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Konzeptuelle und handwerkliche ....

...konzentrieren über den Graphitstrich die Dynamik der Handlung.

© Alexander Karner

Die Linien der Stilisierung werden auf Metallplatten übertragen . (5)

Die vom Standbild angefertigten Handzeichnungen...

... Abhängigkeit der Arbeitsschritte.

 
Ästhetische Medizin 31. August 2015

Aus Liebe zum Objekt

„Tabubruch und/oder Retabuisierung“ zeigt Kunst als Schnittstelle zwischen Intimität, Ästhetik und Pornografie.

Darstellungen von Geschlechtshandlungen und Diskussionen über ihre künstlerischen, politischen oder erotischen Aussagen gibt es seit mehr als 2.000 Jahren. Und das Thema ist noch immer nicht erschöpfend behandelt. Begründung: Explizite Darstellungen intimer Handlungen sind in den Medien heute für jeden zugänglich. Die Kunst nimmt in diesem Kontext eine Zwischenstellung ein. Die Schau „Tabubruch und / oder Retabuisierung“ zeigt Werke des Malers, Konzeptkünstlers und Josefine Mutzenbacher-Kenner Alexander Karner.

Beginnend bei indischen Tempeldarstellungen über antike Fruchtbarkeitsmythen, japanische Holzschnitte und persische Illustrationen bis zu den Aktionisten – immer wieder war der Sexualakt im Spannungsfeld zwischen Intimität und öffentlichem Interesse. Noch 1950 wurde im österreichischen Strafgesetzbuch verankert, dass aus Sicht des Jugendschutzes und im Interesse eines geordneten Zusammenlebens „nötige Schranken von Sitte und Wohlanständigkeit“ zu errichten wären. In den aktuellen Formulierungen werden nur mehr die Herstellung und Verbreitung von Darstellungen von Unzucht mit Kindern und Tieren unter Strafandrohung gestellt.

Der Maler und oft konzeptuell arbeitende Wiener Künstler Alexander Karner bewegt sich in diesem Spannungsfeld, gleichzeitig mit der barocken österreichischen Sinnenlust, wie sie in der Geschichte der Josefine Mutzenbacher zum Ausdruck kommt, der konservativ-katholischen Verbotskultur und Alfred Hrdlickas Ma(r)ximen nach dem Motto: „Alle Macht geht vom Fleisch aus“.

Karner stellt sich der Herausforderung gesellschaftlicher Entwicklungen, die durch das Internet generiert werden. Er thematisiert die Darstellung intimster Situationen in einer anonymen Öffentlichkeit und deren psychologische und sozialtheoretische Voraussetzungen.

Seine künstlerische Handschrift zeigt sich in den konzeptuell und handwerklich voneinander abhängenden Arbeitsschritten: Mit der Auswahl der Standbilder und den davon angefertigten Handzeichnungen, die eine Konzentration über den Graphitstrich auf die dynamische Reduktion der Handlung mit sich bringen. Diese Abstraktionsschritte frustrieren einerseits die ursprünglich exhibitionistischen Absichten der Darstellungsart, überhöhen sie aber in eine Allgemeingültigkeit.

In den ausgestellten Werkgruppen unter dem Titel „Tabubruch und/oder Retabuisierung“ werden die Linien der Stilisierung in verschiedenen Materialien auf Metallplatten übertragen, und durch oft überraschende, immer aber dem fordernden Bildaufbau verpflichtete Elemente weiter verfremdet und damit im Sinne einer Retabuisierung wieder allgemeiner gesellschaftsfähig gemacht. Damit erhält der Betrachter die Möglichkeit, sich auf Beurteilungskriterien wie „schön“ oder „nicht schön“ zurückzuziehen.

Den Abschluss der Entwicklung bilden die Frottagen: Abriebe von den Materialbildern auf Papier oder Leintuch in einem ausgeprägt sinnlichen Akt, der noch – wie das Leichentuch Christi – die zu Grunde liegenden Strukturen erkennen lässt. Der nächste Schritt wäre bereits der Wechsel in ein haptisch nicht fassbares Medium wie die Sprache: Man darf bzw. soll darüber reden.

Bei der Vernissage im Kunstraum Dr. Harald David, die vom Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Hartwig Knack eröffnet wird, gibt es Gelegenheit dazu.

Vernissage im Kunstraum Dr. David 1230, Maurer Lange Gasse 47 am 16. September 2015 von 18 bis 21 Uhr. Die Ausstellung ist bis 14. November 2015 nach telefonischer Vereinbarung 01/87 97 405 frei zugänglich.

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