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Blutdruckanstieg in jungen Jahren verheißt nichts Gutes.
 
Innere Medizin 21. Februar 2014

Risikoabschätzung für Atherosklerose

Was Blutdruckveränderungen schon im jungen Alter verraten.

Wie hat sich ihr Blutdruck in den letzten zwanzig Jahren entwickelt? Das wäre eine Frage, die man als Arzt schon einem 40-Jährigen vielleicht stellen sollte. Denn die Antwort könnte Aufschluss über das kardiovaskuläre Risiko geben, wie Ergebnisse einer großen prospektiven Studie vermuten lassen.

Bluthochdruck bei einem 30-Jährigen? Das ist doch in diesem Alter kaum ein Thema, denken sich die meisten Menschen, und die Hypertonie wird in die Schublade „50 und aufwärts“ gesteckt. Dabei können offenbar Blutdruckveränderungen schon im jungen Alter das Risiko, im späteren Leben Atherosklerose zu entwickeln, wesentlich beeinflussen – auch dann, wenn zu diesem Zeitpunkt noch keine Hypertonie vorliegt. Dafür sprechen Ergebnisse einer prospektiven Studie, bei welcher der Blutdruck der Teilnehmer über 25 Jahre beobachtet worden ist (JAMA. 2014;311(5):490–97. doi:10.1001/ jama.2013.285122). Die Autoren um Dr. Norrina Allen, Northwestern University, Chicago, nahmen Blutdruckwerte junger Erwachsener im Alter zwischen 18 und 30 Jahren ins Visier und konnten dabei unterschiedliche Entwicklungen feststellen. Sie dokumentierten den systolischen, diastolischen und mittleren Blutdruck der 4.681 Teilnehmer der Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA-)Studie an 8 verschiedenen Zeitpunkten über 25 Jahre (1985/86 bis 2010/11).

Fünf zeitliche Profile für den Blutdruck

Die Wissenschaftler konnten in dieser Periode fünf unterschiedliche zeitliche Verläufe für den mittleren Blutdruck ausmachen. Auf einem niedrigen Level blieb der Druck bei 21,8 Prozent der Teilnehmer (zu Beginn 100,5/61,7 mmHg) und auf einem moderaten Level bei 42,3 Prozent (109/67,6 mmHg). Bei 12,2 Prozent der Teilnehmer lagen die Blutdruckwerte zunächst auf moderatem Niveau, stiegen dann aber ab dem 35. Lebensjahr stark an (mittlerer Anstieg um 30,2/20,9mmHg). 19 Prozent hatten bereits zu Beginn einen höheren Blutdruck, der auf diesem Level blieb (120,4/75,8 mmHg). Und zu guter Letzt wiesen 4,8 Prozent bereits zu Beginn einen hohen Druck auf, der noch weiter anstieg (mittlerer Anstieg um 21,2/11,5 mmHg).

Kalkscore als Maß für subklinische Atherosklerose

Als Maß für das Risiko einer subklinischen Arteriosklerose bzw. koronarer Ereignisse bestimmten die Untersucher den Kalzifizierungsgrad der Koronararterien anhand des CAC-Scores. Ein Score über 100 Hounsfield Units wurde als Marker für ein hohes Koronarrisiko eingestuft. Dann verglich man die Scores der unterschiedlichen Gruppen.

Selbst jene Personen, deren Blutdruck leicht erhöht war und das auch blieb (moderate-stable), hatten ein um 44 Prozent höheres Risiko für eine subklinische Atherosklerose als Teilnehmer mit niedrigem stabilem Blutdruck.

Prädiktor für erhöhtes Risiko

Stieg der Blutdruck im Verlauf an (moderate-increasing), war das Risiko dieser Probanden um 86 Prozent höher. Nahezu viermal höher war das Risiko jener Personen, deren eh schon höherer Blutdruck weiter anstieg (elevated-increasing).

Die meisten Teilnehmer mit initial höheren Blutdruckwerten wären zu diesem Zeitpunkt nicht als „Hypertoniker“ eingestuft worden, ihre Werte lagen im Bereich einer Prähypertonie, berichteten die Studienautoren. Bei solchen Werten würde man auch noch keine medikamentöse Therapie einleiten.

Ansatz für noch bessere Prävention?

Trotzdem sind sie mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Das könnte im Hinblick auf Prävention relevant sein. Vielleicht sollten Ärzte auch schon mit jüngeren Patienten, die nur einen leicht erhöhten Blutdruck haben, diskutieren, inwieweit Lebensstiländerungen etwa in der Ernährung oder Bewegung sinnvoll wären, um einen weiteren Anstieg des Blutdrucks zu vermeiden, geben die Autoren zu bedenken.

Allerdings ist es gängige Praxis, den Blutdruck eines Patienten erst ab einem gewissen Punkt, meist im mittleren oder höheren Alter, zu messen. Auch traditionelle Risikovorhersage-Modelle berücksichtigen hauptsächlich den Blutdruck ab dem Zeitpunkt der Risikovorhersage.

Der Frage, wie sich der Blutdruck in den zurückliegenden jüngeren Jahren entwickelt hat, also wie viele Jahre mit erhöhten Drücken sich bereits „angesammelt“ haben, wird bisher recht wenig Beachtung geschenkt. Hier mal genauer hinzuschauen, könnte somit sinnvoll sein, um jene Personen identifizieren zu können, bei denen sich eine subklinische Atherosklerose mit hoher Wahrscheinlichkeit entwickeln wird.

springermedizin.de, Ärzte Woche 9/2014

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