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Pulmologie 12. September 2014

Azithromycin-Prophylaxe reduziert akute Exazerbationen

Besonders profitieren COPD-Patienten, die Antibiotika und Steroide benötigen.

Akuten Exazerbationen vorzubeugen und so die Prognose zu verbessern, ist ein Ziel bei COPD. Jede effiziente Prävention ist hier sinnvoll, sofern die Nebeneffekte tolerabel sind. Die Gabe von Azithromycin ist so eine, wenn auch nicht für jeden.

Akute Exazerbationen (AECOPD) erhöhen die Morbidität und Mortalität von COPD-Patienten. Ihre Vermeidung verbessert daher die Prognose. Jede effiziente Maßnahme diesbezüglich ist sinnvoll, sofern die Nebenwirkungen tolerabel sind.

Die intermittierende oder kontinuierliche Antibiotikagabe reduziert bei COPD-Patienten die Häufigkeit von akuten Exazerbationen und verlängert den Zeitraum bis zur nächsten. Hierzu sind besonders Makrolide in kontrollierten Studien gut untersucht. Sie sollen nicht nur einen antibakteriellen Effekt, sondern auch antiinflammatorische, immunmodulatorische und antivirale Wirkungen haben, weshalb sie besonders wirksam in der Prävention von AECOPD sind (siehe u. a. Restrepo et Anzueto: Am J Respir Crit Care Med 2014; 190: 1-2).

Demgegenüber stehen aber auch potenzielle Nebenwirkungen der Makrolide wie Hörverlust und kardiale Effekte. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei der Anwendung von Azithromycin in der Prävention von AECOPD muss daher genau abgewogen werden. Auch müssen Prädiktoren der Wirksamkeit näher definiert werden. Dies waren die Ziele einer kürzlich publizierten Studie ( Han et al.: Am J Respir Crit Care Med 2014 ).

Patienten und Methodik

In der Studie wurde die tägliche Gabe von Azithromycin in einer Dosis von 250 mg im Hinblick auf die Identifizierung von speziellen Varianten der AECOPD untersucht. Hierzu wurden 1.113 COPD-Patienten in die Studie aufgenommen. Die Patienten hatten eine irreversible Atemwegsobstruktion und waren in dem Jahr vor Beginn der Studie während der AECOPD steroid- und krankenhaus- und/oder sauerstoffpflichtig gewesen. Es wurden verschiedene Subgruppen gebildet und in ihnen der Effekt einer zusätzlichen Azithromycin-Gabe auf die Häufigkeit des Auftretens von akuten Exazerbationen bestimmt.

Ergebnisse

Azithromycin war bei den COPD-Patienten am effizientesten, die während der AECOPD Antibiotika und Steroide benötigten. In der Verum-Gruppe wurde die Rate der akuten Exazerbationen um 24 Prozent gesenkt (p = 0,002). Es ergaben sich keine Unterschiede im Therapieansprechen in Bezug auf Geschlecht, Vorhandensein einer chronischen Bronchitis, Art der inhalativen Therapie oder Sauerstoff-Pflichtigkeit. Nur ältere Patienten und solche mit einem niedrigeren GOLD-Stadium profitierten besser von der zusätzlichen Azithromycin-Gabe. Bei fortgesetztem inhalativen Zigarettenrauchen reduzierte Azithromycin die Exazerbationshäufigkeit nicht.

Ungewöhnlich hohe Dosis

„In der Studie wurde ein klinisches äußerst wichtiges Thema untersucht“, kommentiert Prof. Dr. Kurt Rasche vom Bergischen Lungenzentrum Helios, Wuppertal. „Die gewählte Dosis von 250 mg Azithromycin täglich ist ungewöhnlich hoch. Im Allgemeinen wird 250 mg Azithromycin dreimal pro Woche empfohlen, um die Nebenwirkungsrate gering zu halten. Nebenwirkungen wurden in dieser Studie allerdings nicht erfasst.“ Trotz dieser methodischen Schwächen werde aber erneut belegt, dass die kontinuierliche Azithromycin-Gabe die Exazerbationsrate um etwa ein Viertel in einem Jahr reduzieren kann. Besonders profitieren Patienten, die während der AECOPD Antibiotika und Steroide benötigen, also solche, die schwere Exazerbationen haben. Dieses sei ein wichtiges Ergebnis für die Indikationsstellung. Die ergab zudem, dass eine prophylaktische Antibiotika-Gabe bei fortgesetztem inhalativen Zigarettenkonsum ganz sicher kontraindiziert ist, weil in dieser Patientengruppe unwirksam.

„Dass besonders ältere Patienten und solche mit niedrigem GOLD-Stadium Azithromycin erhalten sollten, ist dagegen weniger praktikabel“, meint Rasche. „Insbesondere müssen doch gerade bei älteren Patienten aufgrund ihrer oft vorhandenen kardialen Komorbidität noch stärker potenzielle Nebenwirkungen beachtet werden. Und Patienten mit niedrigem GOLD-Stadium sind eine COPD-Gruppe, bei der die Prävention von AECOPD zwar auch sehr wichtig ist, die aber häufig nur milde Exazerbationen hat.“ Dennoch sei die Studie insgesamt ein interessanter Baustein in der Bewertung der prophylaktischen Antibiotika-Gabe bei COPD.

CL/springermedizin.de, Ärzte Woche 38/2014

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