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Dr. Peter Spöttl vom LKH Feldkirch war leitender Notarzt in Nenzing.
 

„Persönlich hätte ich mir gleich zu Beginn mehr Rettungswagen gewünscht.“

3 Fragen, 3 Antworten

Wegen einer Nichtigkeit geriet ein Mann in Rage und nutzte sein Waffen-Arsenal, um wahllos in die Menge zu schießen. Selbst für erprobte Notfallmediziner wie Dr. Peter Spöttl kein alltäglicher Einsatz. Dieser lief aber „dank unserer guten katastrophenmedizinischen Ausbildung“ vorbildlich ab.

Österreich ist kein Land, in dem Amokläufe häufig vorkommen, aber sie geschehen. Sind wir da-rauf vorbereitet?

Spöttl:In Österreich gewährleisten die Notarztsysteme eine ausgezeichnete medizinische Versorgung beim Massenanfall Verletzter. Verletzte durch einen Amoklauf werden grundsätzlich gleich behandelt wie Verletzte durch andere Ursachen. Beim Amoklauf haben wir meist ähnliche Verletzungen, z. B. nur Schusswunden. Hier ist auch größtes Augenmerk auf die Sicherheit der Rettungskräfte zu legen. Erst wenn vermutlich alle Täter ausgeschaltet sind, kann mit der Verletztenversorgung begonnen werden.

Ist der Einsatz diesmal aus Ihrer Sicht perfekt gelaufen?

Spöttl:Kein Einsatz ist je perfekt, da in kürzester Zeit Entscheidungen nach dem jeweiligen Informationsstand – nach der derzeitigen Lage – getroffen werden müssen. Am grünen Tisch bei Licht und mit allen Fakten sind immer Optimierungsmöglichkeiten ersichtlich. Dank unserer guten katastrophenmedizinischen Ausbildung und Vorsorge ist der Einsatz in Nenzing aber geordnet abgelaufen, und alle Krankenhäuser konnten die zugewiesenen Patienten nach individualmedizinischen Regeln versorgen. Das Schwerpunktkrankenhaus erhielt, aufgeteilt auf zwei Rettungswagen, zwei schwer- und zwei leichtverletzte Patienten, drei Krankenhäuser erhielten je zwei und ein Krankenhaus einen Patienten.

Hätten Sie Wünsche offen, wie man auf Notfälle dieser Art noch besser reagieren könnte? Braucht es mehr Hubschrauber oder anderes schweres Gerät?

Spöttl:Hubschrauber wurden keine alarmiert. Durch die schlechte Sicht und die Hochspannungsleitungen wurde auf einen Einsatz verzichtet, zumal mit der Zeit ausreichend RTWs zur Verfügung standen und die Transportwege in Vorarlberg kurz sind. Persönlich hätte ich mir gleich zu Beginn mehr RTWs gewünscht. Ob dieser Mangel systemimmanent war oder ein Alarmierungsfehler vorlag, muss noch evaluiert werden.

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