zur Navigation zum Inhalt
Die Schöne und das Biest:„The Birds“-Hauptdarstellerin Tippi Hedren mit einem Raben als Filmpartner.

Tippi Hedren in ihrer zweiten großen Rolle unter der Regie von Alfred Hitchcock als Marnie Edgar, hier mit Filmpartner Sean Connery.

© (4) Viennale/Filmmuseum

Auf der Flucht vor großen Vögeln: Tippi Hedren in einer dramatischen Szene in Alfred Hitchcocks „The Birds“.

Trotz strahlendem Lächeln alles andere als einfach: Alfred Hitchcocks Verhältnis zu Tippi Hedren, dem Star in „The Birds“ sowie „Marnie“.

 
Leben 21. September 2015

Diva mit Courage

Ihren ersten großen Leinwanderfolg feierte Tippi Hedren als Hauptdarstellerin in Alfred Hitchcocks verstörendem Meisterwerk „Die Vögel“. Anlässlich einer ihr gewidmeten Retrospektive kommt Tippi Hedren im Rahmen der heurigen Viennale nach Wien.

„Choreographie des Begehrens – Ein Tribute an die Schauspielerin Tippi Hedren“ zeigt in wenigen Wochen neben Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ und „Marnie“, wo sie die Hauptrolle spielte, auch den selten gespielten Film „Roar“. Letzterer gilt bis heute als eine der – für Schauspieler und Filmcrew – gefährlichsten je gedrehten Produktionen.

Anfangs war alles ein wenig unklar und bot somit schon einiges, was einen guten Thriller auszeichnet: Tippi Hedren, die es Ende der 1950er Jahre durch einige Werbesendungen beim amerikanischen Fernsehpublikum zu Popularität gebracht hatte, bekam an einem Freitag, dem 13. einen ominösen Anruf, ein Produzent wollte sie für seinen neuen Film engagieren. Tage später lüftete sich das Geheimnis: Es handelte sich um niemand anderen als Alfred Hitchcock. Hedren erinnerte sich in einem anlässlich der „American Film Institute‘s = AFI´s Night At The Movies“ gegebenen Interviews, sie sei überzeugt gewesen, für eine Rolle in der Fernseh-Serie „Alfred Hitchcock Presents“ vorgesehen zu sein. Der Meister des Suspense ließ als Test einige Szenen aus seinen früheren Filmen „Rebecca“, „Notorious“ und „To catch a Thief“ mit ihr und Martin Balsam drehen.

Der Meister des Suspense und sein Star

Es sollte sich rasch herausstellen, dass die Spielfilm-Novizin für die Hauptrolle in „The Birds“ vorgesehen war. Sie unterschrieb einen Sieben-Jahresvertrag, der jedoch letztlich ihre weitere Karriere unerwartet beeinträchtigte und den Aufschwung zum internationalen Film-Star erheblich hemmte.

Warum die Wahl Alfred Hitchcocks auf sie fiel, um die literarische Vorlage von Daphne du Maurier filmisch umzusetzen, hatte mehrere Gründe. Seine anfängliche Faszination hing wohl auch mit der Entschlossenheit und Bereitschaft Hedrens zusammen, dieses Wagnis einzugehen. Alfred Hitchcock hatte sie dabei über einige heikle Szenen bewusst im Unklaren gelassen. Denn schließlich war Tippi Hedren nicht die einzige, die eine tragende Rolle darin zu spielen hatte.

Eine ganze Schar abgerichteter Vögel war allein, sowie in kleinen und großen Gruppen darauf vorbereitet worden, in den unterschiedlichen Szenen möglichst beunruhigend und überzeugend zu wirken. Da die gewünschten Effekte nicht immer zu erzielen waren, wurden die Disney Studios mit der Realisierung der Special-Effects betraut. In filmtechnischer Hinsicht setzte „The Birds“ damit völlig neue Maßstäbe. Den Krähen und Seemöwen – letztere bezeichneten sowohl Hitchcock als auch Hedren als extrem gefährlich – wurden, da es sich um Raubvögel handelt, die Schnäbel mit elastischen Bändern fixiert. Das konnte jedoch in der berühmten Dachgeschoss-Szene nicht verhindern, dass eine der Möwen Tippi Hedren in Augennähe an der Schläfe verletzte.

Zunehmende Spannungen

Während der sechsmonatigen Dreharbeiten war dies einer der gravierendsten Zwischenfälle am Set. Für Hedren gestalteten sich die Dreharbeiten aber auch aus einem weiteren Grund äußerst fordernd. Zwar führte Alfred Hitchcock sie schauspielerisch von Anfang an als Drama Coach und gab ihr damit wertvolles Rüstzeug für ihre weitere Karriere mit. Tippi Hedren wies auf diesen Umstand in einigen Interviews immer wieder hin. Zugleich begannen die Spannungen zwischen dem Meisterregisseur und der, einem großen Kino-Publikum noch unbekannten, Schauspielerin zu wachsen.

Hitchcock begann seine „Neuentdeckung“ mehr und mehr zu vereinnahmen. Tippi Hedren musste sich immer wieder neue Ausflüchte einfallen lassen, um mit Hitchcock während oder nach den Dreharbeiten nicht allein in einem Raum zu sein. Je mehr sie seine Avancen ablehnte, desto zudringlicher wurden diese. Das Verhältnis zwischen ihr und Hitchcock nahm obsessive Züge an. Cary Grant versicherte ihr bei einem Besuch am Set, sie sei die tapferste Frau, die er jemals getroffen habe, was durchaus zweideutig aufgefasst werden kann.

Das Wagnis, das mit „The Birds“ eingegangen wurde, lohnte sich jedoch für Hitchcock wie für Hedren. Der „Meister des Suspense“ hatte einmal mehr bewiesen wie sogar schwierige literarische Stoffe filmisch grandios umgesetzt werden können. Tippi Hedren erhielt für ihre Hauptrolle 1964 den „Golden Globe Award for New Star of the Year – Actress“. Alfred Hitchcock lotete das Potential seiner gefeierten Hauptdarstellerin in „Marnie“, einer abgründigen Geschichte, die bei Kritik und Publikum zunächst nicht sehr gut ankam, mit Sean Connery als Partner weiter aus. Dass Tippi Hedren an ihre Grenzen gehen konnte, um einer Rolle die nötige Tiefe zu verleihen, stellte sie in diesem Thriller eindrucksvoll unter Beweis. Danach trennten sich die Wege der beiden.

Nach „Marnie“ war Tippi Hedren, wie sie in einem Interview betonte, eine „hot actress“. Denn Hitchcock entließ sie nicht aus dem Vertrag, sondern zahlte ihr weiter ihr Honorar. Anfragen anderer Produzenten quittierte Alfred Hitchcock mit einem knappen: „Sie ist nicht verfügbar“. So nahm ihre Karriere, obwohl sie in späteren Jahren dennoch mit einigen namhaften Regisseuren arbeiten konnte, eine andere Wendung.

Mit ihrem Mann Noel Marshall und ihrer Tochter Melanie Griffith ging sie später nochmals ein filmisches Wagnis ein: Bei „Roar“ 1981 waren es statt Vögeln eine Menagerie Großkatzen, von Löwen über Tiger bis hin zu Geparden. Bis heute gilt dieser Film, der für manche der daran Beteiligten mit schweren Blessuren bei den Dreharbeiten endete, als einer der gefährlichsten und riskantesten. Courage zeigte Tippi Hedren, Stargast der diesjährigen Viennale, aber auch darin.

Viennale 2015: 22. Oktober bis 5. November

www.viennale.at

Thomas Kahle, Ärzte Woche 39/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben