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PD Dr. Patrick Weninger mit einem American Football-Spieler der Pittsburgh Panthers.
© (4) Doz.Dr.Patrick Weninger

Abb.1.: Im Bild das gerissene vordere Kreuzband. Jetzt sollte keine Zeit verloren werden.

Abb.2.: Das Kreuzband wurde entfernt. Die Bohrkanäle befinden sich im Oberschenkel und Schienbein.

Abb.3.: Das ersetzte vordere Kreuzband gibt dem Knie wieder Stabilität, grünes Licht für den Leistungssport.

 
Chirurgie 15. Februar 2016

Hohes Verletzungsrisiko für Football-Spieler

Lange wurden im American Football Verletzungen des Schädels und des Gehirns unterschätzt.

American Football ist eine Sportart, die häufig zu Verletzungen führt. Die Abklärung, meist noch am Spielfeldrand, ist daher notwendig, um gezielte therapeutische Maßnahmen einleiten zu können. Häufig kommt es zu Verletzungen, die einer operativen Versorgung bedürfen. Die rasche postoperative Physiotherapie ist entscheidend, um verletzte Spieler schnell wieder in die Mannschaft zu integrieren.

American Football ist der Amerikanische Sport Nummer 1. Jedoch nicht nur auf dem Spielfeld ist am Spieltag stressiges Treiben angesagt, auch am Rand des Feldes geht es rund. Die medizinischen Abteilungen der Mannschaften gehören zu den fixen Bestandteilen jedes Spieles – aus gutem Grund: Verletzungen im Football dominieren sämtliche Verletzungs-Statistiken und befinden sich an erster Stelle der Verletzungsursachen bei unter 30-jährigen Athleten in den Vereinigten Staaten.

Aufgrund der Häufigkeit von Verletzungen im Football wurden Anfang der 2000-er Jahre eigene „injury prevention“-Programme gegründet. Diese hatten zur Folge, dass die Diagnostik und die Behandlung von Verletzungen weiter professionalisiert wurden.

Verletzungen des Schädels

Am häufigsten und am gefährlichsten sind Verletzungen des Schädels und des Gehirns. Diese Verletzungen wurden beim American Football wohl lange Zeit unterschätzt, können jedoch zu schwerwiegenden Folgen und Beeinträchtigungen führen. Vernachlässigung dieser Verletzung entstand vorwiegend durch den Umstand, dass Football-Spieler „harte Kerle“ zu sein haben. Symptome nach Verletzungen der Kopf-Gehirnregion (wie Schwindel, Erbrechen, Bewusstseinsstörung) entspricht jedoch nicht unbedingt dem Bild des resistenten Athleten. Viele Spieler, aber oft auch Trainer und Ärzte, können den Schweregrad einer Schädelverletzung unmittelbar nach dem Trauma nicht adäquat beurteilen. Der Spieler selbst ist meist nicht in der Lage, eine Selbsteinschätzung zu übernehmen, da das oberste Ziel der Spielgewinn ist. Ein „Time out“ nach einem Tackle wird darüber hinaus immer als „Schwäche“ interpretiert.

Bei Schädelverletzungen ist zwischen akuten und chronischen Schäden zu unterscheiden. Bei den akuten Verletzungen des Gehirnes reicht die Palette von der klassischen Gehirnerschütterung bis hin zu schweren Einblutungen in das Gehirn oder Blutgerinnsel zwischen Schädelknochen und Gehirn. Die Symptomatik im Anfangsstadium ist oft sehr homogen:

• Übelkeit mit Erbrechen

• Schwindelgefühl

• Benommenheit

• Agitiertheit (Unruhe)

Ist der Impact auf den Schädel sehr heftig, kann es auch zu Bewusstlosigkeit kommen. Dann ist es wichtig, die lebenserhaltenden Funktionen Atmung und Kreislauf zu sichern.

In jedem Fall muss eine Schädelverletzung mit Benommenheit des Spielers Ernst genommen werden. Im Zweifelsfall sollte die Abklärung mittels Computer-Tomografie (CT) erfolgen.

Verletzungen durch Tackling

In manchen Fällen sind Schädelverletzungen auch mit Verletzungen der Halswirbelsäule (HWS) kombiniert. Besonders bei axialer Gewalteinwirkung auf den Schädel, wie dies beim Tackling vorkommt, kann es zu Stauchungsverletzungen der Halswirbelsäule kommen. Routinemäßig wird deshalb bei CT-Abklärung des Schädels auch die HWS auf Verletzungen gescannt.

Chronische Schädelverletzungen, wie sie nach Jahren des Sports auftreten können, haben oft ein Erscheinungsbild wie bei chronischen Durchblutungsstörungen des Gehirnes oder auch wie bei demenzkranken Patienten. Auch die HWS ist von Spätfolgen in Form von Bandscheibenvorfällen vielfach betroffen.

Die Kniegelenke sind beim American Football am häufigsten von Verletzungen betroffen. Die Verletzungsschwere reicht dabei von Zerrungen der Bänder bis hin zu schwersten Kapsel-Band-Zerreißungen oder Knieluxationen mit Gefäß-und Nervenschäden.

Der Klassiker ist die Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Die Verletzungskombination vorderes Kreuzband – inneres Seitenband – Innenmeniskus, auch als „unhappy triad“ bezeichnet, ist besonders oft zu beobachten.

Überdurchschnittlich gehäuft kommt es im Football auch zu Verletzungen des hinteren Kreuzbandes und der hinteren Kapselecke. Begründet ist dies durch die Gewalteinwirkung von vorne auf den fixierten Unterschenkel, wodurch das Knie nach hinten durchgebogen wird, sodass die hinteren Strukturen des Kniegelenkes in Mitleidenschaft gezogen werden.

Schnelle Operation

In der Akutphase der Verletzung ist die rasche Abklärung mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRT) zu fordern. Dann erst kann die gezielte Therapie eingeleitet werden. Sollte eine Operation erforderlich sein, wird diese bei Spitzensportlern sofort durchgeführt um nicht wertvolle Zeit für die Reha und das folgende Comeback verstreichen zu lassen. Dabei werden die verletzten Strukturen im Rahmen des „primary repair“ versorgt. Falls die direkte Erhaltung der zerrissenen Bänder aufgrund des hochgradigen Schadens nicht möglich ist, werden dieser durch körpereigene Sehnen ersetzt. Es besteht auch die Möglichkeit, Sehnen von Verstorbenen als Bandersatz zu verwenden. Vorteil ist, dass keine körpereigenen Sehnen entnommen werden müssen. Somit entfallen Defizite aufgrund der Sehnenentnahme und die OP-Zeit wird bei Komplexeingriffen verkürzt.

Unmittelbar nach dem Eingriff beginnt die Physiotherapie, meist noch am Tag der OP. In der amerikanischen Football-Liga (NFL) ist es Usus, dass sich um den verletzten Spieler mehrere Therapeuten mehrere Stunden täglich kümmern. Die Wiederkehr zum uneingeschränkten Sport erfolgt nach derart schweren Verletzungen frühestens nach neun Monaten. Voraussetzung ist, dass OP und Rehabilitation optimal ablaufen. Auch die psychische Komponente darf nicht vernachlässigt werden. Besonders nach einer schweren Knieverletzung ist es schwierig, diese auszublenden.

Röntgen in der Kabine

Häufig sind auch Verletzungen des Schultereck-Gelenkes. Diese reichen von einfachen Zerrungen der Bandverbindungen bis hin zu Sprengungen des Gelenkes mit Fehlstellung. Die Abklärung erfolgt im Rahmen der klinischen Untersuchung und mittels Röntgen. In einigen Fällen, wie bei Heimspielen der Pittsburgh Steelers, können Röntgen-Untersuchungen „on site“, also bereits in der Kabine, durchgeführt werden.

Ebenfalls zu den häufigeren Schulterverletzungen sind Verrenkungen (Luxationen) zu zählen. Im Rahmen der Verletzung kommt es meist auch zur Verletzung des Labrum-Komplexes, die dann in vielen Fällen eine operative Versorgung nötig macht. Im Rahmen der OP werden gerissene Bandverbindungen genäht oder mit rekonstruiert. In den meisten Fällen werden diese Eingriffe arthroskopisch durchgeführt. Vollständige Rückkehr in die Mannschaft gelingt meist nach drei bis sechs Monaten. Wieder spielt die Physiotherapie eine große Rolle.

Handgelenk und Finger

Handgelenke und Finger sind aufgrund des direkten Gegnerkontaktes vielfach von Verletzungen betroffen. Obwohl reichlich Tape verwendet wird, um Verletzungen vorzubeugen, kommt es regelmäßig zu Kapsel-Bandverletzungen und Sehnenrissen an den Fingern. In manchen Fällen reißen die Sehnen auch mit einem kleinen Knochenstück ab, sodass dieses wieder angeschraubt werden muss.

Beim Sturz auf die ausgestreckte Hand kann es zu Brüchen des Handgelenkes und der Handwurzel kommen. Diese Frakturen werden meist operativ versorgt, da sie aufgrund der starken Gewalteinwirkung mit starken Fehlstellungen einhergehen. Der operative Eingriff erspart den Athleten auch eine mehrwöchige Gipsruhigstellung, sodass gleich mit Bewegungsübungen begonnen werden kann. Durch schnelle und abrupte Richtungsänderungen werden die Bandstrukturen der Sprunggelenkgabel sehr beansprucht. Sowohl im Rahmen des direkten Gegnerkontaktes beim Tackling als auch indirekt bei Stop-and-go-Bewegungen kann es deshalb zu Bandverletzungen dieser Region kommen. Diese Bandverletzungen sind manchmal auch mit Knochenbrüchen oder knöchernen Ausrissen von Kapsel-Band-Anteilen verbunden.

Die Behandlung der Bänderverletzungen an der unteren Extremität ist eine Domäne der konservativen Therapie. Operiert werden muss bei Knochenbrüchen, Zerreißung der Knöchelgabel oder bei Vorliegen einer sehr instabilen Bandverletzung oder Sehnenrissen am Sprunggelenk.

PD Dr. Patrick Weninger ist Facharzt für Unfallchirurgie und Oberarzt im Knieteam des Orthopädischen Spitals Speising.

www.dr-weninger.at

Patrick Weninger, Ärzte Woche 7/2016

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