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Pharmakologie & Toxikologie 7. September 2016

Pille mit Alkohol – kein Problem

Porenblocker. Eine an der Uni Graz entwickelte Arznei trotzt dem Alkohol.

Pharmazeutika, die ihre Wirkstoffe über längere Phase abgeben, enthalten – im Vergleich zu schnell freisetzenden Präparaten – höhere Arzneistoffmengen. Deshalb haben sie eine Art Zeitmesser eingebaut, der kontrolliert, wie, wann und wie lange Wirkstoffe freigesetzt werden. Bestimmte Patientengruppen, wie etwa Personen mit chronischen Schmerzen, Depressionen oder Gefäß-Erkrankungen, benötigen Medikamente, die ihre Inhaltsstoffe über mehrere Stunden abgeben.

„Wenn diese Mittel mit Alkohol kombiniert werden, könnte es zu einer sofortigen Freisetzung der gesamten Arzneistoffmenge kommen, also zu einer Überdosierung, die schwere gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann. Das betrifft vor allem Substanzen, bei denen die heilsame Dosis nicht weit von der toxischen Menge entfernt liegt“, erläutert Prof. Dr. Eva Roblegg vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz.

Mehr Sicherheit dank Porenblocker

Gemeinsam mit DI Dr. Simone Eder, TU Graz, hat sie ein Medikament entwickelt, bei dem die unkontrollierte Ausschüttung der Wirkstoffe nicht passiert, selbst wenn man dieses mit Alkohol einnimmt. „Gerade für die Therapie von Schmerzpatienten, in der es mitunter zu einem krankheitsbedingten Alkoholmissbrauch kommen kann, ist uns damit ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit gelungen“, sagt Roblegg.

Das Medikament, das Roblegg und Eder entwickelt haben, verzichtet auf die üblichen Kontrollmechanismen, die die Abgabe der Inhaltsstoffe von Medikamenten steuern, beispielsweise Filmüberzüge über Tabletten oder mittels Matrixsystemen. Stattdessen haben die Forscherinnen Arzneistoffkügelchen entworfen, die sie mit Porenblockern ausgestattet haben. „Das sind Substanzen, die weder mit Alkohol noch mit Wasser wechselwirken. Diese Blocker unterbinden die Quellbarkeit der Matrix – das heißt, auch wenn die Pellets mit Alkohol kombiniert werden, nimmt das keinen Einfluss auf die gesteuerte Abgabe der Wirkstoffe.“ Getestet wurden die Pellets mit Getränken, deren Alkoholgehalt sich zwischen fünf und vierzig Prozent bewegte.

MedUni Graz, Ärzte Woche 36/2016

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