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Wenn der Darm keine Ruhe gibt

Nach überstandener Diarrhoe haben Kinder oft noch monatelang Beschwerden.

Obstipation, Reizdarmsyndrom, Stuhlinkontinenz, Dyspepsie und Abdominalschmerz: Über diese Symptome klagten in einer italienischen Studie junge Patienten noch lange Zeit nach einer akuten Darminfektion.

Magen-Darm-Infektionen im Erwachsenenalter können in ein Reizdarmsyndrom übergehen. Bei fast jedem zehnten Patienten halten die entsprechenden Symptome bis zu zehn Jahre an. In einer Metaanalyse wurde deutlich, dass sich ähnliche Entwicklungen auch bei Kindern abspielen können.

In einer prospektiven multizentrischen Kohortenstudie haben Licia Pensabene von der Universität Magna Graecia, Calanzaro (Italien) und Kollegen nun die Häufigkeit postinfektiöser funktioneller Gastrointestinalstörungen bei Vier- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen nach Darminfektionen mit verschiedenen Erregern untersucht.

Innerhalb eines Monats nach der im Labor bestätigten Infektion nahmen die jungen Patienten an der Studie teil. Jedem Kind wurde ein durchfallfreier Klinikpatient gleichen Geschlechts und ähnlichen Alters als Kontrolle zugeordnet. Die Auswertung erfolgte anhand von Elternauskünften zu den gastrointestinalen Beschwerden ihrer Kinder entsprechend den Rom-III-Kriterien innerhalb des ersten Monats nach der Darminfektion sowie nach drei und sechs Monaten.

Die meisten Infekte durch Rotaviren verursacht

Bei den 32 Patienten der Infektionsgruppe waren 56,8 Prozent der vorausgegangenen Darminfekte durch Rotaviren verursacht worden, 30 Prozent durch Salmonellen, bei 6,6 Prozent war Adenovirus der Auslöser, bei 3,3 Prozent Norovirus und bei ebenfalls 3,3 Prozent Giardia lamblia.

Im Vergleich zu Kontrollpatienten traten funktionelle Gastrointestinalbeschwerden signifikant häufiger bei Kindern auf, die im Vorfeld eine Darminfektion durchgemacht hatten. Lag diese höchstens einen Monat zurück, waren 40,6 versus 12,5 Prozent in der Kontrollgruppe betroffen, was einer Risikosteigerung um 90 Prozent entspricht.

Auch nach drei und sechs Monaten litten Kinder mit vorausgegangenen Darminfektionen rund doppelt so häufig an funktionellen Störungen wie Kinder ohne diese Vorgeschichte (drei Monate: 53 vs. 15,6 %, relatives Risiko RR 2,2; sechs Monate: 46,8 vs. 15,6 %, RR 1,9).

Zu den Symptomen, über die die Kinder klagten, zählten Obstipation und Reizdarmsyndrom, zudem Stuhlinkontinenz, Dyspepsie, Abdominalschmerz und weitere.

Beschwerden nahmen stetig zu

Funktionelle Darmbeschwerden mit Bauchschmerzen nahmen innerhalb der Studienzeit stetig zu, und nach sechs Monaten klagten 70 Prozent mehr Kinder mit überstandenen Infektionen darüber als Kontrollpatienten (28,1 vs. 6,2 %).

Während man bei Erwachsenen Dauer und Schweregrad der vorausgegangenen akuten Diarrhö aber als wichtigen Prädiktor für die Entwicklung eines Reizdarmsyndrom sieht, konnten bei den Kindern in dieser Studie keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Schweregrad der akuten Diarrhoe und der Häufigkeit oder dem Typ der postinfektiösen funktionellen Gastrointestinalstörung nachgewiesen werden.

Allerdings, so schränken die Studienautoren um Pensabene ein, fehlten häufig Angaben zur genauen Dauer der akuten Diarrhoe, was entsprechende Schlussfolgerungen erschwerte.Auch zwischen den Geschlechtern zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich des Risikos für postinfektiöse funktionelle Gastrointestinalstörungen.

Jetzt seien größere prospektive Studien nötig, so Pensabene und Kollegen, um Kinder mit erhöhtem Risiko für postinfektiöse funktionelle Magen-Darm-Störungen künftig schon früher erkennen zu können und Wege zu finden, diese frühzeitig einzugrenzen.

Originalpublikation: Pensabene L et al.: Postinfectious Functional Gastrointestinal Disorders in Children: A Multicenter Prospective Study; Journal of Pediatrics 2015; 166 (4): 903–907

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