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© Bergler-Klein
Univ.-Prof. Dr. Jutta Bergler-Klein, Medizinische Universität Wien
 
Kardiologie 20. Februar 2015

Die Krebserkrankung herzgesund überleben

Anthrazykline sind die Basis vieler onkologischer Therapien. Wissenschafter der MedUni Wien streben danach, die Kardiotoxizität dieser Medikamente zu reduzieren.

Effektiv im Kampf gegen Krebs, doch mit kardialen Nebenwirkungen behaftet – das ist der Grund, warum Patienten, die mit Anthrazyklinen oder anderen kardiotoxischen Chemotherapeutika behandelt werden, unbedingt einem kardialen Monitoring unterzogen werden sollten. Dies forderte Univ.-Prof. Dr. Jutta Bergler-Klein, Univ.-Klinik für Innere Medizin II, MedUni Wien, anlässlich der Präsentation neuer Studienergebnisse im Rahmen des EuroEcho-Imaging-Kongresses der European Society of Cardiology.

Ziel ist es, bereits klinisch stumme Veränderungen zu erkennen, um rechtzeitig entgegen zu steuern. Prof. Bergler-Klein: „Es ist schlimm mit anzusehen, wenn etwa eine Patientin mit Brustkrebs gut auf die Chemotherapie anspricht, aber zugleich eine akute Herzinsuffizienz entwickelt. Die Chemotherapie abzubrechen, ist onkologisch nicht zielführend. Also müssen wir das Herz effektiv behandeln, und das heißt, je früher umso besser.“

Auch kardiotoxische Späteffekte einer Chemotherapie sind möglich. Viele Patienten haben nach einer Chemotherapie asymptomatische Veränderungen am Herzen. Diese Veränderungen führen mitunter erst nach Jahren oder Jahrzehnten zu Beschwerden. Auch im Hinblick darauf ist die Kooperation zwischen Onkologen und Kardiologen unverzichtbar. Bergler-Klein verwies auf das präventive Potenzial von Medikamenten wie ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten und Betablockern.

Mindestens ebenso wichtig ist außerdem das Bemühen darum, die kardiotoxischen Effekte von Chemotherapeutika schon während deren Gabe abzuschwächen. Ein effektiver Weg ist die liposomale Enkapsulierung des Arzneimittels, wie ein Tierversuch der Wiener Arbeitsgruppe um Prof. Bergler-Klein und Prof. Mariann Gyöngyösi zeigt. Im Vergleich zur Gabe von herkömmlichem Doxorubicin ging dessen liposomale Formulierung (Myocet) mit deutlich weniger Funktionseinschränkung am Herzen einher. Die Tiere zeigten eine bessere diastolische und systolische Funktion beider Ventrikel. Zudem war das Ausmaß der myokardialen Fibrosierung geringer. Weitere Untersuchungen der Arbeitsgruppe sind im Laufen. So sollen anhand histologischer Proben Gentests durchgeführt werden, die genauere Erklärungen für den besseren kardialen Outcome nach Myocet-Therapie liefern. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die liposomale Aufbereitung des Anthrazyklins Einfluss auf die Expression von Genen hat, welche den Energiestoffwechsel und metabolische Parameter regulieren. Forschungsarbeiten in diesem Bereich sind wichtig, um nicht nur den onkologischen Erfolg, sondern auch den kardialen Outcome von Krebspatienten langfristig zu verbessern.

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