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© JAMES GATHANY / CENTERS FOR DISEASE CONTROL
/ dpa
 
Infektiologie 11. Juli 2016

Der Feind steht vor Wien

Forscher warnen vor weiterer Ausbreitung der Asiatischen Buschmücke: „Das könnte zu einer neuen Plage werden“.

Forscher warnen vor der weiteren Ausbreitung der Asiatischen Buschmücke. In Österreich wurde diese Gelsenart erstmals 2011 in der Grenzregion Südsteiermark und Slowenien nachgewiesen. Inzwischen hat sie sich in Süd-, Südost- und Westösterreich etabliert und dringt nun in neue Gebiete vor – von Österreich etwa nach Italien und Ungarn, so Experten der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Vor einigen Jahren war die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in Europa noch nicht zu finden. Heute könne man dagegen nicht mehr von einem exotischen Gast sprechen, heißt es am Dienstag in einer Aussendung der Vetmeduni.

Erst kürzlich sei die Buschmücke von Kärnten nach Norditalien gewandert. Davor breitete sie sich über die Oststeiermark in das Südburgenland nach Ungarn aus, wo sie inzwischen den Plattensee erreicht habe, berichtet ein Team um Norbert Nowotny vom Institut für Virologie der Vetmeduni, den Gelsenexperten Bernhard Seidel, Leiter eines Technischen Büros für Ökologie, und Franz Allerberger von der Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) in zwei Arbeiten im Fachjournal Parasites & Vectors. Im Mai 2016 habe sie sich erstmals nahe Wiener Neustadt gezeigt und könnte in Kürze auch Wien erreichen.

Dabei bringt die Buschmücke einige für Menschen unangenehme Eigenschaften mit sich: Sie ist wie Überschwemmungs-Gelsen tagaktiv und kann sich massenhaft vermehren. Zudem tritt der „Eindringling“ nicht nur im Sommer auf. Die Wissenschafter registrierten von Anfang März bis Ende November Aktivität.

Wenigstens sei „das unangenehme Insekt nur bedingt als Überträgerin von Krankheiten eingestuft. Ausschließen kann man eine Übertragung von West Nil-, oder Dengue-Viren jedoch nicht“, erklärte Nowotny.

Nach Europa wurde die Art vermutlich in importierten Autoreifen eingeschleppt. „Wasserlacken in den Reifen bieten ausgezeichnete Brutbedingungen für diese Stechmückenart“, so Nowotny. Seine Robustheit hilft dem ursprünglich aus Fernost stammenden Insekt beim Vormarsch. Die Buschmücke ist an kühlere Gebiete angepasst und nicht von Klimaveränderungen in den neuen Siedlungsgebieten abhängig.

Die Verbreitung der Asiatischen Buschmücke wird teilweise durch ein nationales Programm für Gelsenüberwachung erfasst, an dem die Studienautoren beteiligt sind. Sie fordern eine „gut überlegte, nachhaltige Kontrolle der bisher ungehinderten Ausbreitung dieser Art“. Andernfalls werde sich die Art weiter in Österreich ausbreiten und „zu einer neuartigen Plage werden“.

Zika – der neue Plan

Wissenschaftler aus 60 Ländern beraten in Mexiko über den Einsatz sterilisierter Moskitos im Kampf gegen das Zika-Virus. Dabei sollen Männchen bestrahlt und unfruchtbar gemacht werden. Nach der Paarung legen die Weibchen keine Eier mehr. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte im März 2,3 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt.

Die Technik sei bereits erfolgreich bei Schädlingen in der Landwirtschaft eingesetzt worden, sagte der Leiter des mexikanischen Instituts für öffentliche Gesundheit, Mauricio Hernandez Avila am Rande der Tagung in Tapachula. Nun soll die Methode bei der Moskitoart Aedes aegypti eingesetzt werden, die neben Zika auch Dengue und Chikungunya überträgt.

Die Wissenschafter tauschen bei der einwöchigen Konferenz ihre Erfahrungen aus und erarbeiten Empfehlungen für die Gesundheitsorganisationen ihrer Länder. Brasilien ist am stärksten von Zika betroffen. Das Virus kann schwere Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Embryonen auslösen. Die Babys kommen mit zu kleinen Köpfen und oft schwersten Behinderungen zur Welt. In Brasilien sind erste Tests mit den sterilisierten Mücken bis zum Herbst geplant.

bit.ly/29lntGK

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