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Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Besprechungen mit allen Mitarbeiten sorgen für eine gute Stimmung im Team.
 
Leben 22. Februar 2016

Der Umgang mit den Schwestern

Die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflege ist für den Ablauf in einem Krankenhaus extrem wichtig. Jungmediziner stehen jedoch vor besonderen Problemen.

Eine falsche Aufgabenverteilung im Klinikalltag oder auch Vorurteile der Schwestern gegenüber den Jungärzten sind häufig das Problem, wenn es zu Konflikten oder Missverständnissen kommt. Hilfreich ist, sich von Anfang an kollegial zu verhalten.

Der Arzt ist eine Autorität. Er stellt die Diagnose, bestimmt die Behandlung des Patienten und verschreibt die Medikamente. Pflegepersonal, selbst wenn es diplomiert ist, steht im gesellschaftlichen Ansehen und im Verdienst unter den Ärzten. Und sie leiden oft unter mangelndem Informationsfluss von Ärzteseite her.

In Deutschland kam das Modellprojekt „Interprofessionelle Kommunikation im Krankenhaus“ 2002 zu dem wenig überraschenden Schluss: „Die Kooperation zwischen Ärzten und Pflegenden ist stark optimierungsbedürftig.“ (http://bit.ly/1Vs577e). Studenten im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) oder Jungärzte im Turnus finden sich dabei in einer besonderen Situation wieder. Erstens sollen sie die Arztrolle erfüllen, obwohl sie eigentlich noch in der Ausbildung sind, zweitens steht ihnen nicht selten Pflegepersonal mit langjähriger Erfahrung zur Seite – oder gegenüber.

Die ewige Diskussion: Zu gut für einige Aufgaben?

Voll stolz darüber, das Medizinstudium (zumindest bald) geschafft zu haben, wird so mancher von der Überfülle des frisch erworbenen Wissens davongetragen und weiß besser als ein altgedienter Oberarzt, was zu tun ist. Wenn er sich dann auch noch zu gut für jene Arbeiten ist, die auch Schwestern durchführen können (und seit Kurzem auch dürfen), darf er sich nicht darüber wundern, dass ihn das Pflegepersonal „anrennen“ lässt.

Philipp Wimmer von der Plattform Jungmediziner ( www.jung mediziner.net ) sieht das Problem nicht zuletzt in einer falschen Aufgabenverteilung in der Praxis: „Diplomiertes Pflegepersonal wird zum Essenausteilen eingesetzt und Turnusärzte zum Anlegen von Infusionen. Stattdessen sollten Pflegehelfer das Essen austeilen, diplomierte Pfleger die Infusionen setzen und die Turnusärzte könnten sich um das praktische Erlernen der ärztlichen Tätigkeit kümmern.“

Die Überheblichen gäbe es, so Wimmer, „die werden aber sehr schnell kleinlaut.“ Schließlich haben die Pfleger die praktische Erfahrung, wie man etwa einen Venflon auch bei „schwierigen“ Venen legt. Leider habe sie manchmal aber schon das Bild „alle Jungärzte sind überheblich“ bei den Schwestern geprägt.

Die Empfehlungen, Konflikte zu vermeiden, ist im Grunde die für jeden Arbeitsplatz:

1. Das Gespräch suchen, sowohl beruflich als auch persönlich.

2. Sich selbst klar machen, ob es jetzt tatsächlich um Sachfragen geht oder um Persönliches.

3. Seine Arbeit ordentlich erledigen und weder zu viel delegieren noch zu viel an sich reißen.

4. Sich von Erfahreneren helfen und beraten lassen, wenn diese in einer Sache größere Kompetenz haben.

5. Grenzen höflich und konsequent ziehen. Dabei den anderen respektieren – auch der hat seine Grenzen.

Wie so oft hängt viel von der Abteilungsleitung ab. Sind die Strukturen und die Aufgabenverteilung klar, so entstehen weniger Konflikte in der täglichen Arbeit. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Lob vom Chef fördert die Zufriedenheit und den Frieden auf der Abteilung. Auch Teambesprechungen mit allen Mitarbeitern helfen – im Zweifelsfall unter Aufsicht eines Supervisors.

Stellt euch mit der Pflege gut

Johanna Weiß, eine Betroffene, schreibt über ihre Erfahrungen (http://ichbinarzt.de/weis-in-weis-achtung-student): „Liebe Medizinstudenten, wollt ihr zum Beginn eures Arztdaseins erfahrene Leute an eurer Seite haben, die euch auch mal Arbeit abnehmen und bei praktischen Dingen helfen, dann stellt euch mit der Pflege gut. Von ihnen könnt ihr eine Menge lernen. Außerdem ist es ganz praktisch, wenn man während des Nachtdienstes auch nicht wegen jeder Kleinigkeit geweckt wird. Zeigt ihr euch auch der Pflege gegenüber kollegial, bekommt ihr das meist in gleichem Maße zurück. Hier und da mal ein nettes Wort oder ein „Bitte“ und „Danke“ können oft Wunder bewirken. Nehmt ihr dann noch selbst Blut ab oder messt einmal selbst den Blutdruck, kann euch eigentlich gar nichts mehr passieren. Und um Himmelswillen legt euch nicht mit dem Oberarzt an.“

„Liebe Pflege, bitte habt ein Herz. Wir sind nicht alle so. Viele Medizinstudenten sind sehr nett und auch gewillt etwas zu lernen. Habt bitte etwas Geduld mit uns, gebt uns eine Chance und ab und zu ein Lächeln. Medizinstudenten können nämlich auch ganz nette und hilfreiche Wesen sein.“

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 8/2016

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