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Die Österreichische Atherosklerose Gesellschaft nimmt gemeinsam mit deutschen und Schweizerischen Experten Stellung zu den neuen amerikanischen Leitlinien bezüglich Cholesterinsenkung.
 
Kardiologie 5. Mai 2014

Neue AHA- und ACC-Leitlinie zur Risikoreduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Cholesterinsenkung

Stellungnahme der D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V., der Österreichischen Atherosklerose Gesellschaft und der Arbeitsgruppe Lipide und Atherosklerose (AGLA) der Schweizer Gesellschaft für Kardiologie.

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Zusammenfassung:

Kürzlich wurde im Namen der American Heart Association und des American College of Cardiology eine Leitlinie zur Cholesterinsenkung und Reduktion des Risikos für arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen veröffentlicht. Sie nimmt für sich in Anspruch, auf Evidenz randomisierter, kontrollierter Studien zu beruhen, und beschränkt sich deshalb auf die Behandlungsoptionen mit Statinen. Vor diesem Hintergrund gibt die Leitlinie keine Zielwerte mehr vor, sondern bezieht sich auf prozentuale Cholesterinsenkungen durch Statinmedikationen mit niedriger, moderater oder hoher Intensität, die allerdings genauso wenig als Vorgaben in randomisierten Studien geprüft worden sind wie die an der Praxis orientierten Zielwerte. Ähnliches gilt für die vier Patientengruppen, die die Leitlinie aufgrund ihres Risikos als therapiebedürftig definiert. Keine größere Statinstudie hat Probanden aufgrund eines errechneten globalen Risikos eingeschlossen, sodass auch die Zuordnungskriterien willkürlich gewählt sind. Sie würden zu einer erheblichen Ausweitung der Primärprävention mit hohen und maximalen Statindosen führen. Die Festlegung auf Statindosierungen statt Cholesterinzielwerte steht dem Prinzip einer individualisierten Behandlung entgegen. Zu begrüßen ist die Möglichkeit des neuen Risikoscores, zusätzlich zum 10-Jahres-Risiko das Lebenszeitrisiko bis zum 80. Lebensjahr zu ermitteln. Allerdings fließt dies nicht in die Behandlungsempfehlungen ein, obgleich Evidenz von Populations- und genetischen Studien darauf hinweist, dass die früh- und langzeitige moderate Senkung des Low-density-lipoprotein(LDL)- oder Non-high-density-lipoprotein(HDL)-Cholesterins eine weitaus stärkere Wirkung hat als eine intensive Behandlung im fortgeschrittenen Alter. Hinsichtlich der Sekundärprävention stimmt die neue Leitlinie mit der europäischen weitgehend überein. Die beteiligten Fachgesellschaften des D•A•CH-Bereichs empfehlen, weiterhin entsprechend den bewährten Richtlinien wie den Leitlinien der European Society of Cardiology und der European Atherosclerosis Society zu verfahren.

Nach den Aktualisierungen der Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) und der European Atherosclerosis Society (EAS) für die Prävention und Behandlung von Fettstoffwechselstörungen [1, 2] hat kürzlich eine Autorengruppe im Namen der American Heart Association (AHA) und des American College of Cardiology (ACC) eine Leitlinie zur Absenkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Cholesterinsenkung veröffentlicht [3]. Die Leitlinie beansprucht, die bislang in den USA akzeptierten Empfehlungen des National Cholesterol Education Program Adult Treatment Panel (NCEP/ATP III) aus den Jahren 2002 [4] und 2004 [5] in weiten Teilen abzulösen und in erster Linie auf rigoroser, systematischer Evidenz aus randomisierten, kontrollierten Studien zu beruhen.

Die Autoren selbst und das breite Echo auf das Dokument lassen anklingen, die Leitlinie breche mit den Prinzipien der cholesterinsenkenden Behandlung, wie sie bisher in nordamerikanischen [4, 5] und europäischen [1, 2] Leitlinien niedergelegt waren. Im Namen der D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V., der Österreichischen Atherosklerose Gesellschaft (AAS) und der Arbeitsgruppe Lipide und Atherosklerose (AGLA) der Schweizer Gesellschaft für Kardiologie kommentieren wir die Kernstücke der AHA/ACC-Leitlinie und kommen zu dem Ergebnis, dass sie in der Praxis mit den europäischen Leitlinien der ESC und EAS weitgehend übereinstimmt. Soweit Unterschiede erkennbar sind, geben diese jedoch keine Veranlassung, von den bewährten und akzeptierten Prinzipien der ESC/EAS-Leitlinie abzuweichen.

Der Internist
Organ des Berufsverbandes Deutscher Internisten
Organ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
©The Authors (2014)
This article is published with open access at Springerlink.com 2014
10.1007/s00108-014-3492-z

Die gesamte Stellungnahme im Volltext finden Sie open access hier bzw. im pdf-Format auf SpringerLink.

G. Klose, F.U. Beil, H. Dieplinger, A. von Eckardstein, B. Föger, I. Gouni-Berthold, W. Koenig, G.M. Kostner, U. Landmesser, U. Laufs, F. Leistikow, W. März, M. Merkel, D. Müller-Wieland, G. Noll, K.G. Parhofer, B. Paulweber, W. Riesen, J.R. Schaefer, E. Steinhagen-Thiessen, A. Steinmetz, H. Toplak, C. Wanner und E. Windler, springermedizin.at

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