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Schmerz 2. November 2015

Süppchenkocher

EFIC-Studie: Europas Länder handhaben den Zugang zu Opioid-Schmerzmitteln höchst unterschiedlich.

Aktuelle Studie der Europäischen Schmerzföderation EFIC zeigt, dass europäische Staaten die Zulassung und Finanzierung von Opioid-Arzneimitteln höchst uneinheitlich handhaben. Ob Patienten einen angemessenen Zugang zu den potenten Analgetika haben, hängt mehr vom geografischen Zufall als von medizinischen Kriterien ab.

Ob Schmerzpatienten in Europa einen angemessenen Zugang zu unterschiedlichen Opioid-Schmerzmitteln haben, hängt weniger von medizinischen Kriterien oder Behandlungsleitlinien ab, als vom Glück, im richtigen Land zu leben. Wie eine aktuelle Studie der Europäischen Schmerzföderation EFIC zeigt, bestehen zwischen den 30 europäischen Staaten, aus denen Daten vorliegen, eklatante Unterschiede hinsichtlich der Zulassung von und Kostenerstattung für die potenten Analgetika. Die Ergebnisse wurde beim 9. EFIC-Kongress „Pain in Europe IX“ in Wien vorgestellt.

„In Westeuropa ist die Zahl der unterschiedlichen Opioid-Präparate, auf die Schmerzpatienten zurückgreifen können, generell deutlich höher als in Osteuropa“, berichtete Prof. DDr. Hans Georg Kress, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Spezielle Schmerztherapie, AKH/ MedUni Wien, Past President der EFIC und Mitglied der EFIC-Task-Force, die diese Untersuchung durchgeführt hat.

„Deutschland ist diesbezüglich Spitzenreiter: Die Bundesrepublik ist mit 47 zugelassenen oralen Opioid-Schmerzmitteln, für die alle die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden, klarer europäischer Spitzenreiter, vor Italien mit 42 zugelassenen und erstatteten Medikamenten, Dänemark mit 37 Medikamenten auf dem Markt, von denen allerdings nur 22 erstattet werden, und Schweden mit 35 zugelassenen und bezahlten Medikamenten. Die Schlusslichter bilden der Kosovo (4 zugelassenen Medikamente, davon keines erstattet), Russland (4/4), Bosnien-Herzegowina (3/0) und die Ukraine, wo kein einziges orales Opioid verfügbar ist.“

In einzelnen europäischen Ländern werden die Kosten für Opioide automatisch dann von den Krankenkassen oder der öffentlichen Hand erstattet, wenn das Medikament zugelassen ist. In den meisten Ländern sind jedoch, wie in Österreich, die Verfahren zu Zulassung durch die staatliche Behörde und Kostenübernahme durch die Krankenkassen entkoppelt. In osteuropäischen Staaten werden für die meisten zugelassenen Produkte auch die Kosten rückerstattet.

In einigen westeuropäischen Ländern mit freier Preisgestaltung scheinen sich die zuständigen Behörden oder Krankenkassen tendenziell dagegen zu sträuben, innovative, aber kostspieligere Opioid-Produkte zu bezahlen. Das gilt in besonderem Maße für die Rapid Onset Opioids (ROOs), besonders rasch und kurz wirksame Fentanyl-Formulierungen, die nicht geschluckt werden müssen und für die Behandlung von Durchbruchschmerzen bei Krebspatienten besonders geeignet sind. Als Nasensprays oder Sublingualtabletten sind sie immerhin in 18 der 30 untersuchten Länder zugelassen, werden aber nur in 11 bzw. 12 Ländern erstattet; als „Lutscher“ oder Buccaltabletten sind sie in 13 Ländern auf dem Markt (Erstattung: 9 bzw. 8 Länder) und der neue Buccalfilm ist nur in 6 Ländern zugelassen und wird bisher nur in einem erstattet.

„Über die Erstattungspraxis des Gesundheitssystems schränkt sich im Alltag der Zugang zu solchen wichtigen Schmerzmitteln ein, obwohl sie offiziell zugelassen und in den Apotheken verfügbar wären“, betonte Kress.

Quelle: EFIC Abstract Christrup et al: Political Barriers for optimal Opioid Therapy in the European Countries; with focus on reimbursement policies and generic substitution.

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