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Wenn die Wände schimmeln, muss gründlich saniert werden.
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Gluckernde Heizungen — eine gefährliche Zeit für Asthmapatienten!

 
Pulmologie 7. Dezember 2015

Patienten für den Winter rüsten

Das Risiko von Atemwegsinfektionen steigt. Grippeschutzimpfungen aktivieren das Immunsystem.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Exazerbation eines Asthma bronchiale kommt, ist im Herbst und im Winter — also, wenn Viren und Bakterien „Saison“ haben — groß. Asthmapatienten sollten rechtzeitig auf die nasskalte Jahreszeit vorbereitet werden. Dazu gehören alle Maßnahmen, die dazu beitragen, das Exazerbationsrisiko zu mindern — von Impfungen bis hin zur möglichst umfassenden Allergenminimierung.

Die Heizung läuft wieder, der Sommer ist endgültig vorbei. Herbst und Winter halten Einzug. Damit steigt das Risiko für die Entwicklung von Atemwegsinfektionen und somit auch für das Auftreten von Asthma-Exazerbationen. Dem zu begegnen ist in der Praxis ein wichtiger Aspekt einer umfassenden Betreuung von Patienten mit Asthma bronchiale.

Es sollte längst eine Selbstverständlichkeit sein, Asthmapatienten unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung vorsorglich gegen die Influenza zu impfen. Die Grippeschutzimpfung senkt dabei nicht nur das Risiko für eine Influenzainfektion, sondern bewirkt auch eine allgemeine Aktivierung des Immunsystems.

Mit anderen Worten: Die Impfung gegen Influenzaviren schützt Asthmapatienten in gewissem Maße auch gegen Infektionen mit anderen Viren. Dies trifft insbesondere für die typischen Erkältungsviren wie beispielsweise Adeno- und Coronaviren bei Erwachsenen und RS-Viren bei Kindern zu. Selbstverständlich sollten Asthmapatienten wegen ihres hohen Risikos auch eine Impfung gegen Pneumokokken erhalten.

Mit einem „Herbstputz“ die Milben auskehren

Mit dem Einschalten der Heizung wird in vielen Wohnungen weniger gelüftet, worüber sich die Hausstaubmilben freuen.

Die Allergenkonzentration in den Wohnungen steigt an. Vor allem Asthmapatienten ist deshalb zu einer Milbensanierung in Herbst und Winter zu raten, quasi zu einem intensiven „Herbstputz“ mit dem Ziel, den Hausstaub und die darin enthaltenen Allergene möglichst umfassend zu eliminieren.

Dazu gehört unter anderem das Waschen der Milbenüberzüge der Betten. Da die Vegetationsperiode der Milben bei etwa sechs Wochen liegt, sollten die Überzüge außerdem im Winter alle sechs Wochen gewaschen werden. Es ist außerdem empfehlenswert, zu Beginn der Heizperiode einmal die Teppichböden einer Intensivreinigung mit dem Dampfstrahler zu unterziehen.

Bei Patienten mit einem allergischen Asthma, die auf Hausstaub reagieren, ist zudem eine Hyposensibilisierung zu erwägen. Seit kurzem ist diese auch in Tablettenform möglich: Analog zur „Gräsertablette“ hat nun auch die „Hausstaubmilbentablette“ die offizielle Zulassung zur Immuntherapie der Hausstaubmilbenallergie in der EU erhalten. Das Präparat wurde laut Herstellerangaben im bisher größten Studienprogramm weltweit für die Indikation an mehr als 5.000 Patienten geprüft.

Die Tablette zeigte in den Studien bei der durch Hausstaubmilben bedingten allergischen Rhinitis und dem durch Hausstaubmilben bedingten allergischen Asthma bronchiale konsistente und signifikante Ergebnisse. Das Präparat wurde daher für beide Indikationen — die allergische Rhinitis wie auch das allergische Asthma bronchiale mit begleitender Rhinitis — zugelassen.

Nicht vergessen sollte man, dass auch die von Haustieren ausgehenden Allergene im Frühjahr und Sommer, wenn die Tiere sich vermehrt im Freien aufhalten, weniger problematisch sind als in Herbst und Winter, wenn Mensch und Tier sich mehr in die Wohnung zurückziehen. Mit Beginn der Heizsaison steigt daher auch die Allergenbelastung durch Tierhaare in der Wohnung von Tierhaltern an.

Allergiker sollten ihre Haustiere daher in der kalten Jahreszeit soweit möglich in einem Winterquartier unterbringen, was zumindest bei Kleintieren wie Hamster und Kaninchen in der Garage möglich ist. Katzenliebhabern mit Asthma ist zu raten, die Tiere regelmäßig zu baden und anschließend trocken zu rubbeln, um so die Allergenbelastung möglichst gering zu halten.

Bei Schimmelbefall unbedingt sanieren

Auch Schimmel taucht oftmals wieder auf, wenn die Tage kürzer und kälter werden. Es ist für Allergiker und Asthmatiker daher wichtig, vor Beginn der „Schimmelsaison“ entsprechende Sanierungsarbeiten vorzunehmen, durch eine umfassende Renovierung bei sichtbarem Schimmelbefall oder zumindest durch das Streichen der betroffenen Räume oder Wände. Und selbstverständlich ist regelmäßiges Stoßlüften angesagt.

Den Patienten kann in diesem Zusammenhang auch geraten werden, im Bedarfsfall eine Umweltberatungsstelle aufzusuchen und sich von den Mitarbeitern dort Tipps für die Schimmelsanierung geben zu lassen.

Zu erwägen ist ferner eine Anpassung der medikamentösen Therapie, indem bei Infekt-Asthmatikern oder auch bei Milben-Asthmatikern eine Erhöhung der Dosierung der inhalativen Steroide für die Wintermonate erfolgt.

Denkbar ist auch, die Behandlung bei Patienten, die normalerweise lediglich bedarfsorientiert therapiert werden, zur besseren Asthmakontrolle für die Wintermonate auf eine Basistherapie umzustellen.

Der Originalartikel „Jetzt Patienten für Herbst und Winter rüsten“ ist erschienen in „MMW – Fortschritte der Medizin“ 20/2015, DOI 10.1007/s15006-015-7545-6, © Springer Verlag.

Dr. Michael Barczok ist am Lungenzentrum in Ulm tätig.

Michael Barczok, Ärzte Woche 50/2015

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