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Allgemeinmedizin 14. März 2014

Östrogene Wirkung

Rauchen fördert frühen Brustkrebs.

Junge Frauen, die Raucherinnen sind oder waren, haben ein erhöhtes Risiko, schon vor der Menopause an Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs zu erkranken. Auf tripel-negative Tumoren scheint das Rauchverhalten hingegen keinen Einfluss zu haben.

Zu den zahlreichen Risiken, die junge Raucherinnen in Kauf nehmen, gehören auch frühe Brustkrebserkrankungen. Der Literatur zufolge ist von einer um 15 bis 40 Prozent erhöhten Rate an prämenopausalen Karzinomen auszugehen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine jetzt Fall-Kontroll-Studie: Im Vergleich zu Frauen, die nie geraucht haben, liegt das Erkrankungsrisiko von (Ex-)Raucherinnen um 30 Prozent höher ( Kawai M et al.: Cancer 2014; online 10. Feb. ).

Was die Studie auch zeigt: Dieser Risikoanstieg kommt durch eine Häufung von Östrogenrezeptor-(ER)-positiven Tumoren zustande. Mammakarzinome, denen Östrogen- und Progesteronrezeptoren sowie der epidermale Wachstumsfaktorrezeptor HER2/neu fehlen, sogenannte tripel-negative Tumoren, treten nicht öfter auf.

An der bevölkerungsbasierten Studie hatten 960 Frauen teilgenommen, bei denen im Alter zwischen 20 und 44 Jahren ein invasives Mammakarzinom diagnostiziert worden war. Bei 778 Frauen war der Rezeptorstatus ER-positiv, bei 182 tripel-negativ. Den Patientinnen wurde eine Kontrollgruppe von 938 Frauen ohne Krebs gegenübergestellt.

Die Steigerung des Brustkrebsrisikos insgesamt lag bei Noch- und Ex-Raucherinnen mit 40 und 30 Prozent in einer ähnlichen Größenordnung. Ein Dosis-Wirkungs-Effekt in Abhängigkeit von den Packungsjahren war allerdings nicht festzustellen. Wie die Auswertung nach Rezeptorstatus ergab, war ausschließlich die Quote an ER-positiven Karzinomen erhöht: Sie lag bei Frauen, die rauchten oder geraucht hatten, um 40 Prozent über der von Nie-Raucherinnen.

Bei den ER-positiven Tumoren war auch ein Zusammenhang mit Dauer und Intensität des Zigarettenkonsums erkennbar: Frauen, die mehr als 15 Jahre geraucht hatten bzw. auf mehr als zehn Packungsjahre zurückblickten, hatten ein um 50 bzw. 60 Prozent höheres Erkrankungsrisiko als konsequent Rauchabstinente. Dieses Risiko näherte sich wieder dem Ausgangswert, wenn die Frauen vor mindestens zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatten.

Dass sich die Schadwirkung des Rauchens auf ER-positive Mammakarzinome beschränkt, steht in Einklang mit der Mehrzahl der dazu vorliegenden Daten älterer Studien. Kawai et al. vermuten, dass dies mit der östrogenen Wirkung vieler im Tabak enthaltener Karzinogene zusammenhängt. So hätten etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, aromatische Amine und Nitrosamine das Potenzial, die Entstehung von Brustkrebs zu fördern. All diese Substanzen sind, so Kawai et al., auch im Brustgewebe von Raucherinnen nachweisbar.

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