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Erschöpft im Büro? Vielleicht liegt es an der schlechten Luft.
 
Arbeitsmedizin 14. November 2014

Stickig, trocken und zu heiß

Die Endergebnisse von Österreichs umfangreichsten Büro-Luftmessungen liegen vor.

Vor einem Jahr haben schon die Zwischenergebnisse für Aufregung gesorgt. Nun sind die Endergebnisse der umfangreichsten Büro-Luftmessungen da: Über 7.000 Einzelmesswerte aus hunderten österreichischen Büroräumlichkeiten, vom Einzelunternehmer bis zum Konzern, zeigen ein alarmierendes Bild.

Und so sieht die Situation in Österreichs Büroräumen aus: In mehr als jedem fünften Büro liegt der durchschnittliche CO2-Wert, der als Leitindikator für die Raumluftqualität herangezogen wird, über 1.000 ppm. In jedem 13. Büro liegt dieser Wert sogar über 1.500 ppm. In der Heizperiode verschärft sich dieses Bild noch weiter: Hier liegt jedes dritte Büro über 1.000 ppm und mehr als jedes zehnte über 1.500 ppm. Das sind nur die Durchschnittswerte –Einzelmessungen zeigten in so manchen Büros gar Werte über 2.500 ppm an.

Konzentrationskiller und Krankmacher

Bereits bei einem CO2-Wert von über 1.000 liegt der Übergang von angenehmer zu unangenehmer Luftqualität und kann von den Büromitarbeitern als störend empfunden werden. Werte, die über 1.500 ppm hinausgehen, können bereits zu einer Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit oder Kopfschmerzen führen. Zusätzlich haben amerikanische Forscher (Rudnick/Milton) einen direkten Zusammenhang zwischen CO2-Konzentration und Infektionsrate festgestellt. Das bedeutet, das Ansteckungsrisiko steigt mit dem CO2-Gehalt in der Raumluft. In der Folge kommt es zu höheren Ausfällen durch Krankenstände, die den Unternehmen zusätzliche Kosten verursachen.

Trockenes Betriebsklima macht krank

Neben dem CO2-Gehalt spielt auch die Luftfeuchtigkeit in Büroräumen, vor allem in der Heizperiode und beim Einsatz von Klimaanlagen, eine wesentliche Rolle. „Die Büromessungen haben in diesem Zusammenhang ergeben, dass in über einem Drittel der Büros die Luftfeuchtigkeit sogar unter 30 Prozent liegt und damit zu trocken ist. Dies verschärft sich in der Heizperiode drastisch, dann ist bei nahezu jedem zweiten Büro die Luftfeuchtigkeit zu niedrig“ kommentiert Mag. Thomas Schlatte, Plattform-Sprecher von MeineRaumluft.at, die vorliegenden Daten. Im Idealfall liegt die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt beim Einsatz von Klimaanlagen einen Wert von 40 bis 70 Prozent vor).

Auch die Luftfeuchtigkeit nimmt Einfluss auf die Gesundheit: Denn eine geringere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten setzt eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 30 Prozent voraus. Ebenfalls zu bestätigen scheint sich, dass sich das Symptom trockener Augen und Schleimhäute bei höherer Feuchte bessert.

Heißer Bürodienst

In mehr als jedem zehnten Büro liegen die Temperaturen über 25 Grad. Dieser Wert steigert sich während der Sommermonate, wo in jedem sechsten Büro zu heißer Dienst verrichtet wird. In Arbeitsräumen mit geringer körperlicher Tätigkeit – wie in Büros üblich – liegt die ideale Temperatur zwischen 20 und 22 Grad. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt hier einen Bereich von 19 bis 25 Grad vor. Eine zu hohe Temperatur führt zu Müdigkeit und schnellerer Erschöpfung. Die Folge: Hitze im Büro senkt die Produktivität.

Appell an Versicherungsträger und Arbeitsmediziner

Mag. Brigitte John-Reiter, Projektleiterin des Kompetenz|Zentrums Gesundes Bauen und Geschäftsführerin der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention, betont die Bedeutung der Raumluft als Gesundheits- und Wirtschaftsfaktor. „Die Ergebnisse sind ein klarer Beweis, dass dem Raumklima in Büros und damit der Mitarbeitergesundheit zu wenig Beachtung geschenkt wird, weder in der Planungs- und Bauphase, noch im täglichen Büroalltag. Dies liegt sicher auch daran, dass es bis jetzt keine verlässlichen Daten gibt, wie viele Krankenstände und Krankheitsbilder tatsächlich im Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen in Arbeitsräumen stehen. Hier ist aus meiner Sicht dringlicher Forschungsbedarf gegeben, denn konkrete Zahlen daraus würden vielen Unternehmen die Augen öffnen“, richtet John-Reiter einen klaren Appell an die Versicherungsträger und Arbeitsmediziner.

Größte derartige Messaktion des Landes

Die unabhängige Plattform MeineRaumluft.at hatte letztes Jahr österreichische Unternehmen dazu aufgerufen, sich an einer einzigartigen Aktion für Raumluftmessungen zu beteiligen. Dabei konnten kostenfrei Messgeräte angefordert werden, die CO2, Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur und Luftwechselrate erfassen. Diese Werte stellen einen sehr guten Indikator für die Beurteilung der Qualität der Raumluft dar.

Jedes Messgerät wurde jeweils für eine Woche in einem Büroraum aufgestellt. Die Messwerte wurden vom Unternehmen erfasst, protokolliert und zur Auswertung an die Plattform MeineRaumluft.at retourniert. Die Daten wurden in anonymisierter Form vom Marktforschungsunternehmen Hofmann & Forcher statistisch ausgewertet. Nach den ersten Ergebnissen vom letzten Jahr, liegen nun nach Abschluss der Aktion sämtliche Daten vor.

MeineRaumluft.at, Ärzte Woche 47/2014

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