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© (4) RoHa-Fotothek Fürmann, Teisendorf-Ufering
Der „Krippen-Jackl“ von seiner heiteren Seite.

Detailansicht der Barock-Krippe: Der „Scholi“ mit seiner Drehleier, dahinter die Geschwister Schiefer sowie Franz Mohr und Franz Gruber.

Gesamtansicht der barocken Krippe in der Laufener Stiftskirche.

 
Leben 17. Dezember 2014

Barock und besinnlich

Einst galt sie als größte Barock-Krippe nördlich der Alpen: Die Krippe in der Stiftskirche in Laufen an der Salzach kann auf ein wechselvolles Schicksal zurückblicken.

Prunk und Pracht des Barock finden sich nicht nur in eindrucksvoll gestalteten Kirchen wieder. Die Krippe in der Laufener Stiftskirche ist darüber hinaus Ausdruck lebendiger Volkskultur.

Über Generationen hinweg war die barocke Großkrippe in der Laufener Stiftskirche mit ihrer reichen Ausstattung als eindrucksvolles Zeugnis der Volksfrömmigkeit weitum berühmt. Sie umfasste nach zeitgenössischen Quellen einst über 100 Figuren und zog in der Weihnachtszeit die ländliche wie auch die städtische Bevölkerung durch ihre prächtige und kunstvolle Ausstattung in ihren Bann.

Im benachbarten Salzburg gab es raumfüllende Krippen bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts, so etwa im Stift Nonnberg. Die Laufener Krippe lässt sich in etwa zeitgleich datieren. In einem Schreiben aus dem Jahr 1628 wird bereits ihre Erweiterung erwähnt. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wuchs die Krippe: Der Maler Christoph Miller aus Salzburg sorgte für eine neue Fassung der Figuren, Georg Lang, Tischler aus Laufen, stellte verschiedene Bauten her, auch der Laufener Bildhauer Wolf Weißenkirchner hat, laut Krippenführer, einiges zum weiteren Ausbau beigesteuert. Die Figuren hatten eine Größe von 80 bis 100 Zentimetern, je nachdem, wo sie in der Gesamtinszenierung, die heute vor dem rechten Seitenaltar positioniert ist, vorgesehen waren.

Der Weihnachtslegende entsprechend, wurde die Krippe szenisch immer wieder verändert. Sakrales und Weltliches treffen dabei auch heute noch aufeinander, manche der Figuren haben einen klaren regionalen Bezug. Die prachtvolle barocke Ausstattung rings um Josef und Maria mit dem Jesuskind beindruckt noch heute tief, wobei nur mehr eine geringe Anzahl der ursprünglichen Figuren erhalten ist. Man kann daher lediglich mutmaßen, wie diese Inszenierung der Figuren mit ihrer ausdrucksvollen Haltung in einer Zeit wirkte, in der das alltägliche Leben überwiegend von harter Arbeit geprägt war.

Ein Krippen-Schatz wird gehoben

Bis ins späte 18. Jahrhundert schätzte man barocke Pracht und Fülle. Im Zeitalter der Aufklärung erschien dies jedoch nicht mehr zeitgemäß. Auch die Laufener Krippe litt unter dem Reglement durch die kirchliche Obrigkeit: Pracht und Prunk sowie die Profanisierung mancher Darstellung waren nun unerwünscht. Obwohl die Krippe bis Ende des 19. Jahrhunderts aufgestellt wurde, verlor sie allmählich an Bedeutung.

Den beiden Laufnerinnen Josefa und Bertha Schiefer, die sich zeitlebens als Volksliedsammlerinnen und Heimatforscherinnen sehr verdient gemacht haben, ist zu verdanken, dass nach Jahrzehnten wieder Licht in das Dunkel um die barocke Krippe kam. Dies führte sie auf die Spur des „Krippen-Jackl“, der mit seinen zwei Gesichtern, dem weinenden beim Kindermord von Betlehem und dem lachenden beim Einzug der Könige, eine Besonderheit der Laufener Krippe darstellte.

Weil er als unpassend erschien, hatte man ihn aus der Krippe entfernt und seine ehemalige Bedeutung vergessen. Über Jahre fristete der „Jackl“ als Kinderpuppe sein Dasein, bis die beiden Schiefer-Schwestern ihn ausfindig machten. Die Originalfigur befindet sich heute im Bayerischen Nationalmuseum. Der „Zwilling“ des „Krippen-Jackl“ ist heute jedoch wieder wichtiger Bestandteil der Krippe. Die Schwestern waren sich sicher, dass der „Jackl“ das letzte Relikt der einst berühmten Krippe war. Die Figuren wären, so hieß es, Salzach abwärts mit dem Schiff von Laufen weggebracht worden. Das ließ wiederum Josef Heringer, Stammesleiter der St. Georgs-Pfadfinder keine Ruhe. Zusammen mit den Pfadfindern begann, mit Einverständnis von Pfarrer Josef Brandstetter und Mesner Hans Surrer, Anfang der 1980er Jahre die Suche in den zur Stiftskirche gehörenden Speichern und Abstellräumen.

Tatsächlich wurde man fündig: Im Brennholz-Vorrat fanden sich Fragmente von Figuren, darunter Körper und Gliedmaßen. Die Vermutung, es handle sich um Marionetten erwies sich schon bald als falsch. Tatsächlich waren es die Überreste der barocken Krippenfiguren, darunter 30 Köpfe, die sich meist aufgrund der Physiognomie bestimmen ließen.

Die Laufener Krippe in neuer Pracht

Als nächster Schritt waren umfangreiche Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen notwendig. Josef Heringer und seine Frau Irmgard, die sich dessen annahmen, fanden alsbald Mitstreiter, um dieses einmalige Kulturgut zu erhalten. Die Schäden an der Fassung der Figuren durch Holzwurmbefall mussten beseitigt werden. Größere Schwierigkeiten traten bei der Kostümierung auf: die Stoffe waren völlig zerfallen, die Kleidungsstücke mussten aus Paramenten und Goldbrokat, Leder und Filz nach barocken Vorbildern neu gestaltet werden. Ohne wissenschaftliche Unterstützung durch das Diözesanmuseum Freising, das Bayerische Nationalmuseum sowie das Salzburger Museum Carolino Augusteum wäre dies jedoch mit Sicherheit gescheitert. Viele der Krippenfiguren haben einen regionalen wie auch zeitlichen Bezug, wie etwa die „Schöffleut“, Bürger und Bauernpaare, aber auch die Spielleute, der Nachtwächter und die Hirten. Lokale Bezüge mit musikalischem Hintergrund gibt es in der Krippe mehrere: Da wäre etwa der „Scholi“ zu nennen, ein Wandermusiker, geboren 1765 in Salzburg, von dem die Geschwister Schiefer einiges an Volksliedballaden wie auch geistliches Liedgut zusammengetragen haben. Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber erinnern an das jenseits der Salzach in Oberndorf komponierte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Ebenfalls verewigt sind die Geschwister Schiefer, die nicht weit entfernt von Mohr und Gruber stehen. Brauchtum als Ausdruck lebendig-gepflegter Volkskultur und barocker Glanz - in der Laufener Krippe findet beides zur Weihnachtszeit seinen schönsten Ausdruck.

Thomas Kahler, Ärzte Woche 51/52/2014

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