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13.05.2019 | Allgemeinmedizin | Pharma News | Onlineartikel | AUVA

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Bei Krebs-Diagnose: Beruf beachten!

Übersicht hilft bei Zuordnung von Krebs-Berufskrankheiten

Die Diagnose lautet Krebs. Doch Hand auf’s Herz: Wissen Sie auch, ob die Krebserkrankung Ihres Patienten beruflich bedingt sein könnte? Berufliche Belastungen, wie etwa krebserzeugende Arbeitsstoffe, sind ein wichtiger Teil der Anamnese. Denn besteht der Verdacht, dass eine Erkrankung beruflich bedingt ist, müssen Ärztinnen und Ärzte das der gesetzlichen Unfallversicherung melden. Schließlich haben nur Versicherte, deren Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird, die Chance auf weitreichendere Rehabilitationsmaßnahmen und finanzielle Leistungen  aus der Unfallversicherung. Die neue „Übersicht: Krebs als Berufskrankheit“ der AUVA ​​​​​​​ unterstützt bei der Feststellung, ob eine Krebserkrankung im Zusammenhang mit dem Beruf stehen könnte und ob eine Meldung angezeigt ist.

Insbesondere bei Krebserkrankungen wird der Zusammenhang mit aktuellen oder früheren Berufen oft nicht hergestellt. Ein Mitgrund dafür ist, dass die Krebserkrankung nur bei wenigen Stoffen wie Benzol sehr schnell auftritt, bei den meisten krebserzeugenden Arbeitsstoffen sind die Latenzzeiten dagegen sehr lang. Bei Asbest liegen diese bei 40 Jahren oder mehr. Manche Betroffene sind daher bei der Diagnosestellung vielleicht sogar schon in Pension. Umso wichtiger ist eine ausführliche Anamnese, die das gesamte Berufsleben und damit auch früher ausgeübte Tätigkeiten sowie die dabei verwendeten oder entstehenden Arbeitsstoffe umfasst. Die Meldung als Berufskrankheit bei begründetem Verdacht ist ein wichtiger Schritt, denn nur so besteht für Betroffene die Chance, dass ihre Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird und ihnen damit Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung zuerkannt werden.

Übersicht unterstützt bei Zuordnung

Welche Erkrankungen als Berufskrankheiten anerkannt werden können, regelt der Gesetzgeber. Sie sind in der österreichischen Liste der Berufskrankheiten nachzulesen. Aktuell umfasst die Liste 53 Krankheiten. Auch nicht in der Liste stehende Krebserkrankungen können unter bestimmten Voraussetzungen über die Generalklausel als Berufskrankheit anerkannt werden. Diese Übersicht bietet Informationen zu Krebserkrankungen, die einen Bezug zu Berufskrankheiten (lt. Anlage 1 des ASVG) haben können. Es werden darin – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – krebserzeugende Stoffe und deren Einstufungen, mögliche Tumorlokalisationen sowie mögliche Expositionen bzw. Verwendungen aufgeführt und den betreffenden Berufskrankheiten zugeordnet. Ärztinnen und Ärzte sollen dadurch bei der Feststellung eines „begründeten Verdachts“ als Voraussetzung für eine Berufskrankheiten-Meldung unterstützt werden. Es ist daraus allein allerdings kein Anspruch auf Anerkennung als Berufskrankheit ableitbar.

Häufigste anerkannte Krebs-Berufskrankheiten

Die häufigste als Berufskrankheit anerkannte Krebsart ist das Pleuramesotheliom (BK 27b), gefolgt vom Asbestlungenkrebs (BK 27c). Bei Beschäftigten holzbearbeitender und holzverarbeitender Betriebe sind Adenokarzinome der Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen durch Staub von Hartholz (BK 45) als Berufskrankheit anerkannt. Bösartige Neubildungen der Lunge durch die Einwirkung von kristallinem Siliziumdioxid bei Silikose gelten seit 1. Jänner 2013 als Berufskrankheit (BK 26c). Weitere Berufskrebserkrankungen sind z.B. Tumore der ableitenden Harnwege durch aromatische Amine, Lungenkrebs durch Chrom und hämatologische Malignome durch Benzol. Berufskrankheiten sind jedoch nur ein kleiner Teil der arbeitsassoziierten Erkrankungen. Grund dafür ist, dass die Berufskrankheiten-Liste nicht alle mit dem Beruf in Zusammenhang stehenden Erkrankungen umfasst. Für die Aufnahme in die Liste muss das relative Risiko einer Erkrankung doppelt so hoch sein wie in der Allgemeinbevölkerung. Die Meldung einer Berufskrankheit ist Voraussetzung, aber keine Garantie dafür, dass eine Krebserkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird. Die Bedingungen für die Anerkennung als Berufskrankheit hat der Gesetzgeber in § 177 ASVG geregelt. In Anlage 1 sind die Erkrankungen aufgelistet, die zum Teil nur in bestimmten, zum Teil in allen Branchen als Berufskrankheiten gelten. Auch Erkrankungen, die nicht in der Berufskrankheitenliste angeführt sind, können über die sogenannte „Generalklausel“ (§ 177 Abs 2 ASVG) anerkannt werden.

Leistungen für Betroffene

Die Diagnose „Krebs“ trifft die meisten Menschen unvorbereitet; zur Angst um die Gesundheit kommen oft auch Sorgen um die finanzielle Absicherung. Wird die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt, stehen der Patientin bzw. dem Patienten Sachleistungen und ab einer gewissen Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) auch Geldleistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung zu. Ein positiver Anerkennungsbescheid bei beruflich bedingten Lungenkrebserkrankungen bedeutet beispielsweise eine Einschätzung der MdE von 100 Prozent zumindest für einen Zeitraum von fünf Jahren ab Diagnosestellung. Die zustehenden Rentenleistungen können recht hohe Beträge sein, die den Betroffenen in dieser schwierigen Situation zumindest in finanzieller Hinsicht das Leben erleichtern. Darüber hinaus werden sie – sofern durch die jeweilige Berufskrankheit angezeigt – mit Hilfsmitteln versorgt und erhalten Zugang zu weitreichenderen Maßnahmen der medizinischen, sozialen und beruflichen Rehabilitation.

AUVA-Kampagne „Gib Acht, Krebsgefahr!“

Arbeitsbedingte Krebserkrankungen sind das Thema des aktuellen Präventionsschwerpunkts „Gib Acht, Krebsgefahr!“ der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Dieser knüpft an die Kampagne zu gefährlichen Arbeitsstoffen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz an. Neben dem vordringlichen Ziel, zukünftige Erkrankungen zu verhindern, ist es der AUVA ein Anliegen, den von Berufskrankheiten bereits Betroffenen die bestmögliche Hilfestellung zu bieten. Ärztinnen und Ärzte spielen dabei durch die Meldung an die AUVA bei Verdacht auf Berufskrankheit eine zentrale Rolle.


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