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Urologie 28. September 2015

ED: Nicht immer liegt es am Alter

Erkrankungen und bestimmte Medikamente können sich negativ auf die Sexualität auswirken.

Die erektile Dysfunktion (ED) nimmt nicht nur mit dem Alter zu, sondern auch bei bestimmten Erkrankungen oder unter der Einnahme von einigen Medikamenten. Eine ED kann auch erstes Anzeichen für kardiale Probleme sein. Entsprechend sorgfältig sollten derartige Beschwerden daher abgeklärt und auf die Bedürfnisse des Betroffenen therapeutisch eingegangen werden.

„Die ED-Prävalenz nimmt mit dem Alter exponentiell zu“, so Prof. Dr. Hartmut Porst aus Hamburg. Zwei Drittel der Männer mit Symptomatiken der unteren Harnwege (LUTS) oder benigner Prostatahyperplasie (BPH) haben gleichzeitig eine ED, so der Urologe (European Urology 2005;47:511-517). Einige Erkrankungen erhöhen das ED-Risiko. So sei bei Männern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen das ED-Risiko mehr als verdoppelt, bei Diabetikern 3,6-fach erhöht.

Porst warnt, dass eine ED das erste Signal für eine endotheliale Dysfunktion sein kann. Das gelte auch für jüngere Patienten unter 40 Jahren. Sei dann noch die Familienanamnese positiv, müsse sich der Arzt um diese Hochrisiko-Patienten kümmern. Blutdruckmessung und LDL-Bestimmung seien die ersten Schritte.

Medikamente können sich ebenfalls negativ auf die erektile Funktion auswirken. Dazu zählen laut Porst Thiazid-Diuretika und Beta-Blocker, Ausnahme sei Nebivolol. ACE-Hemmer und Kalzium-Antagonisten zeigen keinen Effekt, während Sartane sogar positiv auf die Erektion wirken.

Die Auswahl individuell gestalten

Therapeutisch stehen bei ED die PDE-5-Hemmer an vorderster Front. Alle verfügbaren Substanzen seien geeignet. Porst rät, durchaus verschiedene PDE5-Hemmer anzubieten, um dann zu sehen, was am besten ist. Da in Deutschland etwa die Hälfte der Männer Sex nicht planen wolle, sei ein PDE5-Hemmer mit schnellem Wirkeintritt vorteilhaft. Von den verfügbaren Substanzen habe Avanafil den schnellsten Wirkeintritt und erlaube ein weitgehend planungsfreies und spontanes Sexualleben. Mit einer Nebenwirkungsrate von unter fünf Prozent zeige Avanafil die mit Abstand beste Verträglichkeit, so Porst. Das mache die Substanz auch zu einer Option bei Patienten, die mit anderen PDE5-Hemmern schlechte Erfahrungen gemacht hätten.

Ein relativ neues Verfahren der ED-Therapie ist die niedrig-energetische Stoßwellentherapie (J Sex Med. 2013;10(3):738-46). Das Verfahren werde sechs- bis achtmal für 30 Minuten angewendet. Die Therapie führe zu einer Neo-Vaskularisierung und einer Verbesserung des Endothels, so Porst. Es sei für Patienten ohne Reaktion auf einen PDE5-Hemmer geeignet oder lasse sich mit der Pharmakotherapie kombinieren.

Quelle: D-A-CH-Forum 2015 „Aktuelle Aspekte aus Urologie und Sexualmedizin“, Berlin 19.-21. Juni 2015. Berlin, Veranstalter: Berlin-Chemie

Michael Hubert, Ärzte Woche 40/2015

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