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Gendermedizin 1. März 2010

Gender-Aspekte bei medizinisch-wissenschaftlichen Publikationen am Beispiel der Wiener klinischen Wochenschrift

FRAGESTELLUNG UND ZIEL: Medizin ist ein akademischer Fachbereich, in dem nach wie vor ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen herrscht. Weltweit sind mehr als die Hälfte aller Medizinstudenten weiblich, jedoch erreicht nur ein kleiner Prozentsatz später eine Führungsposition. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu analysieren, wie diese Situation in einer allgemein-medizinisch-wissenschaftlichen Fachzeitschrift reflektiert wird.

METHODIK: Alle Manuskripte, die in dem Zeitraum zwischen Jänner 2001 und September 2009 bei der Wiener klinischen Wochenschrift zur Publikation eingereicht waren, wurden in die Untersuchung einbezogen. Folgende Gesichtspunkte wurden analysiert: Erstautorenschaft von Frauen in Bezug auf eingereichte sowie angenommene Manuskripte, eingeladene Manuskripte, Art der Publikation, medizinisches Fachgebiet der Manuskripte, Prozentsatz an eingeladenen Gutachtern und Qualität der Gutachten.

ERGEBNISSE: Im Beobachtungszeitraum wurden 2507 Manuskripte bei der Wiener klinischen Wochenschrift zur Publikation eingereicht, davon hatten 26% weibliche Erstautoren. Dieser Prozentsatz stieg kontinuierlich von 16% in 2001 bis auf 32% in 2007 an und blieb in der Folge konstant. Der Anteil an Arbeiten, die von Frauen zur Publikation eingereicht waren, war abhängig vom medizinischen Sonderfach – so betrug er 48% bei pädiatrischen Manuskripten, aber nur 12% bei kardiologischen Arbeiten. Der Anteil an zur Publikation angenommenen Arbeiten war bei männlichen und weiblichen Erstautoren gleich. Es gab jedoch einen größeren Anteil von sofort abgelehnten Manuskripten mit einer weiblichen Erstautorin als mit einem männlichen Erstautor (21% versus 16%). Manuskripte mit einer weiblichen Erstautorin nannten häufiger einen anderen korrespondierenden Autor als Manuskripte mit einem männlichen Erstautor. Mehr als 40% aller eingereichten Originalarbeiten, 24% der Übersichten, aber nur 10% der Editorials wiesen eine Frau als Autorin auf. Während der letzten 5 Jahre waren nur 11% der Gutachter Frauen, die Qualität der Gutachten war aber generell höher. Unter den 21 Mitgliedern des Editorial Boards ist nur eine einzige Frau.

ZUSAMMENFASSUNG: Zwischen 2001 und 2007 stieg der Anteil an Manuskripten, die von Frauen eingereicht wurden, konstant an und beträgt derzeit ca. 30%, in einzelnen Fachbereichen wie Kinderheilkunde bis zu 50%. Nichtsdestotrotz liegt nach wie vor eine massive Ungleichstellung zwischen männlichen und weiblichen Autoren vor: Übersichtsarbeiten sowie eingeladene Editorials sind selten von Frauen verfasst, ein sehr niedriger Anteil an Manuskripten wird von Frauen begutachtet, wobei von Frauen erstellte Gutachten meist besser sind. Nur ein Mitglied des Editorial Board ist eine Frau. Dies widerspiegelt die generelle Situation in der akademischen Medizin. Medizinisch-wissenschaftliche Zeitschriften müssen aktiv dazu beitragen, diese Ungleichheiten zu beseitigen.

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