel: Kreuzband-Chirurgie behandelt nicht nur Risse, die man mit einer Standard-Ersatztechnik behandelt, wir können auch mit verschiedenen anderen Techniken entweder das Kreuzband schienen oder das Kreuzband wieder an den ursprünglichen Ort fixieren, je nachdem wie viel noch vorhanden ist.

Wann sollte man die Finger von der Arthroskopie lassen?

Enenkel: Wenn man es nicht kann und keine Übung darin hat. Arthroskopien kann man heute bei sehr vielen Verletzungen machen, die früher nur in einer offenen Technik operiert werden konnten. Eine Innovation ist die arthroskopische Knorpelzell-Transplantation, die man früher immer offen gemacht hat.

Wobei der Knorpelschaden bei höhergradigen Abnützungen die schlechteste Indikation ist, eine gute Indikation sind Knorpellöcher, die man einzeln behandeln und auffüllen kann. Was bis heute nicht geht, ist ein abgenütztes Knie mit einem Knorpeltransplantat zu behandeln.

Wird das in absehbarer Zukunft möglich sein?

Enenkel: Möglicherweise ist man irgendwann so weit, dass man mit einem gezüchteten Knorpel auch Arthrosen behandeln kann, aber momentan hat das keine Erfolgsaussichten. Man darf sich nicht vorstellen, dass man von einem Knie den kaputten Knorpel wie einen Spannteppich abzieht und danach einen neuen Spannteppich draufpflanzt, das funktioniert leider nicht.

Skisaison ist Kniesaison, wirkt sich das auch hier im außer alpinen Speising aus?

Enenkel: Wir halten in den Wintermonaten mehr „slots“ für Kreuzbandoperationen frei, um schnell reagieren zu können, aber wir operieren Kreuzbänder natürlich nicht nur im Winter, sondern jeden Tag, vom 1. Jänner bis 31. Dezember. Gemeinsam mit dem Evangelischen Krankenhaus führen wir österreichweit die meisten arthroskopischen Operationen durch.

Zwei Drittel der arthroskopischen Eingriffe, rund 1.000, führen wir in Speising tagesklinisch durch, die Patienten gehen nach zwei, drei Stunden wieder nach Hause. Auch das hat sich geändert. Früher wurde man die Patienten für mindestens zwei Tage aufgenommen.

Back2Sports 2020

Sportorthopädie-Symposium. Das instabile Knie- und Sprunggelenk beim Sportler. Wann? Freitag, 17. Jänner 2020 (8-13 Uhr). Wo? Orthopädisches Spital Speising, 1130 Wien, Prof.-Spitzy-Auditorium.

www.oss.at/b2s


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