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Nach der Blutspende berichteten Hypertonie-Patienten von einer wohltuenden Wirkung.
 
Kardiologie 1. Februar 2016

Blutspenden senkt den Blutdruck

Studie zeigt neue Perspektive in der Therapie von Hypertonie.

Kann Blutspenden dabei helfen, eine der weitverbreitesten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit – den Bluthochdruck – zu bekämpfen? Dieser Frage sind Forscher der Berliner Charité nachgegangen, die von der Carstens-Stiftung in Essen gefördert wurde. Tatsächlich zeigte die Studie: Regelmäßiges Blutspenden senkt den Blutdruck.

Etwa ein Drittel der Erwachsenen weltweit leidet an Bluthochdruck. Würde es gelingen, den systolischen Blutdruck dauerhaft, um 10 mmHg zu senken, und den diastolischen um 5 mmHg, könnte das Todesrisiko durch Schlaganfälle um 40 Prozent verringert werden und das Todesrisiko durch ischämische Herzerkrankungen um 30 Prozent. Ein fast kostenloses und praktisch nebenwirkungsfreies Mittel hierzu könnte nun gefunden sein: die Blutspende.

Eine Forschergruppe um Professor Abdulgabar Salama, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin der Berliner Charité, und Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde der Charité sowie Vorstandsvorsitzender der Carstens-Stiftung in Essen, beobachtete insgesamt 292 Erst-Blutspender über einen Zeitraum von jeweils einem Jahr. 146 von ihnen litten bei Studienbeginn an erhöhtem Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg, die anderen 146 Probanden wiesen Werte im Normalbereich auf. Bis zu viermal im Jahr spendeten die Teilnehmer je 480 ml Blut, wobei ihre Blutdruck- und Blutwerte vor und nach jeder Spende gemessen wurden.

Therapeutischer Effekt

Schon nach der ersten Blutspende berichteten die Hypertonie-Patienten von einer wohltuenden Wirkung. Der Effekt baute sich mit der Zahl der Spenden weiter auf, d. h. je mehr Blutspenden die Probanden geleistet hatten, desto größer fiel die Blutdrucksenkung aus. Bei Probanden, die volle viermal pro Jahr zum Blutspenden gingen, konnten die Werte sehr ausgeprägt gesenkt werden: der systolische Wert von durchschnittlich 160 ± 13 auf 144 ± 15 und der diastolische von durchschnittlich 91 ± 9 auf 84 ± 9. Am meisten profitierten Patienten mit sehr stark erhöhtem Blutdruck von mehr als 160/100 mmHg zu Studienbeginn. Ihre Werte konnten im Schnitt sogar um 17 mmHg bzw. 12 mmHg gesenkt werden. Bei den Teilnehmern mit normalem Blutdruck zeigten sich keine relevanten Veränderungen. Um sicherzugehen, dass der positive Effekt tatsächlich auf die Blutspenden zurückzuführen ist, wurden die Probanden gebeten, ihre Verhaltensweisen beizubehalten und nicht zusätzlich Sport zu treiben oder die Ernährung umzustellen. Um diese Effekte dennoch auszuschließen, wurden Gewicht und Body-Mass-Index in der Auswertung berücksichtigt. „Die gemessene Blutdrucksenkung scheint tatsächlich auf die Blutspenden allein zurückzuführen“, so Michalsen. Unklar ist, wie das Blutspenden diesen Effekt hervorruft, denn die Vermutung der Forscher, der durch die Blutentnahme verringerte Ferritin-Spiegel könnte der entscheidende Faktor sein, hat sich nicht bestätigt. Michalsen: „Möglicherweise ist das Verhältnis von alten zu jungen roten Blutkörperchen entscheidend.“

Quelle; Carstens-Stiftung

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