zur Navigation zum Inhalt
© Gasteiner Heilstollen
Bei der Stollentherapie wurden zehn Einfahrten innerhalb von drei Wochen genutzt. Als Vergleichstherapie dienten Soft-Dampfbäder mit gleichen klimatischen Bedingungen.
 
Orthopädie 12. Mai 2014

Radonbad versus Leitungswasser

Seit hundert Jahren wird die Radontherapie angewandt, nun wurde sie in einer verblindeten Studie getestet.

Eine Studie belegt die positive Wirksamkeit von Radon-Behandlungsserien auf die Schmerzsituation bei chronischen Schmerzen und die reduzierte Einnahme von Analgetika während des Nachbeobachtungszeitraums von neun Monaten.

Seit mehr als einem Jahrhundert ist die im europäischen Raum eingesetzte Kur- und Balneotherapie mit niedrig dosierter radioaktiver Strahlung eine akzeptierte therapeutische Methode. Vor allem bei schmerzhaften inflammatorischen und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates gilt sie als bewährte Therapieform.

EBM-taugliches Studiendesign

Im Rahmen der Veranstaltung stellte Dr. Thomas Franke von der Westsächsischen Hochschule Zwickau seine neue internationale multizentrische randomisierte Studie (IMuRA) vor, welche die Klasse 1b der Konzepte der evidenzbasierten Medizin erfüllt. Sie belegt die positive Wirksamkeit von Radon-Behandlungsserien auf die Schmerzsituation bei chronischen Schmerzen und die reduzierte Einnahme von Analgetika während des Nachbeobachtungszeitraums von neun Monaten.

Durchgeführt wurde die Studie in sieben Heilbädern in Deutschland und Österreich, unter anderem im Gasteiner Heilstollen. Alle teilnehmenden Zentren verfügten über Radonquellen oder die Möglichkeit zur Radonstollentherapie mit therapeutisch relevanten Radonkonzentrationen. Untersucher, Therapeuten und die 652 Patienten waren bezüglich der Therapie – mit Ausnahme der Heilstollentherapie – verblindet.

Die Studienintervention bestand aus zwölf Radonbädern im Verlauf von drei bis vier Wochen oder Leitungswasserbädern als Kontrollintervention. Bei der Stollentherapie wurden zehn Einfahrten innerhalb von drei Wochen genutzt, wobei hier als Vergleichstherapie Soft-Dampfbäder mit gleichen klimatischen Bedingungen zum Einsatz kamen.

Die Studienteilnehmer litten entweder unter chronischen Rückenschmerzen mit degenerativer Pathologie oder Osteoporose, Arthrose des Hüft- und/oder Kniegelenks, rheumatoider Arthritis oder an Spondylarthropathien. Bei Studienaufnahme wiesen sie deutliche chronische oder rezidivierende Schmerzen auf, die bereits über einen Zeitraum von länger als sechs Monaten bestanden.

Prof. Franke übernahm die wissenschaftliche Betreuung und Auswertung. Finanziert wurde die IMuRA-Studie durch den Verein Europäische Radonheilbäder e. V. (EURADON).

Nächste Schritte: vertiefende Studien

Unter Anwesenheit der führenden Rheumatologen Prof. Dr. Manfred Herold, MedUni Innsbruck, Doz. Dr. Josef Hermann, MedUni Graz, sowie dem ehemaligen Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR) Doz. Dr. Attila Dunky diskutierten Referenten und Teilnehmer im Anschluss über die Studie. Gelobt wurde vor allem das multizentrische verblindete Studiendesign mit einer hohen Probandenzahl. Dieses setzt bei der Forschung zur Kurortmedizin neue Maßstäbe.

Verbesserungsvorschläge gab es hinsichtlich weiterer Auswertungen der umfangreichen Daten. So könnten einzelne Krankheitsbilder separat ausgewertet und publiziert werden. Da der Wirkmechanismus der Radontherapie noch nicht in allen Aspekten geklärt ist, wurden zudem vertiefende Studien vorgeschlagen.

Funktionsverbesserung bei arthritischen Mäusen

Einen Überblick über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Radontherapie und ihrer Wirkung auf den Knochenstoffwechsel gab Dr. Martin Gaisberger vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie, PMU Salzburg. Vor allem Apoptose-Vorgänge und körpereigene pro- und antiinflammatorische Zytokine scheinen im Wirkgeschehen eine wichtige Rolle zu spielen. In dem Zusammenhang stellte Prof. Martin Herrmann von der Medizinischen Klinik 3, Universitätsklinikum Erlangen, die Rolle der Apoptose bei der Wirkung niedrig dosierter Strahlung auf Entzündungsgeschehen dar. Dazu präsentierte er Daten zur Wirkung von Radon bei arthritischen Mäusen, die eine Verbesserung von Funktion und krankheitsbedingter Mortalität zeigen.

Nähere Informationen unter: www.gasteiner-heilstollen.com oder www.euradon.de

Quelle: „Die Wirkung niedrig dosierter Strahlung und der Radontherapie auf das Schmerzgeschehen und inflammatorische Prozesse.“ Wissenschaftliche Sitzung der Gesellschaft der Ärzte in Wien, Wien, 9. April 2014

Originalpublikation: Franke A et Franke T: Long-term benefits of radon spa therapy in rheumatic diseases; Rheumatol Int 2013; 33 (11): 2839–50

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben