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Umweltmedizin 5. Oktober 2015

„Chemie mocht hi“

Giftige Chemikalien bedrohen die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen.

Die Konsequenzen unseres Tuns treffen uns dort, wo es wehtut. Beispielsweise zeigt eine aktuelle Studie die nachteilige Auswirkung von Umweltverschmutzung, in Form von Schadstoffen, auf unsere Vermehrungsfähigkeit.

Giftige Chemikalien können laut einer Studie die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit massiv beeinträchtigen und zu Totgeburten oder Fehlbildungen führen. Die Belastung des Menschen mit Chemikalien sei in den vergangenen 40 Jahren „dramatisch“ angestiegen.

Dies teilte die Internationale Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe (Figo) in einer Stellungnahme mit, die am 1. Oktober im Fachjournal „International Journal of Gynecology and Obstetrics“ erschien. Schadstoffe wie Pestizide, Luftschadstoffe, Kunststoffe und Lösungsmittel bedrohten nicht nur die Gesundheit, sondern „speziell die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern, Frauen und Kindern“.

Chemikalien werden nach Angaben der Figo mit zahlreichen Gesundheitsstörungen in Verbindung gebracht: Die Mediziner zählen in ihrem Bericht unter anderem Fehlgeburten und Totgeburten, fötale Wachstumsverzögerungen, angeborene Fehlbildungen sowie eine Zunahme an Krebserkrankungen und Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS und Hyperaktivität bei Kindern auf.

Der Bericht warnt insbesondere vor hormonaktiven Substanzen, die in Alltagsprodukten wie Verpackungen und Kosmetikartikeln vorkommen. „Wir ertränken unsere Welt in ungetesteten und unsicheren Chemikalien, und der Preis, den wir in Bezug auf unsere reproduktive Gesundheit zahlen, ist Anlass zu ernster Sorge“, warnte der Hauptautor des Appells, Prof. Dr. Gian Carlo Di Renzo.

Die Chemikalienproduktion wird dem Bericht zufolge in den kommenden fünf Jahren am schnellsten in den Entwicklungsländern zunehmen. Schon jetzt seien arme Menschen giftigen Chemikalien unverhältnismäßig stark ausgesetzt. Die Gynäkologen-Vereinigung fordert Ärzte, Hebammen und andere Gesundheitsexperten dazu auf, sich auch persönlich dafür einzusetzen, „um die Belastung von Patienten und Gemeinschaften zu reduzieren“, wie Figo-Präsident Prof. Dr. Sir Sabaratnam Arulkumaran erklärt. Die Figo mit Sitz in London ist ein Zusammenschluss von Gynäkologen und Reproduktionsmedizinern aus 125 Ländern.

Sie sollen unter anderem für eine Politik eintreten, „die unsere Patienten und Gemeinschaften vor den Gefahren einer unfreiwilligen Exposition gegenüber giftigen Chemikalien schützt.“ Verfasst wurde der Appell von Gynäkologen, Geburtshilfemedizinern und Wissenschaftlern aus den USA, Großbritannien und Kanada sowie von der Weltgesundheitsorganisation WHO.

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