zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 26. Jänner 2015

Sexualität im Schatten

Ärzte gehen zu wenig auf Sexualfunktion ein.

Bis zu 80 Prozent aller chronisch kranken Menschen leiden gleichzeitig an Sexualfunktionsstörungen.

54,4 Prozent aller Diabetiker, 63 Prozent aller Adipösen, 41 Prozent der Hypertonie-Patienten, 51 Prozent aller Patienten mit Fettstoffwechselstörungen und 71 Prozent der Krebspatienten leiden an einer Sexualfunktionsstörung. Das betonte Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. „Viele Medikamente, mit denen diese und andere Erkrankungen behandelt werden, haben Nebenwirkungen, die sich auf die Libido negativ auswirken“, so die Expertin. „Gerade in der Medizin führt die Sexualität ein Schattendasein, obwohl eine gestörte Sexualfunktion sowohl Ursache als auch Folge einer Vielzahl somatischer und psychischer Erkrankungen sein kann und in fast jeder medizinischen Spezialdisziplin eine große Rolle spielt.“

Eine vorliegende Sexualfunktionsstörung kann selbst aber auch Anzeichen für ein seelisches oder körperliches Leiden sein. In rund 80 Prozent dieser Fälle könnte den Betroffenen auf rein medizinischer Ebene geholfen werden: durch optimale Blutdruck-, Blutzucker- und Fettstoffwechseleinstellung, Therapie einer vorhandenen Schilddrüsenfunktions- oder anderen hormonellen Störung, „sexualfunktionserhaltende Physiotherapie“, adäquate Schmerztherapie, richtige Begleitmaßnahmen bei Bestrahlung und Chemotherapie oder die Umstellung auf ein „sexualneutrales Antidepressivum“. Ein funktionierendes, erfülltes Sexualleben hat vice versa positive Gesundheitseffekte: Sexuell aktive Menschen sind gesünder, leben länger und bleiben auch länger arbeitsfähig.

MedUni Wien, Ärzte Woche 5/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben