zur Navigation zum Inhalt
© fotofrank / fotolia.com
 
Urologie 20. Juli 2015

Prostatektomie schmälert Erektionsfähigkeit

Zusammenhang stärker als angenommen. Das zeigt eine dänische Studie.

Kaum noch normale Erektionen nach einer Prostata-Operation zu haben, ist keine schöne Aussicht für Männer. Ein US-Forscherteam entlarvt die bisherigen Erkenntnisse als zu positiv. Mehr noch: Der postoperative Liebesakt wird durch die Studie der Urologen zum herausragenden, weil besonderes seltenen Ereignis.

Einschlägige Subgruppenanalysen einer befragungsgestützten Querschnittsstudie hat der Urologe Mikkel Fode vom Krankenhaus Herlev, Kopenhagen, auf der Tagung der European Association of Urology in Madrid vorgestellt. 210 Patienten im Alter von durchschnittlich 65 Jahren wurden dafür vor ihrer Prostatektomie und knapp zwei Jahre später mithilfe des International Index of Erectile Function(IIEF)-5 befragt.

Im postoperativen Interview fügten die Forscher um Fode aber eine Frage ein, die sonst nicht zum Inventar des IIEF-5 gehört: „Ist Ihre Erektionsfunktion so gut wie vor der Operation, ja oder nein?“

Nur 6,7 Prozent der Männer beantworteten diese Frage mit „Ja“. Bilateral nervenschonende Operationsweise und kardiovaskuläre Gesundheit waren die einzigen signifikanten Prädiktoren dafür, dass nach dem Eingriff der Ausgangsgrad der Erektionsfunktion nach subjektiver Einschätzung wieder erreicht wurde.

Im Standard-IIEF-5 hingegen zeigten 23,3 Prozent der Befragten keinen postoperativen Abfall des Punktwertes.

Von der Eiche zur Trauerweide

Präoperativ lag der IIEF-5-Wert im Mittel bei 21,7 (von bestmöglichen 25), zwei Jahre nach der Prostatektomie betrug er noch 9,9 Punkte. Von den 189 Patienten, die vor der Operation keine Erektionshilfen benötigt hatten, war nach dem Eingriff fast jeder Dritte darauf angewiesen.

„Unsere Arbeit zeigt, dass Erektionen, die nach der Operation so gut sind wie zuvor, ein seltenes Ereignis sind“, fasste Fode die Resultate zusammen. Mehr als 93 Prozent der Männer im Kollektiv hätten nach der Prostatakrebschirurgie einige sexuelle Probleme gehabt. „Da haben wir wohl früher die falsche Frage gestellt“, meinte Fode, verwies aber darauf, dass die Ergebnisse erst noch in größeren Studien bestätigt werden müssten.

Francesco Montorsi, Chef der Urologie an der Università Vita-Salute San Raffaele in Mailand, gab in einem Kommentar das sinkende Durchschnittsalter von Patienten zu bedenken, die sich einer Prostatektomie unterzögen. „Es wird es wichtiger, den Männern ihre Erektionsfähigkeit postoperativ zu erhalten“, so Montorsi. Man müsse von den Problemen der Patienten lernen, auf nervenschonende Techniken achten und die Patienten postoperativ gut versorgen.

Belastbare Daten zur erektilen Dysfunktion nach einer Prostatabiopsie liefert ein Team um Katie Murray vom University of Kansas Medical Center aus einer prospektiven Studie mit 220 Patienten (British Journal of Urology 2014, online 28. November; DOI: 10.1111/bju.13002). Vor der Biopsie verfügten 38,6 Patienten der Patienten über eine normale Erektion. 22,3 Prozent zeigten eine leichte, 15,5 Prozent eine leichte bis mäßige, 10 Prozent mäßige und 13,6 Prozent eine schwere erektile Dysfunktion (ED). Als Ursache vermuten Murray und Kollegen ein multifaktorielles Geschehen: psychogene Gründe, Furcht vor dem Biopsieergebnis, Angst in Verbindung mit der Biopsie sowie anatomische Ursachen wie Nervenschäden und Hämatome.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben